Was hat sich diese Woche rund um Blockchain und Kryptowährungen getan? Die relevantesten lokalen und internationalen Geschehnisse sowie ansprechende Hintergrundberichte pointiert und kompakt im Wochenrückblick.
Selektierte Artikel der Woche:
Die Raiffeisen Schweiz wird ab 2027 Krypto-Handel und Verwahrung anbieten, wie sie diese Woche exklusiv gegenüber CVJ.CH bestätigte. Als Genossenschaft aus 212 selbstständigen Banken ist Raiffeisen nach UBS die zweitgrösste Schweizer Bankengruppe und nach Kundenzahl die grösste Retailbank des Landes. Die Bilanzsumme lag Ende 2025 bei rund 323 Mrd. CHF, die Kundeneinlagen bei 225.8 Mrd. CHF, das Depotvolumen bei 59.7 Mrd. CHF. Als Partner fungiert die Sygnum Bank, die im Januar 2025 in einer 58 Mio. USD schweren Finanzierungsrunde den Unicorn-Status erreichte und als Partner diverse Schweizer Banken bedient. Der Vorstoss kommt nicht überraschend: Mit nun rund 20 Anbietern hat die Schweiz die dichteste Krypto-Bankenlandschaft weltweit. Bald bleibt die UBS die einzige Schweizer Grossbank ohne Retail-Krypto-Angebot.
Krypto-Assets bei Raiffeisen ab 2027: Die Schweizer Genossenschaftsbank bietet Handel und Verwahrung mit Sygnum als Partner.
US-Senat blockiert CLARITY Act über Ethik-Klausel
In Washington droht der wichtigste Krypto-Gesetzesentwurf in der Schlussphase zu kippen: Das Senate Banking Committee stimmte dem CLARITY Act mit 15-9 zu, doch im Plenum fehlen die nötigen 60 Stimmen. Mit nur 53 republikanischen Sitzen braucht es mindestens sieben Demokraten – im Ausschuss überzeugten lediglich Ruben Gallego und Angela Alsobrooks. Die zentrale Blockade ist eine Ethik-Klausel, die hochrangigen Regierungsbeamten Krypto-Geschäfte verbieten soll und vom Weissen Haus abgelehnt wird; das Van-Hollen-Amendment scheiterte 11-13. Das Gesetz würde die Aufsicht neu zuschneiden: Digital Asset Commodities zur CFTC, Restricted Digital Assets zur SEC, Stablecoins unter gemeinsame Aufsicht. Galaxy Research beziffert die Verabschiedungswahrscheinlichkeit dennoch 2026 auf 75%, mit erwarteter Unterzeichnung in der Woche des 3. August. Die operative Umsetzung über SEC- und CFTC-Rulemaking dürfte erst 2027 greifen.
Der CLARITY Act passierte den Senate Banking Committee 15 zu 9. Im Vollsenat fehlen sieben Stimmen, der Ethik-Streit blockiert den Weg.
VanEck bringt ersten US-BNB-ETF an die Nasdaq
Der Krypto-Produkteanbieter VanEck hat den ersten US-Spot-BNB-ETF unter dem Ticker VBNB an der Nasdaq lanciert und schliesst damit eine der letzten Lücken im ETF-Angebot der führenden Krypto-Assets. BNB ist mit rund 88 Mrd. USD Marktkapitalisierung die viertgrösste Kryptowährung. Die Sponsor Fee des Fonds beträgt 0.39%, Verwahrer ist die Anchorage Digital Bank in South Dakota. Dabei war VanEck Erstantragsteller seit Mai 2025, fünf Amendments später entfernte die Behörde Ende 2025 die Staking-Bestimmungen. Grayscales konkurrierender GBNB steht noch aus, wird aber auch in absehbarer Zeit grünes Licht erhalten.
VanEck listet mit VBNB den ersten US-Spot-BNB-ETF an der Nasdaq. Fee 0.39%, Verwahrung bei Anchorage Digital, kein Staking zum Start.
OpenZeppelin-Mitgründer rät zum DeFi-Ausstieg
Eine ungewöhnlich harte Warnung kommt aus dem Zentrum der DeFi-Sicherheitsbranche: Manuel Aráoz, Mitgründer von OpenZeppelin, bezeichnet den gesamten Sektor als unsicher und rät Freunden und Familie zum Komplett-Ausstieg. Das ist bemerkenswert, weil OpenZeppelin seit 2017 über 900 Audits durchgeführt hat, ein TVL von 250 Mrd. USD absichert und in 9 der 10 grössten Stablecoins zum Einsatz kommt. Aráoz‘ Kernargument: KI-Coding-Agents führen bei 72% bekannter Schwachstellen autonome Exploits aus, während spezialisierte AI-Security-Agents 92% erkennen. Verteidiger müssen jeden Bug fixen, Angreifer brauchen nur einen. Die Zahlen stützen seine These: Im April 2026 wurden 630 Mio. USD aus 27 Vorfällen entwendet, der schlimmste Monat seit dem Bybit-Hack im Februar 2025. Drift Protocol verlor 285 Mio. USD über sechs Monate Social-Engineering-Infiltration, KelpDAO 293 Mio. USD über eine LayerZero-Bridge-Lücke.
OpenZeppelin-Mitgründer Aráoz nennt das gesamte DeFi unsicher und rät zum Ausstieg. Das DeFi Sicherheitsrisiko trifft auch Aave und Compound.
Ausserdem: Tokenisierte Beteiligungen als Schweizer Steuermodell
Tokenisierte Beteiligungen rücken als steuereffiziente Alternative zu klassischem Eigenkapital in den Fokus, wie ein Gastbeitrag von Dominic Nazareno und Christoph Drexl, beide Partner bei PrimeTax AG, diese Woche darlegt. Klassische Beteiligungen unterliegen 35% Verrechnungssteuer auf Ausschüttungen – für natürliche Personen bleibt nach DBA-Rückerstattung ein nicht rückforderbarer Sockel von 15%. Vertragsbasierte Investment-Tokens behandelt die ESTV dagegen anders, sofern zwei Schwellen eingehalten werden: Token-Inhaber dürfen kollektiv höchstens 50% der emittierten Token halten, und die Gewinnbeteiligungsquote darf 50% des EBIT nicht übersteigen. Bei sauberer Strukturierung mit verbindlichem Steuerruling lassen sich Verrechnungssteuer, Gewinnsteuer und Mehrwertsteuer damit anders adressieren als bei klassischen Aktien-Beteiligungen. Die Schweiz baut so ihre Position als Standort mit regulatorischer Klarheit für Tokenisierung weiter aus.
Die Tokenisierung eröffnet Unternehmen neue Wege, Investoren flexibel einzubinden und Finanzierungen effizient zu gestalten.








