Die US-Spot-Hyperliquid-ETFs THYP und BHYP verbuchten am Mittwoch Rekord-Tageszuflüsse von 25.5 Mio. USD. Gleichzeitig kletterte der HYPE-Token um rund 15 bis 18 Prozent auf ein Allzeithoch von 62 USD.
Hyperliquid ist eine On-Chain-Perpetual-Futures-Börse mit eigener Layer-1-Blockchain und gilt heute als dominante dezentrale Plattform für gehebelte Krypto-Derivate. Der zugehörige HYPE-Token wurde im November 2024 per Community-Airdrop ohne VC-Beteiligung verteilt und koppelt Plattform-Gebühren ferner direkt an einen laufenden Rückkauf-Mechanismus. 21Shares brachte im Mai 2026 die ersten US-Spot-ETFs auf den Token an die Nasdaq, Bitwise zog wenige Tage später mit BHYP an der NYSE nach. Damit existieren erstmals regulierte US-Anlageprodukte auf einen Altcoin ausserhalb der etablierten Top-Layer. Insgesamt summieren sich die kumulierten Nettozuflüsse beider Produkte nach sieben Handelstagen auf rund 54 Mio. USD, wobei die tägliche Zuflussdynamik zuletzt deutlich an Tempo gewonnen hat.

THYP und BHYP liefern Rekordtag mit unterschiedlichen Ansätzen
21Shares brachte gleich zwei Produkte an die Nasdaq. Ausserdem startete neben dem Spot-ETF THYP das gehebelte Pendant TXXH mit täglich zweifachem Exposure. THYP berechnet 0.30 Prozent Management Fee und staked seine HYPE-Bestände über Figment, wobei Trust und Provider die Erträge im Verhältnis 70/30 untereinander aufteilen. Die erste Ausschüttung ist für Juni 2026 vorgesehen. TXXH ist mit 1.89 Prozent Fee deutlich teurer und richtet sich folglich an taktisch agierende Trader.
Bitwise zog wenige Tage später nach und listete BHYP an der NYSE. Der Vermögensverwalter verlangt 0.34 Prozent, verzichtet allerdings im ersten Monat auf Gebühren für die ersten 500 Mio. USD AuM. Anders als 21Shares setzt der Anbieter beim Staking auf eine proprietäre Onchain-Infrastruktur statt auf einen Drittanbieter. Ferner fliessen 10 Prozent aller Gebühren in HYPE-Käufe auf der eigenen Bilanz. Per Anfang April 2026 verwaltete Bitwise insgesamt 11 Mrd. USD an Kundengeldern.
Am Rekordtag selbst stiegen die kumulierten Nettomittel beider Produkte deutlich über die 30.82 Mio. USD vom Vortag. THYP allein steigerte seinen Tageszufluss von 5.3 auf 16.7 Mio. USD, also mehr als das Dreifache des Vortagswerts. BHYP trug die restlichen 8.8 Mio. USD bei und lag damit ebenfalls über seinem bisherigen Lauf seit Handelsbeginn.
Hyperliquid ETF schlägt XRP und Solana im Zuflussvergleich
Im direkten Wettbewerb der Altcoin-ETFs setzt sich der Hyperliquid-ETF klar an die Spitze. Am Vortag des Rekords zogen die beiden HYPE-Produkte zusammen 11 Mio. USD an. XRP- und Solana-ETFs kamen kombiniert hingegen nur auf rund 5.3 Mio. USD. Gleichzeitig verloren Bitcoin- und Ethereum-Spot-ETFs am selben Tag zusammen 393 Mio. USD an Vermögen. Somit floss an diesem Handelstag mehr Kapital in zwei junge Altcoin-Produkte als in die etablierten Marktführer.
Noch deutlicher wird das Bild marktkapitalisierungsbereinigt. Gemessen an der Grösse des Underlyings übertrafen die HYPE-ETFs die Bitcoin-Spot-ETFs an drei von sechs Handelstagen. Die Ether-Produkte schlugen sie sogar an fünf von sechs Tagen. ETF-Käufer akkumulierten in den ersten sechs Handelstagen ausserdem rund 2.5x mehr HYPE, als der Hyperliquid Assistance Fund im selben Zeitraum verbrannte. Folglich verschärft sich der Angebotsdruck auf dem freien Markt, zumal das Floating Supply ohnehin durch laufende Burns abnimmt.
Der Vergleich mit dem Bitcoin-Spot-ETF-Launch im Januar 2024 dient vielen Analysten als Benchmark für institutionelle Adoption. Dass ein Altcoin-ETF marktbereinigt schneller Kapital anzieht als das damalige Referenzprodukt, gilt als signifikantes Signal. Ob die Stärke anhält oder als reiner Launch-Effekt verpufft, dürfte schliesslich die kommende Zuflussdynamik zeigen.
Das Protokoll hinter dem Token überzeugt mit harten Zahlen
Hinter dem Token-Aufschwung steht ein operativ ungewöhnlich starkes Protokoll. Hyperliquid wickelt täglich rund 8 Mrd. USD an Perpetual-Futures-Volumen ab und kam im laufenden Monat insgesamt auf über 170 Mrd. USD. Der annualisierte Protokoll-Umsatz liegt nach Schätzungen bei über 620 Mio. USD. Seit dem Start hat die Plattform kumuliert mehr als 4 Bio. USD an Handelsvolumen verarbeitet. Somit ist Hyperliquid zur dominierenden On-Chain-Perpetual-Börse aufgestiegen.
Bemerkenswert ist der Anteil an den gesamten Blockchain-Gebühren. In der laufenden Woche entfallen rund 42 bis 43 Prozent aller On-Chain-Gebühren auf das Protokoll. Das ist mehr, als Tron, Solana und Ethereum zusammen generieren. Im dezentralen Perpetual-Futures-Markt vereint die Plattform ferner über 50 Prozent des gesamten Open Interest auf sich. Der HYPE-Token startete schliesslich ohne VC-Beteiligung per Community-Airdrop. Daher fehlen typische Verkaufsdrücke aus Token-Vesting an Frühinvestoren, die andere L1-Projekte über Monate belasten.
Hyperliquid TVL (Linie, links) und generierte Gebühren (Balken, rechts) / Quelle: DeFi Llama
Das Token-Design lenkt diese Gebühreneinnahmen direkt zu den HYPE-Inhabern zurück. Bislang sind 45.4 Mio. HYPE im Wert von rund 2.2 Mrd. USD verbrannt, was 14.65 Prozent des ursprünglichen Genesis-Airdrops entspricht. Steigt das Handelsvolumen weiter, beschleunigt sich zudem der Rückkauf-Mechanismus. Genau dieser Hebel macht das Protokoll für institutionelle ETF-Käufer attraktiv, zumal die Verbindung zwischen Plattform-Erfolg und Token-Knappheit transparent dokumentiert ist.
Folge-ETFs und institutionelle Akkumulation als zusätzliche Treiber
Neben den ETF-Zuflüssen wirken mehrere Katalysatoren parallel. Eine mit Andreessen Horowitz verknüpfte Wallet hat seit April 2026 rund 2.11 Mio. HYPE im Gegenwert von 90.87 Mio. USD akkumuliert. Coinbase übernahm ausserdem die Rolle des offiziellen USDC-Treasury-Deployers auf Hyperliquid, während Circle die technische Bereitstellung verantwortet. Trade.xyz brachte zuletzt einen synthetischen SpaceX Pre-IPO Perpetual namens SPCX auf der Plattform an den Start. Das Open Interest im RWA-Segment auf Hyperliquid hat sich zudem in zwei Monaten auf 2.6 Mrd. USD verdoppelt.
Regulatorisch lieferte der US-Senat zusätzlichen Rückenwind. Das Senate Banking Committee verabschiedete im Mai 2026 den Clarity Act, der für Krypto-Marktstrukturen Rechtssicherheit schaffen soll. Grayscale plant ferner einen Spot-HYPE-ETF unter dem Ticker GHYP, VanEck hat ein vergleichbares Produkt eingereicht. Beide Produkte sind allerdings noch nicht handelbar und benötigen zunächst die Effektivität ihrer S-1-Registrierung.







