Die insolvente Krypto-Börse Mt. Gox bewegte Bitcoin im Umfang von 10'422 BTC (rund 739 Mio. USD) in zwei Transaktionen an bisher unmarkierte Adressen. Es ist die erste signifikante Wallet-Bewegung der insolventen Börse seit Ende März 2026.
Mt. Gox war einst die grösste Bitcoin-Börse der Welt. 2013 wickelte die Plattform rund 70% des globalen Bitcoin-Handels ab, bevor sie nach einem Hack 2014 rund 850'000 BTC verlor und Insolvenz meldete. Der Kollaps legte den Grundstein für verschärfte Börsen-Regulierungen weltweit und gilt bis heute als einer der folgenreichsten Zusammenbrüche der Krypto-Geschichte. Seither läuft ein Gläubiger-Rehabilitationsverfahren unter japanischem Insolvenzrecht. Der Tokyo District Court genehmigte 2021 einen Rehabilitationsplan; Treuhänder Nobuaki Kobayashi ist seitdem für die Rückzahlung an rund 24'000 Gläubiger zuständig. Im Juli 2024 begannen die ersten Auszahlungen über die Partner-Börsen Kraken und Bitstamp, und bis heute haben rund 19'500 Gläubiger Zahlungen erhalten. Der aktuelle Transfer umfasst 10'306 BTC (730.8 Mio. USD) an die neue Adresse „14FEEM" sowie 116 BTC (8.25 Mio. USD) ans bekannte Mt.-Gox-Hot-Wallet „1Jbez". Die Mittel sind bei Arkham Intelligence jedoch noch als „unspent" markiert und flossen bisher weder an eine Custody-Plattform noch an eine Börse.
Erste grosse BTC-Bewegung seit drei Monaten
Der Haupttransfer erfolgte um etwa 04:47 UTC und wurde in Bitcoin Block #952'072 bestätigt. Dabei gingen 10'306.35 BTC (~730.8 Mio. USD) an die bei Arkham bislang unmarkierte Adresse „14FEEM". Gleichzeitig verschob die Entität 116.30 BTC (~8.25 Mio. USD) ans bekannte Hot-Wallet „1Jbez". Dass der grösste Anteil auf eine frische, nicht zugeordnete Adresse floss, erschwert die Einordnung zusätzlich, weil sich daraus kein bekannter Empfänger ableiten lässt. Zusammengenommen ergeben die beiden Transaktionen rund 10'422 BTC, womit die insolvente Börse zum ersten Mal seit Ende März 2026 wieder eine signifikante Menge bewegt. Die letzte bekannte Aktivität davor beschränkte sich auf eine relativ kleine Verschiebung zwischen Wallets.
Rund zwei Stunden später folgte ein weiterer, kleinerer Transfer von 116.3 BTC an eine zusätzliche Adresse, der bislang allerdings nur in einer einzelnen Quelle dokumentiert ist. Arkham Intelligence markiert sämtliche transferierten Coins weiterhin als „unspent". Das bedeutet, dass bislang keine Weiterleitung an eine Börse oder eine Custody-Plattform stattgefunden hat. Solange dieser Status anhält, lässt sich aus der reinen On-Chain-Bewegung keine unmittelbare Auszahlungsabsicht ableiten.
Oktober-2026-Deadline und die wiederholte Verschiebung
Die Bewegung fällt in ein sensibles Zeitfenster. Die ursprüngliche Rückzahlungsfrist lag auf dem 31. Oktober 2023, doch Kobayashi konnte sie nicht einhalten. Zudem verlängerte der Treuhänder die Frist seither mehrfach, zuletzt im Oktober 2025 auf den 31. Oktober 2026. Die jetzige Bewegung erfolgt somit rund fünf Monate vor dieser aktuellen Deadline, was ihr im Markt zusätzliche Aufmerksamkeit verschafft.
Als Begründung für die wiederholten Verschiebungen verwies Kobayashi auf unvollständige Verfahren auf Seiten der Anspruchsberechtigten. Viele Gläubiger hätten die für eine Auszahlung erforderlichen Schritte über die Partner-Börsen noch nicht durchlaufen, was die Abwicklung des verbleibenden Bestands verzögert. Die Auszahlungen laufen ausschliesslich über registrierte Partner-Börsen, wodurch jeder einzelne Anspruch eine abgeschlossene Verifizierung voraussetzt.
Der vom Tokyo District Court genehmigte Rehabilitationsplan sieht insgesamt die Rückgabe von rund 142'000 BTC, 143'000 Bitcoin Cash sowie etwa 69 Mrd. JPY (rund 500 Mio. USD) vor. Ein Teil der ursprünglich verlorenen 850'000 BTC wurde von Behörden zurückgewonnen und bildet die Grundlage dieser Ausschüttungen. Damit zählt das Verfahren weiterhin zu den umfangreichsten Insolvenzabwicklungen der Krypto-Geschichte.
Verbleibende 34'500 BTC als potenzielle Marktgrösse
Nach dem Transfer hält Mt. Gox über alle Wallets noch rund 34'504 BTC, was aktuell etwa 2.43 Mrd. USD entspricht. Diese Summe steht zudem im Verhältnis zu einem Gesamtplan, der Auszahlungen an rund 24'000 Gläubiger vorsieht. Bisher haben rund 19'500 davon ihre Zahlungen erhalten, womit weiterhin etwa 4'500 Ansprüche ausstehen. Der verbleibende Bestand reicht damit aus, um den Grossteil dieser offenen Forderungen zu decken, selbst wenn ein Teil der Coins in Bitcoin Cash oder Yen ausgezahlt wird.
Ob die ausstehenden 4'500 Ansprüche tatsächlich vor der Oktober-Deadline abgewickelt werden, hängt letztlich vom Tempo der Verifizierungen über die Partner-Börsen ab.








