Ein Short Squeeze bei Bitcoin hat binnen 24 Stunden Krypto-Short-Positionen im Wert von 3.3 Mrd. USD liquidiert. Es ist der höchste Wert seit Beginn der Coinglass-Aufzeichnungen 2021; gleichzeitig sprang der Kurs um 8% auf über 70'000 USD.
Bei einer Short-Position wettet ein Trader auf fallende Kurse und verkauft dafür geliehene Coins. Steigt der Kurs hingegen, muss er mit Verlust eindecken. Der eigene Kauf treibt den Preis dann weiter nach oben. Händler nennen dieses erzwungene Eindecken Short-Covering. Zuvor hatte monatelang überwiegend bärische Positionierung den Markt geprägt. Im Mai und Juni flossen Mittel ab, danach blieb die Nachfrage bis Mitte August wechselhaft. Bitcoin fiel zeitweise in die niedrigen 60'000er. Insgesamt traf die Liquidationswelle 172'108 Trader.
Bitcoin Short Squeeze war einseitiger als der Crash von 2025
Die 3.3 Mrd. USD markieren laut Coinglass den höchsten Tageswert seit Beginn der Aufzeichnungen 2021. Long-Positionen kamen im selben Fenster auf vergleichsweise geringe 270 Mio. USD. Auf die Short-Seite entfielen rund 92% aller Liquidationen, ein Verhältnis von über 10:1. Auffällig ist vor allem das Tempo. Börsen stellten mehr als 1 Mrd. USD an Short-Positionen binnen rund einer Stunde glatt. Solche Kaskaden entstehen, wenn Liquidationen weitere Liquidationen auslösen. Jede Zwangsschliessung ist gleichzeitig ein Kauf und hebt den Preis auf das nächste Cluster gehebelter Positionen.

Zum Vergleich lohnt der Blick auf den Krypto-Crash vom 10. Oktober 2025. Damals summierten sich die Gesamt-Liquidationen auf rund 19 Mrd. USD, mehr als das Sechsfache des jüngsten Ereignisses. Die Short-Liquidationen lagen jedoch nur bei 2.47 Mrd. USD. Der aktuelle Squeeze war folglich deutlich einseitiger, obwohl das Gesamtvolumen kleiner ausfiel. Allerdings sind Rekordangaben dieser Art mit Vorbehalt zu lesen. Binance schränkt seine Liquidationsmeldungen seit April 2021 deutlich ein. Coinglass erfasst nach eigenen Angaben ausserdem nur eine Meldung pro Sekunde und Börse. Historische wie aktuelle Summen dürften daher untererfasst sein.

Bitcoin steigt um acht Prozent auf über 70'000 USD
Am Mittwochmorgen eröffnete Bitcoin noch bei rund 64'681 USD und rutschte im Tagestief auf etwa 64'100 USD. Innerhalb weniger Stunden drehte der Kurs und knackte 70'000 USD. Ether legte mit rund 18% noch deutlicher zu. Die zweitgrösste Kryptowährung überstieg erstmals seit Wochen wieder die Marke von 2'000 USD. Zuvor hatte sie bei rund 1'916 USD eröffnet, die Handelsspanne reicht bis 2'275 USD.

Die Bewegung beschränkte sich jedoch nicht auf den Derivate-Markt. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten am selben Tag Netto-Zuflüsse von 517.19 Mio. USD. Das ist der höchste Tageswert seit dem 4. Mai 2026 und damit seit dreieinhalb Monaten. Solche Fonds bilden Bitcoin direkt ab. Sie gelten daher als Zugangsweg für regulierte Anleger, die keine Coins selbst verwahren wollen. Der Spot-Markt bestätigte somit die Bewegung am Derivate-Markt. Insgesamt meldeten acht der zwölf Fonds Zuflüsse. BlackRocks IBIT führte mit 284.7 Mio. USD. Dahinter folgten ARKB von Ark & 21Shares mit 77.7 Mio. USD und Fidelitys FBTC mit 62.4 Mio. USD.
Anleihen-Rückkäufe des Finanzministeriums drücken Renditen
Am selben Vormittag griff ein makroökonomischer Auslöser. Das US-Finanzministerium verdoppelte die Obergrenze pro Rückkauf-Operation für länger laufende Nominal-Coupon-Anleihen von 2 auf mindestens 4 Mrd. USD. Die Regel gilt für die Laufzeitsegmente 10 bis 20 und 20 bis 30 Jahre. Sie läuft vom 9. September bis zum 4. November 2026. Zudem steigt die Zahl der Operationen im langen Laufzeitbereich von zwei auf vier pro Quartal. In diesem Tempo könnte das Ministerium folglich rund 128 Mrd. USD pro Jahr in den betroffenen Laufzeiten zurückkaufen.
Der Zeitpunkt war deshalb bemerkenswert, weil die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen tags zuvor mit 5.33% ein 19-Jahres-Hoch erreicht hatte. Nach der Ankündigung gab sie um rund 9 Basispunkte auf 5.196% nach. Die zehnjährige Rendite gab ebenfalls nach, um rund 6 Basispunkte auf 4.647%. Hintergrund sind Sorgen um die US-Fiskallage und geopolitische Risiken, etwa rund um den Iran-Konflikt. Allerdings zielt die Massnahme nicht auf Krypto, sondern auf die Funktionsfähigkeit des Anleihemarkts. Fallende Renditen und ein schwächerer Dollar stützen letztlich den Risikoappetit.
SEC schlägt Ausnahmen von der Wertpapier-Registrierung vor
Zunächst hatte die SEC einen Tag vor dem Squeeze ihren Vorschlag "Regulation Crypto Assets" veröffentlicht. Das Papier sieht zwei neue Ausnahmen von der Registrierungspflicht für Wertpapiere vor. Einerseits fallen Emissionen bis 5 Mio. USD über einen Zeitraum von vier Jahren unter die erste Variante. Andererseits erlaubt die zweite Variante bis zu 75 Mio. USD je Zwölfmonatszeitraum. Ferner sind bei dieser grösseren Ausnahme Finanzberichte und laufende Berichtspflichten vorgesehen. Als Zweck nennt die Behörde die Erleichterung der Kapitalbeschaffung für Unternehmen in der Start-up- und Finanzierungsphase. Die öffentliche Kommentarfrist läuft 60 Tage ab der Veröffentlichung im Federal Register.
Einen Tag später empfing US-Präsident Donald Trump Branchenvertreter im Eisenhower Executive Office Building. Anwesend waren unter anderem Coinbase-CEO Brian Armstrong, Kraken-Co-CEO Arjun Sethi sowie Vertreter von Gemini und Robinhood. Ebenfalls am Tisch sassen SEC-Chair Paul Atkins und CFTC-Chair Michael Selig. Trump drängte den Kongress zur Verabschiedung des Marktstruktur-Gesetzes Clarity Act. Der Präsident erklärte zudem, Selig arbeite daran, die Perpetual-Futures-Börse Hyperliquid vollständig compliant und legal in die USA zu holen. Hyperliquids Token HYPE stieg daraufhin um 23.23%.
Der SEC-Vorschlag reiht sich in eine Serie regulatorischer Weichenstellungen des Jahres 2026 ein. Nachdem der Clarity Act im Kongress ins Stocken geraten war, versuchen Exekutive und Aufsicht, Klarheit über den Verordnungsweg zu schaffen. Der Vorschlag ist noch nicht in Kraft; dennoch las der Markt ihn als Richtungssignal. Für Anleger zählte an diesem Mittwoch deshalb die Richtung, nicht das juristische Detail. Schliesslich trafen fiskalische und regulatorische Signale auf eine einseitige Positionierung.








