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    Sie sind hier:Home » Fokus » Legal/Compliance » Wintermute nimmt mit Broker-Dealer-Lizenz Citadel ins Visier
    Wintermutes US-Einheit erhielt die Broker-Dealer-Lizenz von SEC und FINRA, womit sie erstmals Krypto-ETF-Anteile abwickeln darf.

    Wintermute nimmt mit Broker-Dealer-Lizenz Citadel ins Visier

    von Redaktion cvj.ch am 7. August 2026 Legal/Compliance

    Wintermute USA hat sich Anfang August bei der US-Börsenaufsicht SEC als Broker-Dealer registriert und ist Mitglied der FINRA geworden. Mit der Broker-Dealer-Lizenz will CEO Evgeny Gaevoy in drei bis fünf Jahren zu Citadel Securities und Jane Street aufschliessen.

    Wintermute zählt zu den grössten Market Makern im Krypto-Markt. Das Unternehmen stellt auf mehr als 60 zentralisierten und dezentralisierten Handelsplätzen fortlaufend Kauf- und Verkaufskurse für digitale Assets. Insgesamt liegt das durchschnittliche Tagesvolumen bei über 10 Mrd. USD. Ein Broker-Dealer-Status erlaubt ebenso den Wertpapierhandel für eigene Rechnung und die Abwicklung im eigenen Haus. Den US-Markt betrat die Firma ursprünglich im Mai 2025 mit einem eigenen Hauptquartier in New York. Ohne Lizenz blieb der Handelsriese jedoch von der Abwicklung von Krypto-ETFs ausgeschlossen. Allein BlackRocks iShares Bitcoin Trust hielt Ende Juni 2026 43.2 Mrd. USD, betreut von rund einem Dutzend Authorized Participants. Krypto-nativ ist davon keiner.

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    Was die Broker-Dealer-Lizenz für Wintermute freischaltet

    Die Registrierung bei der Börsenaufsicht und die Mitgliedschaft bei der FINRA öffnen der US-Einheit gleichzeitig drei Geschäftsfelder. Die FINRA beaufsichtigt als Selbstregulierungsorganisation die US-Broker-Dealer. Wintermute USA darf traditionelle Aktien und Aktienoptionen für das eigene Konto handeln. Ausserdem kann die Einheit als Authorized Participant für börsengehandelte Produkte auftreten, Krypto-ETFs eingeschlossen. Digitale Wertpapiertransaktionen wickelt sie neu selbst ab, ohne einen externen Clearing-Broker einzuschalten. Zuvor war die Firma für jede dieser Funktionen auf lizenzierte Partner angewiesen.

    Authorized Participants sind die Schaltstelle jedes ETF. Nur sie dürfen neue Fondsanteile schaffen oder bestehende zurücknehmen, indem sie den Basiswert gegen Anteile tauschen. Dieser Mechanismus hält den Kurs eines börsengehandelten Produkts somit nahe am Nettoinventarwert. Bei einem Bitcoin-ETF liefert der AP also Bitcoin oder den Gegenwert in bar. Dafür erhält er neue Anteile. Weicht der Börsenkurs vom Wert des Bestands ab, verdient er an der Differenz. Ohne diesen Kreislauf würde ein Fonds systematisch von seinem inneren Wert abdriften. Genau diese Rolle blieb krypto-nativen Handelshäusern jedoch bislang verwehrt.

    Das Self-Clearing senkt Kosten und verkürzt die Abwicklungswege, weil kein Dritter zwischen Handel und Settlement steht. Krypto-ETFs verbinden zwei Abwicklungswelten, weil die Anteile über die Wertpapierinfrastruktur laufen und der Basiswert über Blockchains. An dieser Nahtstelle sitzt ein krypto-nativer Market Maker näher am Basiswert als eine klassische Wall-Street-Adresse. Bislang endete Wintermutes Reichweite allerdings an der Grenze zur US-Wertpapierinfrastruktur. Zwar quotierte die Firma weltweit Preise für digitale Assets. An der Erstellung und Rücknahme von ETF-Anteilen durfte sie dennoch nicht mitwirken. Daher blieb das Geschäft auf Spot- und Derivatemärkte beschränkt. Mit der Lizenz fällt diese Trennung weg. Der Anbieter bewegt sich somit im selben regulatorischen Perimeter wie die Wall-Street-Häuser, gegen die er antreten will.

    Institutionelle Kunden stehen bereits Schlange

    Wintermute startet das US-Geschäft nicht aus dem Stand. Die Firma hat bereits ETF-Emittenten als Kunden gewonnen, bevor die Lizenz überhaupt aktiv wurde. Emittenten brauchen für jeden neuen Fonds mindestens einen Authorized Participant, der Anteile schafft und zurücknimmt. Statt auf Nachfrage zu warten, arbeitet das Haus deshalb eine Warteschlange ab. Für einen Neuzugang im US-Wertpapiergeschäft ist das eine vergleichsweise komfortable Ausgangslage.

    Der Kundenmix hat sich zuletzt spürbar verschoben. Im ersten Halbjahr 2026 entfielen 72% des Spot-OTC-Volumens auf institutionelle Kunden, nach 59% ein Jahr zuvor. Das OTC-Geschäft läuft über bilateral ausgehandelte Blöcke statt über offene Orderbücher. Institutionelle Adressen verlangen regulierte Gegenparteien mit dokumentierten Abwicklungswegen. Der Broker-Dealer-Status liefert genau diesen Nachweis. Folglich verschiebt sich der Geschäftsschwerpunkt vom reinen Krypto-Eigenhandel hin zu Dienstleistungen für regulierte Institutionen.

    Vorbereitet hat das Unternehmen den Schritt seit mehr als einem Jahr. Zunächst kam im Mai 2025 ein prominenter Neuzugang zum New Yorker Hauptquartier. Ron Hammond, der zuletzt für die Blockchain Association arbeitete, übernahm die Rolle des Head of Policy and Advocacy. Im September 2025 reichte die Firma ausserdem eine Stellungnahme bei der SEC Crypto Task Force ein. Darin forderte Wintermute, Broker-Dealer sollten tokenisierte Wertpapiere frei für eigene Rechnung handeln und in Wallet-Software verwahren dürfen. Das Treffen hielt die Behörde später in einem eigenen Memo fest. Diese Positionen betreffen exakt die Stufen, die auf die jetzige Lizenz folgen sollen.

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    Das Oligopol, in das Wintermute vorstösst

    BlackRocks iShares Bitcoin Trust startete im Januar 2024 mit vier Authorized Participants: Jane Street, JPMorgan, Macquarie und UBS. Im April 2024 kamen Goldman Sachs, Citigroup, Citadel Securities und ABN AMRO hinzu. Die Liste steht im Prospekt jedes Fonds und wuchs seither schrittweise. Bis Ende Juni 2026 zählte der Kreis schliesslich rund ein Dutzend Häuser. Eine krypto-native Firma war weiterhin nicht darunter. Den grössten Bitcoin-Fonds der Welt bedienen folglich Adressen, die ihr Geschäft an der Wall Street aufgebaut haben.

    Eine Stufe höher ist der Zirkel noch enger. An der NYSE halten nur drei Häuser den Status als Designated Market Maker: Citadel Securities, Virtu Americas, GTS Securities. Jede gelistete Aktie bekommt genau einen DMM zugewiesen, der verpflichtend Liquidität stellt. Wer diesen Status anstrebt, muss zudem mindestens 75 Mio. USD Kapital vor Inventarrisiko vorhalten. Citadel Securities betreut mehr als 1'900 NYSE-Titel und damit rund 62% aller Listings. Bei über 80% der jüngeren NYSE-IPOs übernahm ebenfalls dieses Haus die Eröffnungsauktion.

    Die Grössenordnung des Gegners lässt sich beziffern. Citadel Securities erzielte 2025 Handelserträge von 12.2 Mrd. USD, allein im ersten Quartal 2026 kamen 4.3 Mrd. USD hinzu. Zudem laufen rund 35% des gesamten US-Retail-Orderflows über das Unternehmen. Gleichzeitig schrumpft der Kreis der zugelassenen Marktteilnehmer. Die FINRA beaufsichtigte Ende 2025 3'184 Broker-Dealer, gegenüber 3'394 im Jahr 2021. Freie Plätze entstehen in diesem Feld selten. Wintermute tritt hier trotzdem als Herausforderer ohne Aktienhistorie an.

    Gaevoys Stufenplan bis zum Market-Maker-Status

    Der Fahrplan verläuft in Stufen, und jede einzelne braucht eine separate Genehmigung. Zunächst zielt Wintermute auf Rohstoff- und digitale Asset-ETFs, das Segment mit der grössten Nähe zum bestehenden Handelsgeschäft. Später sollen tokenisierte Aktien folgen, sofern die Regulatoren zustimmen. Am Ende steht der Status als Designated Market Maker an einer grossen Börse. Die Kapitalanforderung von 75 Mio. USD greift erst auf dieser letzten Stufe. Gaevoy veranschlagt insgesamt drei bis fünf Jahre, um zu Jump Trading, Jane Street und Citadel Securities aufzuschliessen.

    Der regulatorische Rahmen bewegt sich ebenfalls in dieselbe Richtung. Im März 2026 billigte die SEC eine Nasdaq-Regel für den Handel tokenisierter Aktien. Im Juni 2026 gründete die Intercontinental Exchange, Eigentümerin der NYSE, ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Handelsplattform OKX. Beide Schritte rücken die Tokenisierung traditioneller Wertpapiere näher an die Marktinfrastruktur. Ein regulierter Handel tokenisierter Aktien wäre letztlich die Voraussetzung für Wintermutes zweite Stufe. Dennoch hängt jede weitere Etappe an einer Einzelentscheidung von Aufsicht und Börsen. Erteilt ist bislang nur die erste.

    Gaevoy begründet den Vorstoss mit der Konvergenz beider Märkte.

    "Digitale Assets und traditionelle Finanzmärkte werden sich weiterhin parallel entwickeln, sich auf neue Weise überschneiden und letztlich stärker zusammenwachsen. Mit dieser Entwicklung werden jene Firmen erfolgreich sein, die das technische und operative Know-how haben, um in beiden Welten zu agieren." - Evgeny Gaevoy, Gründer und CEO, Wintermute

    Die Aussage beschreibt zugleich das Geschäftsmodell, das die Firma in den USA aufbauen will. Krypto-native Handelstechnik trifft hier auf regulierte Wertpapierinfrastruktur. Allerdings entscheidet sich erst an den kommenden Genehmigungen, ob daraus ein ernsthafter Wettbewerber für Citadel Securities wird.

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    Die Redaktion des Crypto Valley Journal berichtet seit 2018 aus Zug, dem Sitz des Schweizer Crypto Valley, über Bitcoin, Krypto, Blockchain und die regulatorische Entwicklung digitaler Vermögenswerte. Hinter der kollektiven Redaktionsstimme steht ein Team aus Autoren mit Hintergrund in Finanzmarkt, Recht und Technologie.

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