Robinhood hat Ende Juli 2026 die FCA-Registrierung für Kryptodienstleistungen in Grossbritannien erhalten. Der US-Broker sichert sich damit einen Vorsprung vor dem neuen britischen Zulassungsregime für Krypto-Firmen, das ab Herbst 2027 gilt.
Robinhood betreibt eine Handelsplattform für Aktien, Optionen und Kryptowährungen und zählt zu den grössten Retail-Brokern der USA. Die Financial Conduct Authority ist die britische Finanzmarktaufsicht und beaufsichtigt das Marktverhalten von Banken, Brokern und Krypto-Anbietern. Die nun erteilte Registrierung fällt unter die Money Laundering Regulations 2017, ein seit 2020 geltendes Basis-Regime zur Geldwäsche-Prävention. Eine vollwertige Finanzmarktlizenz ist sie jedoch nicht. Sie gilt ausschliesslich für das britische Geschäft. Die britische Tochter Robinhood U.K. Ltd hält bereits seit August 2019 eine FCA-Zulassung als Broker. Krypto-Handel bot sie dort allerdings nie an, das neue Angebot soll diese Lücke schliessen. Angekündigt hatte das Unternehmen den britischen Krypto-Start zwei Tage zuvor mit seinen Quartalszahlen. Somit gehört Robinhood zu gut 50 registrierten Krypto-Firmen, darunter Ripple, Kraken, BlackRock und BNY.
FCA-Registrierung macht Robinhood zur Ausnahme in Grossbritannien
Ursprünglich führte die FCA das Register 2020 als Instrument gegen Geldwäsche ein. Ohne Eintrag darf seither kein Anbieter Kryptodienstleistungen an britische Kunden erbringen. Registrierte Anbieter müssen deswegen ihre Kunden identifizieren, Transaktionen überwachen und Verdachtsfälle melden. Die Aufsicht vergibt diesen Status vergleichsweise selten. Seit dem Start des Verfahrens gingen 368 Gesuche ein, von denen die Behörde rund 50 genehmigte. Die Erfolgsquote liegt folglich bei etwa 14 Prozent. Im Register stehen Krypto-Börsen ebenso wie Verwahrbanken.
Für Robinhood ist der Eintrag deshalb mehr als eine Formalie. Die Tochtergesellschaft darf ihr Krypto-Angebot nun regulär an britische Kunden richten. Diese erhalten damit erstmals Zugang zu Robinhoods Krypto-Handel. Der Anbieter verpflichtet sich ausserdem zu Kontrollen gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Über Anlegerschutz oder Kapitalanforderungen sagt die Registrierung hingegen nichts aus. Zwischen Broker-Zulassung und Krypto-Eintrag lagen letztlich fast sieben Jahre.
Gleichzeitig baut Grossbritannien seine Krypto-Aufsicht grundlegend um. Das Land ersetzt das bisherige, auf Geldwäsche-Prävention beschränkte Register durch ein Zulassungsregime unter den FSMA Cryptoassets Regulations 2026. Krypto-Anbieter benötigen dort erstmals eine vollwertige Finanzmarktlizenz. Damit rücken sie regulatorisch näher an klassische Finanzdienstleister. Das Antragsfenster öffnet Ende September 2026 und schliesst Ende Februar 2027. Das Fenster bleibt damit fünf Monate offen. Vollständig greift das neue System erst später, im Herbst 2027. Firmen mit bestehender Registrierung können Teile ihrer Vorarbeit in das neue Verfahren mitnehmen. Robinhood startet somit mit Vorlauf in ein Antragsverfahren, das für viele Wettbewerber bei null beginnt. Zunächst gilt für die Plattform aber das bisherige Register weiter.
Prognosemärkte überholen das Krypto-Geschäft bei Robinhood
Die britische Zulassung fällt in eine Phase, in der Robinhoods Krypto-Geschäft an Gewicht verliert. Im zweiten Quartal 2026 stieg der Gesamtumsatz um 32 Prozent auf 1.31 Mrd. USD. Der Nettogewinn legte um 48 Prozent auf 573 Mio. USD zu und wuchs damit stärker als der Umsatz. Der Gewinn je Aktie erreichte 0.62 USD, davon 0.14 USD aus einem Einmaleffekt. Die Krypto-Transaktionserlöse fielen im selben Zeitraum jedoch um 38 Prozent auf 100 Mio. USD. Ein Jahr zuvor hatte das Segment noch gut 160 Mio. USD eingebracht. Ausschlaggebend war die schwächere Handelsaktivität der Privatkunden.
Erstmals verdiente die Plattform mit Prognosemärkten mehr als mit Kryptowährungen. Event-Contracts sind Kontrakte auf den Ausgang künftiger Ereignisse, etwa Wahlen, Zinsentscheide oder Sportresultate. Anleger setzen dort folglich auf Wahrscheinlichkeiten statt auf Vermögenswerte. Im zweiten Quartal erlöste Robinhood mit diesen Kontrakten 156 Mio. USD. Das sind gut 50 Prozent mehr als im Krypto-Geschäft. Ferner lagen die Erlöse aus Event-Contracts mehr als zehnmal so hoch wie im Vorjahresquartal. Krypto trug im Quartal zudem weniger als ein Zehntel zum Gesamtumsatz bei. Der Umsatzsprung von 32 Prozent geht daher nicht auf den Krypto-Handel zurück.
Insgesamt war es das umsatzstärkste Quartal der Firmengeschichte. Die grössten Ertragslinien blieben der Nettozinsertrag mit 389 Mio. USD und das Optionsgeschäft mit 342 Mio. USD. Die Verschiebung im Ertragsmix wirkt strukturell, nicht saisonal. Krypto bleibt im Angebot, verliert aber an Ertragsgewicht. Während die Krypto-Erlöse schrumpfen, erschliesst der Broker im Ausland neue Nutzergruppen. Die Ankündigung des britischen Krypto-Starts fiel in dieselbe Zahlenvorlage. Einen Zeitplan nannte das Management damals nicht.
Robinhood expandiert internationales Geschäft auf mehreren Märkten
Die FCA-Registrierung ist nur ein Baustein einer breiteren Auslandsstrategie. Nach eigenen Angaben bedient Robinhood rund 28 Mio. Kunden in 38 Ländern. In Grossbritannien beschränkte sich das Angebot bisher auf Aktien. Im Juni 2026 schloss das Unternehmen ausserdem die Übernahme der kanadischen Krypto-Gruppe WonderFi ab. WonderFi betreibt in Kanada ebenfalls Krypto-Handelsplattformen. Robinhood zahlte dafür 0.36 CAD je Aktie, insgesamt rund 250 Mio. CAD. Der Zukauf öffnet dem Broker den kanadischen Markt.
Gleichzeitig erweiterte der Anbieter sein EU-Angebot an Perpetual Futures auf 30 Länder, unbefristete Terminkontrakte für gehebelte Positionen auf Kursbewegungen. Weiterhin führte das Unternehmen Stock Tokens in über 120 Ländern ein. Diese Tokens bilden Kursverläufe von Aktien ab, ohne Aktionärsrechte zu übertragen. Hinzu kamen eine eigene Blockchain und das Produkt Robinhood Earn. Robinhood Chain läuft als Layer-2-Netzwerk auf Ethereum.
Parallel entsteht ein eigenes Netzwerk für Prognosemärkte, zu dem Kalshi, ForecastEx und die Joint-Venture-Börse Rothera zählen. Kalshi und ForecastEx betreiben in den USA ebenso regulierte Handelsplätze für solche Kontrakte. Hinter Rothera steht Robinhood gemeinsam mit dem Derivatehaus Susquehanna International Group. Nicht zuletzt wächst das Prognosemarkt-Geschäft über die eigene Plattform hinaus. Laut Wall Street Journal verhandelt der Broker zudem mit Crypto.com über die Integration von dessen Event-Contracts. Eine Vereinbarung bestätigte bislang keines der beiden Unternehmen.
In Grossbritannien steht die eigentliche Vollzulassung damit noch aus. Robinhood kann im Antragsverfahren allerdings auf der bestehenden Registrierung aufbauen. Wettbewerber ohne Eintrag müssen das Verfahren hingegen vollständig durchlaufen. Das Unternehmen hat dafür bis Ende Februar 2027 Zeit. Schliesslich ersetzt die Vollzulassung ab Herbst 2027 das heutige Register. Ohne sie dürfen Anbieter danach keine Krypto-Dienste mehr an britische Kunden erbringen. Einen Starttermin für den britischen Krypto-Handel nannte das Unternehmen bislang nicht.








