Ein Blick in die Welt der Krypto Quant Funds – Interview mit Fondsmanager Hartmut Neff

In der traditionellen Finanzwelt sind sie zahlreich vertreten. „Quant Funds“, Anlagefonds die ihre Anlagestrategie nach rein algorithmisch basierten Modellen festlegen. Im Feld der Krypto-Assets sind bisher wenig Akteure mit einer aktiven Strategie unterwegs. Einblicke in den jungen Sektor.

Quantitative Fonds, die auf Basis von Datenanalysen Anlagestrategien entwickeln, welche meist vollautomatisiert durch ein Computerprogramm ausgeführt werden, bewegen sich auf allen traditionellen Finanzmärkten. Im Bereich der Krypto-Währungen sind sie vorläufig noch ein rar gesät. Die Crypto Fund AG konnte für das Jahr 2019 verschiedene Auszeichnungen für ihren gleichnamigen Fonds entgegennehmen. Kriterien wie Performance waren dabei massgebend. Speziell dabei ist, dass der Fonds in der neuen alternativen Assetklasse der Krypto-Währungen operiert. CVJ.CH konnte einen Blick hinter die Kulissen dieses „Krypto-Quant-Funds“ werfen und mit dem Portfolio Manager Hartmut Neff sprechen.

CVJ.CH: In welcher Kategorie könnte man den Crypto Fund am ehesten einordnen und wie würden sie die Strategie umschreiben?

Dr. Hartmut Neff, Quantitative Strategist und Portfolio Manager, Crypto Fund AG:
Wir haben ein voll automatisiertes Handelssystem entwickelt, welches komplett auf Algorithmen basiert ist. Das System handelt dabei nicht auf Intraday Basis und ist somit auch nicht im Hochfrequenzhandel anzusiedeln. Es basiert auf Tagesdaten und arbeitet damit langsam und lässt viel Intraday Volatilität aus. Dementsprechend sollte das System als eine langfristige Investitionsmöglichkeit gesehen werden. Daher interessieren uns nicht unbedingt einzelne Tageserträge, sondern eher eine hoffentlich konsistente Ertragsstruktur über die nächsten Jahre.

Für welche Investoren eignet sich der Crypto Fund? Für Anleger, die prinzipiell ein Krypto-Exposure anstreben und somit vor allem an einer positiven Performance von Bitcoin partizipieren wollen, oder für Investoren, welche nur an absoluter Performance interessiert sind?

Aufgrund von Regulierungen ist unser Handelssystem ausschliesslich für qualifizierte Anleger. Automatische Handelssysteme sind grundsätzlich universell einsetzbar. Bitcoin mit seiner hohen Volatilität bietet mehr Chancen als beispielsweise der DAX. Die Risikostruktur ist bei Bitcoin eine andere. Das System kann neben Long Positionen, auch bis zu 25 Prozent Short Positionen eingehen. Somit kann bei einem Aufschwung des Bitcoins partizipiert werden und bei einem Crash mittels Short Position abgesichert werden. Die Strategie beinhaltet aber einen gewissen Long Bias, da Bitcoin selber über die Jahre  hauptsächlich gestiegen ist.

Braucht ein voll automatisiertes System auch manchmal Anpassungen?

Angepasst wird es eigentlich nicht. Wir sind der Meinung, dass sich im Allgemeinen die Marktstruktur für langsame Handelssysteme über die Jahre weniger ändert als für hochfrequente Systeme. In diesem Sinne müssen langsame Systeme auch weniger angepasst werden. Da wir unsere Systeme immer auch in traditionellen und somit effizienteren Märkten testen und die Ergebnisse dieser Tests in das Crypto System einfliessen lassen, gehen wir davon aus, dass unser Fund auch für die Zukunft fit ist. Dies dürfte auch der Fall bleiben wenn die Krypto Märkte effizienter werden sollten. Ausserdem verfolgen wir eine langfristige Strategie und sehen dementsprechend Tagesreturns nicht als Grund, um Systemänderungen vorzunehmen.

Wenn ein Signal generiert wurde, geschieht die Orderausführung dann jeweils voll automatisiert?

Die Ausführung des Programms geschieht nur ein paar Mal pro Tag und ist dementsprechend überschaubar. Aufgrund dessen führen wir die Orderausführung auch manuell aus. Die Intraday-Volatilität wird prinzipiell nicht beachtet. Das System gibt täglich ein Signal aus, welches wir dann direkt manuell ausführen.

Werden die Bitcoins an Krypto-Börsen gehandelt?

Nein, wir greifen hier auf die traditionellen Futures-Märkte zurück, nicht zuletzt auch aus regulatorischen Gründen. Das vereinfacht schlussendlich auch die Settlement-Problematik, welche mit Krypto-Währungen einhergehen.

Wie hat das System auf den Crash Mitte März reagiert?

Allgemein formuliert, lässt sich sagen, dass Algorithmen auch mit solchen Ereignissen gut umgehen können. Wir haben unser System allerdings kurzfristig ausgestellt. Für diese Entscheidung war nicht unsere Performance verantwortlich, sondern einfach nur die dramatische Situation an den Märkten. Zukunftsblickend wird spannend zu sehen sein, wie sich die Algorithmen bezüglich des Bitcoin-Halvings positionieren werden.

Mit ihrem Handelssystem konnten sie bereits einige nennenswerte Auszeichnungen entgegennehmen. Sind hier mehrere Algorithmen im Einsatz oder wie setzt sich das System zusammen?

Aus meiner Sicht als Naturwissenschaftler ist ein System dann erfolgreich, wenn es aus möglichst vielen unterschiedlichen Algorithmen besteht, die alle über die Zeit gute Ergebnisse liefern und möglichst stark dekorrelieren. Eine Mischung aus diesen dekorrelierten Komponenten sollte im Einklang ein erfolgreiches System hervorbringen mit einem stabilen Gesamtergebnis. Vergleichbar beispielsweise mit einem Portfoliokontext der verschiedenen Anlageklassen kombiniert welche gegeneinander möglichst unkorreliert sind.

Basieren diese Algorithmen hauptsächlich auf Preisdaten oder kommen hier noch andere Daten zum Zuge, wie beispielsweise Korrelationen etc.?

Aufgrund meiner naturwissenschaftlichen Basis versuche ich das «Rauschen» aus dem Modell draussen zu halten. Als «Rauschen» bezeichne ich hier Datensätze, die eigentlich nichts Direktes mit dem Preisverlauf zu tun haben.

Wie unterscheidet sich der Crypto Fund von anderen Quant Funds? Gibt es Unterschiede bezüglich der Verfahrensweise des Systems zwischen traditionellen Märkten und des Krypto Marktes?

Zur Anwendung kann man sagen, dass es für das System keine Rolle spielt in welchem Markt Signale erarbeitet werden. Vom technischen Ansatz her, und von der Art und Weise wie die Ausführung erfolgt, ist jeder Markt bespielbar. Selbst die hohe Volatilität des Bitcoins ändert nichts an den Algorithmen, mit denen gearbeitet wird.

Wie setzt sich das Feld ihrer Konkurrenz im Quantfund Bereich zusammen und welche Essenz konnte zum Gewinn der Awards führen?

Dies ist schwierig zu sagen, da die Daten teilweise nicht vorhanden sind, oder die Strategien der Fonds natürlich nicht transparent sind. Ich gehe davon aus, dass sich im Kryptobereich auch viele «Long only» Funds aufhalten welche vor allem passive Strategien fahren.

Ich denke, unsere einfache Struktur mit klaren Prozessen im Hintergrund hat wahrscheinlich zu diesem Erfolg geführt. Wir unterscheiden uns hier auch klar von «Highfrequency Funds» welche Hunderte von Transaktionen jeden Tag durchführen. Vielleicht hat diese nachhaltige Handelsweise zum Erfolg beigetragen. Zusätzlich ist zu erwähnen, dass die Krypto Märkte immer noch Neuland für viele Spieler im traditionellen Feld sind. Dies, kombiniert mit der Volatilität von Bitcoin, führt vielleicht dazu, dass in so einem Umfeld die Strategien besser fruchten als beispielsweise auf einem S&P 500 Index Future.

Liegt die Zukunft der Quant-Systeme also eher im Bereich des Krypto-Markts?

Das wird sich noch herauskristallisieren. Jedoch braucht das System für jeden neuen Markt genügend Tragedaten, um reibungslos zu funktionieren. Bei Bitcoin sind das jetzt immerhin schon 10 Jahre. Verglichen mit dem DAX ist dies aber nur ein Bruchteil. Wir befinden uns noch am Anfang dieser Reise. Die Quant Funds werden bestimmt mehr an Popularität gewinnen, so wie sich auch der Markt stetig weiterentwickelt.

 

Crypto Fund

Dr. Hartmut Neff ist Portfoliomanager und Quantitative Strategist bei der Crypto Fund AG. Vor seinem Eintritt in die Firma arbeitete Hartmut bei Amplitude Capital als Researcher an algorithmischen Tradingsystemen. Ebenfalls arbeitete Hartmut zuvor als Postdoktorand in der Hochenergie-Quantenphysik in Zypern, Boston und London.

Er promovierte in Computational-Physics in Jülich/Wuppertal und studierte Mathematik und Physik in Tübingen, London und Bonn.

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Über den Autor

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