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    EU Russland Krypto-Sanktionen: Das 21. Paket schlägt erstmals ein Krypto-Dienstleistungsverbot gegen ganze Drittländer vor.

    EU-Kommission plant erweiterte Krypto-Sanktionen gegen Russland

    von Redaktion cvj.ch am 10. Juni 2026 Legal/Compliance

    Die Europäische Kommission hat mit den neuen Sanktionen gegen Russland erstmals einen Mechanismus vorgeschlagen, der ganze Länder von Krypto-Dienstleistungen ausschliessen kann. Das 21. Paket verhängt zudem Transaktionsbans gegen elf Krypto-Plattformen, die der Sanktionsumgehung beschuldigt werden.

    Das EU-Sanktionsregime gegen Russland besteht aus rollierend verabschiedeten Paketen mit Handelssperren, Finanzsanktionen und Designierungen einzelner Entitäten. Die Kommission entwirft die Massnahmen, in Kraft gesetzt werden sie hingegen einstimmig durch den Rat der 27 Mitgliedstaaten. Seit dem Einmarsch 2022 reiht sich Paket an Paket, doch der Krypto-Sektor rückte erst spät in den Fokus. Mit dem im Juni 2026 präsentierten 21. Paket erscheinen Krypto-Plattformen schliesslich als Ziel eines eigenständigen Drittland-Instruments und nicht mehr nur als Anhang zu Finanzdesignierungen. Den Hintergrund liefern Daten von Chainalysis: Die Sanktionsumgehung über Krypto stieg 2025 auf 104 Mrd. USD, ein Anstieg von 694 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

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    Krypto-Sanktionen gegen Russland: Was das Drittland-Verbot bedeutet

    Das 21. Paket enthält erstmals die Option eines vollständigen Verbots von Krypto-Dienstleistungen gegenüber Drittländern. Bisher belegte die Union einzelne Firmen mit Transaktionsbans. Künftig hingegen könnte ein gesamtes Land vom regulierten EU-Krypto-Verkehr abgeschnitten werden, etwa wenn es Plattformen zur Sanktionsumgehung duldet. Konkret richtet sich der Vorschlag gegen elf Krypto-Plattformen sowie gegen 20 Banken, Krypto-Firmen und Ölhändler in Drittländern. Hinzu kommen Transaktionsbans gegen 31 zusätzliche russische Banken. Damit verschiebt sich die Reichweite: Im Zentrum steht künftig nicht die einzelne Entität, sondern die Jurisdiktion, die sie beherbergt.

    Bevor das Instrument greift, muss der Rat der EU es einstimmig verabschieden, also alle 27 Mitgliedstaaten zustimmen. Den Eskalationspfad markiert eine klare Linie. Zunächst designierte das 19. Paket vom Oktober 2025 mit A7A5 erstmals einen Krypto-Asset direkt und schuf de facto ein MiCAR-Vollverbot gegenüber Russland. Das 20. Paket vom April 2026 dehnte das Verbot anschliessend auf das gesamte russische und belarussische CASP-Ökosystem aus und umfasste 120 individuelle Designierungen sowie 46 zusätzliche Schattenflotten-Schiffe. Zudem traten RUBx und der digitale Rubel als verbotene Assets neben A7A5. Das präventive Verbot der staatlichen Digitalwährung griff bereits, bevor Russland den geplanten Rollout im September 2026 vollziehen konnte.

    „A7A5 wurde mit russischer Staatsunterstützung geschaffen und ist zu einem prominenten Instrument für die Finanzierung von Aktivitäten geworden, die den Angriffskrieg unterstützen." - EU-Rat, Pressemitteilung zum 19. Sanktionspaket

    Garantex-Nachfolger füllen die Lücke

    Warum ein länderbezogenes Instrument überhaupt nötig wurde, zeigt die Geschichte von Garantex. Die einst grösste russische Krypto-Börse wickelte seit 2019 über 100 Mio. USD in kriminellen Transaktionen aus Ransomware und Darknet ab und wurde 2022 von OFAC sanktioniert. Im März 2025 beschlagnahmten US-, deutsche und finnische Behörden die Domains und froren über 26 Mio. USD ein. Tether sperrte zudem rund 28 Mio. USD in USDT auf Garantex-Adressen. Kurz darauf versiegelte das US-Justizministerium Anklageschriften gegen die Führungskräfte Aleksandr Mira Serda und Aleksej Besciokov, der in Indien verhaftet wurde. Der Betrieb verschwand jedoch nicht, sondern wanderte weiter: Garantex transferierte Kundenbasis und Guthaben zum Nachfolger Grinex, der bereits im Dezember 2024 in Kyrgyzstan gegründet worden war.

    Im Februar 2026 identifizierte das Blockchain-Analyseunternehmen Elliptic fünf weitere Börsen, die in die entstandene Lücke gestossen sind: Bitpapa, ABCeX, Exmo, Rapira und Aifory Pro. Aufschlussreich ist ABCeX, das aus dem Moskauer Federation Tower operierte, demselben Gebäude, das zuvor Garantex genutzt hatte, und dabei mindestens 11 Mrd. USD verarbeitete. Exmo wiederum behauptete, den russischen Markt nach dem Kriegsausbruch 2022 verlassen zu haben, teilte jedoch weiterhin Wallet-Infrastruktur mit dem russischen Betrieb und transferierte über 19.5 Mio. USD an sanktionierte Börsen. Rapira leitete ebenfalls mehr als 72 Mio. USD an die sanktionierte Börse Grinex weiter. Die Skalierung dieses Netzwerks lässt sich schliesslich am rubelgedeckten Stablecoin A7A5 ablesen, der 2025 insgesamt 93.3 Mrd. USD verarbeitete. Das dahinterstehende A7-Netzwerk bewegte laut Chainalysis über 90 Mrd. USD in die russische Wirtschaft, mehr als die Hälfte des russischen Jahres-Militärbudgets.

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    UK geht mit eigenen Krypto-Sanktionen voraus

    Der EU-Vorschlag steht nicht isoliert, sondern fügt sich in einen koordinierten westlichen Rahmen ein. Bereits im August 2025 designierte das US-Finanzministerium über OFAC Grinex, die A7-Entitäten, den A7A5-Emittenten Old Vector sowie Garantex-Gründer Sergey Mendeleev. Das britische OFSI zog wenige Tage später mit Sanktionen gegen Grinex und Old Vector nach. Zuvor hatte das FCDO A7 LLC bereits im Mai 2025 erstmals wegen der Unterstützung des russischen Angriffskriegs sanktioniert. Diese Abfolge zeigt somit, wie eng die Behörden ihre Designierungen entlang derselben Akteure abstimmen.

    Im Mai 2026 verschärfte das Vereinigte Königreich seinen Kurs weiter und nahm den Stablecoin A7A5 sowie die Börse HTX, vormals Huobi, ins Visier. Die Massnahme traf zudem die bereits von Elliptic genannten Plattformen ABCeX und Exmo sowie georgische Firmen. Da die Namen der elf EU-Plattformen noch nicht öffentlich sind, lässt sich allerdings nur sagen, dass beide Behörden gegen dieselben Umgehungskanäle vorgehen. Auffällig ist, dass mehrere dieser Plattformen trotz wiederholter Designierungen aktiv blieben: OFAC sanktionierte Bitpapa etwa schon im März 2024, dennoch leitete die Plattform weiterhin rund 9.7 Prozent ihrer ausgehenden Krypto-Flüsse direkt an sanktionierte Entitäten. Diese Persistenz zeigt eine abgestimmte transatlantische Linie, wobei die EU mit dem Drittland-Mechanismus die weitreichendste Variante wählt.

    Russlands Krypto-Ökosystem als Hintergrund der EU-Sanktionen

    Die eigentliche Triebfeder hinter dem neuen Instrument liegt in der Architektur der Umgehungsnetzwerke. A7A5 entstand Ende Januar 2025, nur Wochen vor dem Garantex-Takedown, und hält seine Reserven bei der sanktionierten russischen Bank Promsvyazbank. Hinter dem Token steht A7 LLC, eine Zahlungsplattform im Eigentum des sanktionierten moldauischen Oligarchen Ilan Shor und ebenjener Promsvyazbank.

    Garantex schrieb seinen Nutzern A7A5-Token im Gegenwert eingefrorener Guthaben gut, die anschliessend auf Grinex handelbar waren. Selbst nach Sanktionen blieb das Netzwerk somit funktionsfähig, bis Grinex im April 2026 den Betrieb nach einem behaupteten Cyberangriff mit einem Verlust von rund 13 Mio. USD einstellte. Das Unternehmen beschuldigte westliche Geheimdienste. On-Chain-Daten zeigen jedoch, dass die abgezogenen Stablecoins ungewöhnlicherweise über eine dezentrale Börse gegen Tron getauscht wurden.

    Das 21. Paket adressiert diese Lücken nicht allein über Krypto-Assets. Zudem listet es 30 weitere Schiffe der russischen Schattenflotte auf, über die bereits sanktionierten 632 hinaus, und erfasst erstmals auch Unterstützungsschiffe sowie Infrastruktur wie Häfen und Raffinerien. Ferner will Brüssel den Verkauf von LNG-Tankern an Russland verbieten. Diese Breite signalisiert, dass Brüssel die gesamte Umgehungsinfrastruktur ins Visier nimmt.

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    Die Redaktion des Crypto Valley Journal berichtet seit 2018 aus Zug, dem Sitz des Schweizer Crypto Valley, über Bitcoin, Krypto, Blockchain und die regulatorische Entwicklung digitaler Vermögenswerte. Hinter der kollektiven Redaktionsstimme steht ein Team aus Autoren mit Hintergrund in Finanzmarkt, Recht und Technologie.

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