Circle Internet Group hat die finale Genehmigung der US-Bankenaufsicht OCC zur Gründung von Circle National Trust erhalten. Die national beaufsichtigte Trust Bank soll digitale Vermögenswerte verwahren und firmiert formell als First National Digital Currency Bank, N.A.
Das OCC (Office of the Comptroller of the Currency) ist die US-Bundesbehörde, die national tätige Banken beaufsichtigt und Bankchartas vergibt. Eine National-Trust-Bank-Charta erlaubt treuhänderische Verwahrdienste, jedoch kein klassisches Einlagengeschäft: keine Giro- oder Sparkonten und keinen Zugang zur Einlagenversicherung der FDIC. Circle reichte den Antrag im Juni 2025 ein. Im Dezember 2025 folgte gemeinsam mit vier weiteren Krypto-Firmen zunächst eine bedingte Genehmigung. Die finale Freigabe folgte schliesslich nach Erfüllung der Vorbedingungen. Die CRCL-Aktie legte im vorbörslichen Handel daher rund 10 Prozent zu. Gleichzeitig steht USDC mit einer Marktkapitalisierung von 73.21 Mrd. USD auf Rang fünf aller Kryptowährungen.
Was Circle National Trust als Verwahrstelle darf
Circle National Trust startet zunächst mit einem eng gefassten Mandat. Die Bank bietet vorerst treuhänderische Verwahrdienste ausschliesslich für Circle und dessen verbundene Unternehmen an. Der vom OCC genehmigte Geschäftsplan sieht jedoch eine schrittweise Erweiterung vor. Je nach Nachfrage kann die Trust Bank später auch einer begrenzten Zahl institutioneller Kunden Verwahrdienste direkt anbieten, vor allem Banken und regulierten Derivate-Organisationen.
Strukturell reicht die Charta hingegen noch deutlich weiter. Sie ist so konzipiert, dass künftig auch das Management der USDC-Reserve unter die Bank fallen könnte. Damit würde die Reserveverwaltung eines Stablecoins von über 73 Mrd. USD unter direkte Bundesaufsicht rücken. Aktuell ist dies allerdings nur als zukünftige Fähigkeit vorgesehen, nicht als sofortige Funktion. Genau diese Option verleiht der Charta ihre strategische Tiefe.
Die Grenzen der Charta bleiben dennoch klar definiert. Ein solcher Charter erlaubt kein Einlagengeschäft und keinen Zugang zur FDIC-Einlagenversicherung. Circle bewegt sich damit in einem etablierten Rahmen. Schliesslich unterstehen bereits rund 60 weitere national beaufsichtigte Trust Banks dem OCC. Der Unterschied liegt somit weniger im Bankentyp als im Geschäftsgegenstand: Die neue Trust Bank verwahrt digitale statt traditioneller Vermögenswerte.
Von der bedingten zur finalen OCC-Genehmigung
Die finale Genehmigung war kein Automatismus, sondern der Abschluss eines über ein Jahr langen Verfahrens. Circle reichte den Charter-Antrag im Juni 2025 beim OCC ein. Im Dezember 2025 erteilte die Behörde dann eine bedingte Genehmigung, gemeinsam mit vier weiteren Krypto-Firmen. Neben Circle erhielt Ripple mit der Ripple National Trust Bank ebenfalls eine komplett neue Charta. BitGo, Fidelity Digital Assets und Paxos durften zudem bestehende State-Trust-Companies in national beaufsichtigte Trust Banks umwandeln.
Zwischen bedingter und finaler Genehmigung stand die Erfüllung der Vorbedingungen. Erst danach durfte Circle die Bank tatsächlich eröffnen. Dass dieser Schritt nicht selbstverständlich ist, zeigt ein Präzedenzfall aus dem Jahr 2021. Ursprünglich erteilte das OCC damals Anchorage Digital Bank, Paxos National Trust und Protego Trust Company bedingte Trust-Bank-Chartas. Von diesem Trio erfüllte allerdings nur Anchorage die Auflagen und nahm den Betrieb tatsächlich auf. Für Circle markiert die Freigabe somit den formellen Eintritt ins US-Bundesbankensystem.
„Die föderale Aufsicht über unsere Trust Bank setzt einen neuen Massstab für Transparenz, Governance und Skalierung unserer Infrastruktur und eröffnet eine neue Phase der Adoption, in der führende Finanzinstitute mit Klarheit und Vertrauen auf öffentlichen Blockchains aufbauen können." - Jeremy Allaire, Mitgründer, Chairman und CEO, Circle
Traditionelle Banken wehren sich gegen die Charta
Die Chartawelle für Krypto-Firmen trifft auf Widerstand der etablierten Bankenbranche. Das Bank Policy Institute, ein Interessenverband traditioneller Banken, prüft rechtliche Schritte gegen die OCC-Chartapraxis. Weitere Bankenverbände fordern zudem eine Einschränkung oder Überarbeitung des Ansatzes. Sie verweisen auf Finanzstabilität, Konsumentenschutz und den rechtlichen Umfang nationaler Trust-Chartas.
Das OCC selbst rahmt die Öffnung hingegen als Wettbewerbsgewinn. Comptroller Jonathan Gould bezeichnete neue Marktteilnehmer im Bundesbankensektor als Vorteil für Konsumenten, Bankenbranche und Wirtschaft. Sie ermöglichten Zugang zu neuen Produkten, Dienstleistungen und Kreditquellen. Ebenso sorgten sie für ein dynamisches, wettbewerbsfähiges Bankensystem. Der Konflikt dürfte anhalten, zumal weitere Anträge in der Warteschlange liegen.
Coinbase, Crypto.coms Foris DAX National Trust Bank, Stripes Tochter Bridge sowie die brasilianische Neobank Nubank warten noch auf OCC-Entscheide zu eigenen Charter-Anträgen. Weiterhin könnte sich die Zahl bundesbeaufsichtigter Krypto-Verwahrer erhöhen. Für die etablierten Institute steht dabei weniger ein einzelner Wettbewerber im Fokus als das Prinzip: Krypto-Firmen rücken über die Trust-Charta ins regulierte Bankensystem ein.
USDC festigt Stellung im Stablecoin-Markt
Die regulatorische Nachricht trifft auf eine bereits dominante Marktposition. USDC kommt auf eine Marktkapitalisierung von 73.21 Mrd. USD und rangiert damit auf Rang fünf aller Kryptowährungen. Im Juni 2026 erfasste der Stablecoin rund 1.21 Bio. USD des adjustierten Transaktionsvolumens von 1.79 Bio. USD. Das entspricht einem Marktanteil von rund 67 Prozent. Im ersten Halbjahr 2026 lag USDCs Anteil bei rund 70 Prozent, gegenüber rund 25 Prozent für Tether. Nach Marktkapitalisierung liegt USDC dennoch deutlich hinter USDT.

Die CRCL-Aktie reagierte entsprechend und legte vorbörslich rund 10 Prozent zu. Strukturell verstärken zwei Faktoren Circles Vorsprung. Einerseits schafft der GENIUS Act, das im Juli 2025 unterzeichnete US-Bundesgesetz für Payment-Stablecoins, regulatorische Klarheit. OCC und FDIC arbeiten 2026 an der Umsetzung, deren volle Wirkung spätestens im Januar 2027 greift. Andererseits unterstreicht die Trust-Bank-Charta das Regulierungsprofil des Emittenten.
Auf der anderen Seite kommt neue Konkurrenz durch ein Konsortium hochkarätiger Finanzinstitute. Über 100 Unternehmen, darunter Visa, Stripe, BNY, BlackRock und Mastercard, haben vor zwei Wochen das Konsortium Open Standard gegründet und kündigten den Dollar-Stablecoin OpenUSD an. Der Launch ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant, während Tether, Circle und PayPal bewusst aussen vor bleiben.








