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    Über 100 Finanzkonzerne wie BlackRock, Visa und Mastercard gründen das Konsortium Open Standard und planen den OpenUSD Stablecoin für H2.

    OpenUSD: BlackRock, BNY, Visa, Stripe und weitere planen Dollar-Stablecoin

    von Redaktion cvj.ch am 30. Juni 2026 News

    Über 100 Finanzunternehmen, darunter Visa, Stripe, BNY, BlackRock und Mastercard, haben das Konsortium Open Standard gegründet und kündigen den Dollar-Stablecoin OpenUSD an. Der Launch ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant, während Tether, Circle und PayPal bewusst aussen vor bleiben.

    Open Standard ist ein neu gegründetes Branchenkonsortium, das einen gemeinsamen Dollar-Stablecoin ausgeben will, ohne dass ein zentraler Emittent den Mehrwert allein abschöpft. Ein Stablecoin ist ein digitales Zahlungsmittel, das 1:1 an den US-Dollar gekoppelt ist und sich über Blockchain-Netzwerke übertragen lässt. Interim-CEO ist zunächst Zach Abrams, Mitgründer und CEO von Bridge, einer Stablecoin-Infrastruktur-Firma im Besitz von Stripe. Zu den über 100 Gründungspartnern zählen Fintechs, klassische Zahlungsnetzwerke, Krypto-Firmen und Banken. OpenUSD trägt den Ticker OUSD und ist vollständig durch kurzfristige US-Staatsanleihen und Cash gedeckt. Minting und Rückgabe sind gebührenfrei, und die Erträge aus den Reserven werden nach Abzug einer Management-Gebühr anteilig unter den Teilnehmern verteilt.

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    Tether, Circle und PayPal bleiben aussen vor

    Auffällig ist vor allem, wer nicht dabei ist. Mit Tether, Circle und PayPal fehlen ausgerechnet die drei Emittenten, deren Dollar-Stablecoins bereits am Markt etabliert sind. Tethers USDT kommt auf eine Marktkapitalisierung von 184.7 Mrd. USD und rangiert auf Platz drei der grössten Kryptowährungen. USDC von Circle folgt hingegen mit 73.7 Mrd. USD auf Rang fünf. Zusammen bringen die beiden grössten Stablecoins somit rund 258 Mrd. USD auf die Waage, und genau auf diesen Markt zielt Open Standard.

    Der Markt hat dieses Signal umgehend eingepreist. Die Aktie von Circle fiel folglich am Tag der Ankündigung um 8.2 Prozent, da Anleger eine direkte Bedrohung des Geschäftsmodells erkannten. PayPal bietet zudem seit August 2023 den eigenen Stablecoin PYUSD an, der jedoch nur einen geringen Marktanteil hält. Keiner der drei etablierten Anbieter gehört dem neuen Konsortium an.

    Damit positioniert sich Open Standard nicht als Ergänzung, sondern als strukturelle Alternative. Die beteiligten Zahlungsnetzwerke treten künftig als Konkurrenten der etablierten Emittenten auf, statt deren Stablecoins lediglich als Kunden zu nutzen. Im Stablecoin-Markt verschiebt sich das Kräfteverhältnis zugunsten der grossen Zahlungsabwickler. Dass über 100 Unternehmen aus Fintech, klassischem Banking und der Krypto-Branche gemeinsam antreten, verleiht dem Vorstoss ein Gewicht, das einzelne Emittenten nur schwer erreichen. Das Marktpotenzial ist beträchtlich, zumal McKinsey das weltweite jährliche Transaktionsvolumen mit Stablecoins auf 27 Bio. USD schätzt.

    Geteilte Reserveerträge statt proprietärer Kontrolle

    OpenUSD ist zu 100 Prozent durch liquide Mittel gedeckt, konkret durch kurzfristige US-Treasuries und Cash. Das Konsortium verzichtet ausserdem auf Gebühren bei Ausgabe und Rückgabe der Token und setzt keine künstlichen Ausgabelimits. Unternehmen können den Token damit ohne Reibungsverluste skalieren, was im Zahlungsverkehr ein zentrales Argument ist. So unterscheidet sich das Modell deutlich von den etablierten Emittenten, die genau an diesen Stellen Erträge erzielen.

    Der zentrale Unterschied liegt jedoch beim Wirtschaftsmodell. Bei USDT und USDC behält jeweils ein einzelner Emittent die Zinserträge aus den Reserven für sich. OpenUSD verteilt diese Erträge hingegen nach Abzug einer kleinen Management-Gebühr anteilig unter den Teilnehmern. Die Governance liegt bei einer unabhängigen Gesellschaft mit einem Vorstand aus Partnerunternehmen, sodass kein einzelner Emittent die Kontrolle ausübt. Zudem sieht Carolyn Weinberg, Produkt- und Innovationschefin bei BNY, in der neutralen Governance und dem geteilten Wirtschaftsmodell eine mögliche Grundlage für die nächste Wachstumsphase bei digitalen Assets.

    Für die nötige Reichweite sorgt Stripe als Anker-Integration. Der Zahlungsabwickler will OpenUSD nach dem Launch als Standard für Stablecoin-Zahlungen auf seiner Plattform einsetzen. Später sollen auch die übrigen Partner OpenUSD in ihre eigenen Zahlungssysteme integrieren. Gleichzeitig erfüllt die Reservestruktur bereits die Anforderungen des GENIUS Act, der eine vollständige Deckung mit liquiden Assets vorschreibt.

    "Bestehende Stablecoins haben grosse Stärken, aber um sie im Geschäftsmassstab einzusetzen, brauchen Unternehmen etwas, das offen, kostengünstig, durchsatzstark, breit zugänglich und an ihren Interessen ausgerichtet ist." - Zach Abrams, Interim-CEO Open Standard und Mitgründer Bridge

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    Stripe und Mastercard besitzen die Infrastruktur bereits

    Open Standard baut nicht auf einer Absichtserklärung auf, sondern auf bereits bestehender Infrastruktur. Stripe besitzt mit Bridge die Stablecoin-Infrastruktur, deren Mitgründer Abrams nun das Konsortium leitet, sowie den Wallet-Entwickler Privy. Klarna nutzt die Bridge-Infrastruktur ferner bereits für den angekündigten KlarnaUSD, der bislang auf einem Testnet läuft und dessen öffentlicher Mainnet-Start für 2026 vorgesehen ist. Der Zahlungsabwickler wurde im Februar 2026 mit 159 Mrd. USD bewertet. Insgesamt wickelte das Unternehmen 2025 ein Volumen von 1.9 Bio. USD ab, 34 Prozent mehr als im Vorjahr.

    Mastercard verfolgt derweil eine Doppelstrategie. Der Konzern ist einerseits Teilnehmer von Open Standard, kauft andererseits für bis zu 1.8 Mrd. USD den Stablecoin-Anbieter BVNK. Die im März 2026 angekündigte Übernahme soll On-Chain-Zahlungen mit klassischen Fiat-Rails verbinden und gegen Ende 2026 abgeschlossen sein. Zu den weiteren bestätigten Partnern zählen ebenfalls BlackRock, Coinbase, American Express, Standard Chartered, DBS, BBVA, Fireblocks, Ripple, Shopify, Chime, US Bank und Google-Mutter Alphabet. Die Branche absorbiert die Stablecoin-Infrastruktur letztlich, statt sich von ihr verdrängen zu lassen.

    Bridge beantragt Banklizenz vor GENIUS-Act-Inkrafttreten

    Den regulatorischen Rahmen liefert der GENIUS Act, den Präsident Trump am 18. Juli 2025 unterzeichnete. Es handelt sich um die erste umfassende Stablecoin-Regulierung der USA. Das Kürzel steht für Guiding and Establishing National Innovation for U.S. Stablecoins Act. Das Gesetz verlangt zunächst eine vollständige Deckung mit liquiden Assets wie US-Dollar oder kurzfristigen Treasuries. Ausserdem schreibt es eine monatliche öffentliche Offenlegung der Reserven sowie die Einhaltung von AML-Vorschriften vor. In Kraft tritt es schliesslich am 18. Januar 2027 oder 120 Tage nach Verabschiedung der Umsetzungsregeln.

    Bridge hat parallel einen National Bank Trust Charter beantragt, um unter dem GENIUS Act als regulierter Stablecoin-Emittent zu agieren. So sichert sich die Stripe-Tochter eine regulatorische Grundlage für OpenUSD, noch bevor das Regelwerk vollständig greift. Der Schritt zeigt, dass das Konsortium den Token bewusst innerhalb des neuen Aufsichtsrahmens verankern will.

    Der geplante Launch in der zweiten Jahreshälfte 2026 fällt deshalb zeitlich vor das Inkrafttreten des Gesetzes. Strukturell erfüllt OpenUSD die Vorgaben allerdings bereits heute, da die Deckung aus kurzfristigen Treasuries und Cash den GENIUS-Anforderungen entspricht. Das Konsortium geht daher operativ in Führung und ist regulatorisch von Anfang an abgesichert.

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    Die Redaktion des Crypto Valley Journal berichtet seit 2018 aus Zug, dem Sitz des Schweizer Crypto Valley, über Bitcoin, Krypto, Blockchain und die regulatorische Entwicklung digitaler Vermögenswerte. Hinter der kollektiven Redaktionsstimme steht ein Team aus Autoren mit Hintergrund in Finanzmarkt, Recht und Technologie.

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