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    Sie sind hier:Home » Fokus » Legal/Compliance » Bank of England öffnet sich für Alternativen zu Stablecoin-Limiten
    Die Bank of England prüft Alternativen zu Haltelimits für Sterling-Stablecoins. Branchenkritik trifft auf konservative Reservepflichten.

    Bank of England öffnet sich für Alternativen zu Stablecoin-Limiten

    von Redaktion cvj.ch am 19. Mai 2026 Legal/Compliance

    Die Bank of England zieht ihre umstrittenen Haltelimits für Sterling-Stablecoins in Zweifel. Deputy Governor Sarah Breeden erklärte gegenüber der Financial Times, die Notenbank sei "wirklich offen" für andere Wege, ihre Finanzstabilitätsziele zu erreichen.

    Damit reagiert die BoE auf monatelange Branchenkritik, die den Regelentwurf als operativ unhandlich und international nicht wettbewerbsfähig bemängelt. Aktualisierte Entwurfsregeln sollen noch vor Ende Juni 2026 erscheinen, die Finalisierung des Regelwerks ist auf Jahresende terminiert. Parallel öffnet die BoE laut Direktorin Sasha Mills bis Ende 2026 das Antragsfenster für systemische Stablecoin-Emittenten. Damit rückt eine Regulierung näher, deren Schlüsselparameter noch verhandelbar bleiben.

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    Was die ursprüngliche Konsultation vorsah

    Die BoE lancierte ihre Konsultation am 10. November 2025 mit einer Frist bis 10. Februar 2026. Der Entwurf sah Haltelimits von 20'000 GBP pro Privatperson (rund 27'054 USD) sowie 10 Mio. GBP pro Unternehmen (rund 13.53 Mio. USD) als Obergrenze vor, mit einer Ausnahmeregelung für Grosskunden. Die Notenbank selbst bezeichnete diese Obergrenzen als temporär.

    Bei den Reserveanforderungen kalibrierte die Bank of England konservativ. Emittenten müssten 40 Prozent der Reserven unverzinslich bei der BoE halten, die restlichen 60 Prozent entfallen auf kurzfristige britische Staatsanleihen oder andere liquide Mittel. Zum Vergleich: Circles USDC hält 88 Prozent seiner Reserven in Treasury Bills und Repos. Die Branche beziffert die Kosten der unverzinslichen Komponente auf rund 11.2 Mio. GBP pro 1 Mrd. GBP im Umlauf, gerechnet auf einer Gilts-Rendite von 4 Prozent.

    Breeden begründete die ursprüngliche Kalibrierung mit Erfahrungen aus dem Kollaps der Silicon Valley Bank 2023. Die BoE fürchtete einen schnellen Abfluss von Bankeinlagen in Stablecoins, der die Kreditvergabe einschränken könnte. Nun zeigt sich die Deputy Governor selbstkritisch: Die Notenbank will prüfen, ob sie in ihren Überlegungen zu konservativ war.

    Branchenkritik trifft offenes Ohr

    Die Industrie bezeichnet die ursprünglichen Vorschläge als unter den strengsten weltweit. Simon Jennings vom UK Cryptoasset Business Council argumentierte, individuelle Haltelimits funktionierten in der Praxis schlichtweg nicht. Ihre Durchsetzung erfordere ein kostspieliges, komplexes neues System - digitale Identitäten etwa oder eine permanente Koordination zwischen Wallets. Die Initiative Stand With Crypto UK sammelte 85'000 Unterschriften gegen die strengen Regeln.

    Auch Coinbase warnte vor strategischen Folgen. Tom Duff Gordon, damals VP International Policy, sprach im März 2026 vor dem House of Lords Financial Services Regulation Committee. Dort argumentierte er, die Limits verhinderten, dass Sterling-Stablecoins zur Abrechnungsinfrastruktur für tokenisierte Märkte werden. Katie Harries, Coinbase Head of Policy Europe, begrüsste die jüngste Wende und ordnete den Fall grundsätzlich ein:

    "Eine Obergrenze für Stablecoin-Bestände ist eine Obergrenze für Innovation, mit realen und bedeutenden Risiken für die Wettbewerbsfähigkeit des Vereinigten Königreichs." - Katie Harries, Head of Policy Europe, Coinbase

    Laut Bloomberg- und Reuters-Berichten prüft die BoE als mögliche Alternative temporäre Leitplanken auf die Gesamtmenge ausgegebener Stablecoins. Damit würde die Notenbank von individuellen Haltelimits abrücken. Eine solche Obergrenze adressiert die Finanzstabilitätsziele auf Makro-Ebene, und Emittenten wie Wallet-Betreiber müssten nicht jede einzelne Position überwachen. Der regulatorische Fokus verschiebt sich somit von der Endnutzer-Ebene auf die Systemebene.

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    Internationale Standards und der US-Konflikt

    Die britische Debatte spielt vor einem internationalen Hintergrund. BoE-Gouverneur Andrew Bailey, der zugleich den Financial Stability Board (FSB) leitet, warnte am 8. Mai 2026 auf einer BoE-Konferenz vor einem kommenden Ringen mit der US-Regierung über Stablecoin-Standards. Stablecoins könnten nur dann Teil der globalen Zahlungsarchitektur werden, wenn internationale Standards existieren, so Bailey. Am selben Tag äusserte sich EZB-Präsidentin Christine Lagarde kritisch über Stablecoins als potenzielle Bedrohung für die Finanzstabilität.

    Die USA gehen hingegen einen deutlich liberaleren Weg. Präsident Trump unterzeichnete den GENIUS Act am 18. Juli 2025. Das Gesetz verlangt eine 1:1-Reservedeckung in Cash oder kurzfristigen Treasuries sowie monatliche Offenlegung. Die OCC erteilte im Dezember 2025 bedingte nationale Trust-Bank-Chartas an Circle, Paxos und drei weitere Nicht-Bank-Finanzunternehmen. Die finalen Regeln müssen bis 18. Juli 2026 vorliegen, spätestens am 18. Januar 2027 tritt das Gesetz vollständig in Kraft.

    Sterling-Stablecoins machen derzeit weniger als 0.5 Prozent des globalen Stablecoin-Markts von rund 315 Mrd. USD aus. Der tatsächliche Umlauf beläuft sich auf wenige Millionen Dollar. Während London also über systemische Stablecoin-Emittenten verhandelt, existiert der Markt, den es zu regulieren gilt, praktisch noch nicht. Parallel wählte die FCA Revolut, Monee Financial Technologies, ReStabilise und VVTX für eine Sandbox zu UK-ausgegebenen Stablecoins aus. Das Autorisierungsfenster der FCA öffnet am 30. September 2026, die Bewerbungsperiode endet am 28. Februar 2027. Der für Juni 2026 angekündigte überarbeitete Entwurf entscheidet darüber, ob das Vereinigte Königreich als Krypto-Hub anschlussfähig bleibt oder sich zwischen US-Innovation und EU-Restriktion verfängt.

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