Digitaler Yuan ab 2022 einsatzbereit

Die chinesische Zentralbank People’s Bank of China (PBoC) plant, den digitalen Yuan während den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking zu verwenden. Es könnte der erste Test für Chinas digitale Zentralbankwährung (CBDC) mit internationalen Nutzern sein.

Mit der zunehmenden Adoption von Krypto-Assets sind digitale Zentralbankwährungen (CBDCs) wieder ein prominentes Thema geworden. Während der Federal Reserve in den USA noch in der Planungsphase ist, hat China bereits erste Pilotprogramme für den digitalen Yuan durchgeführt.

An den Olympischen Winterspielen im Jahr 2022 sollen auch ausländische Athleten und Besucher erstmals die digitale Währung nutzen können. Ein Beamter der chinesischen Zentralbank offenbarte in einem Interview mit CNBC, dass es trotzdem noch keinen konkreten Zeitplan für eine landesweite Einführung gibt. Die People’s Bank of China (PBoC) müsse aber den Umfang ihrer Pilotprojekte erhöhen und die zugrunde liegende technologische Infrastruktur vorerst stärken.

Zweite Testphase

Die chinesische Regierung hofft, dass der zweite Versuch den e-Yuan als Vorreiter unter den nationalen digitalen Währungen zementieren wird. Er könnte den ersten grossen Schritt in Richtung einer bargeldlosen chinesischen Gesellschaft bedeuten. In den vergangenen Monaten hat die zweite Testphase des digitalen Yuan begonnen.

1.9 Millionen Menschen haben sich für den Erhalt des e-Yuan beworben. Das Experiment ist doppelt so gross wie der erste Versuch im Dezember 2020, der weitgehend als Erfolg angesehen wird und als Startrampe für das neue Angebot diente. Die Regierung hat die Gewinner damals über ein Lotteriesystem ausgewählt, an dem die Bewerber kostenlos teilnehmen konnten.

Im Februar hat die chinesische Zentralbank einigen hundertausend zufällig ausgesuchten Bürgern 200 e-Yuan Guthaben über eine App zukommen lassen. Allein Peking und Suzhou haben in einer öffentlichen Lotterie 200’000 „rote Glückspakete“ verteilt. Das digitale Geld kann an mittlerweile weit mehr als 10’000 Akzeptanzstellen ausgeben werden. Das freie Guthaben wurde mit einem Ablaufdatum versehen und konnte über die offizielle App in ausgewählten Geschäften im Futian-Distrikt der Stadt eingelöst werden.

Chinas Strategie ist es, die digitale Währung durch Versuche auf Stadtebene in diesem und im nächsten Jahr populär zu machen und sie bis zur Austragung der Olympischen Winterspiele Ende 2022 einsatzbereit zu haben. Mit diesem Zeitplan liegt Peking weit vor einer ganzen Reihe von nationalen Regierungen, die vermehrt mit der Idee zu experimentieren beginnen.

Der Digitale Yuan ist überall

Laut einem WeChat-Artikel des Chinesischen Zentral-Fernsehen (CCTV) wird in der ostchinesischen Stadt Suzhou die digitale Währung intensiver getestet. Einigen Beamten wurden bereits die Löhne in e-Yuan ausbezahlt und in Xiongan haben 19 Unternehmen (darunter McDonald’s) Testprogramme begonnen. Das CCTV ist auch der Meinung, dass digitale Währungen in Zukunft gleich viel benutzt werden könnten wie AliPay und WeChat-Zahlungen – die grössten Onlinebezahlsysteme Chinas. Die beiden alleine haben 2019 knapp 93% aller mobilen Transaktionen ausgemacht.

Die Bank erklärt, dass die digitale Währung momentan nur für kleine Transaktionen im Einzelhandel getestet wird. Immer wieder kommt auch das Gerücht auf, dass die digitale Währung nicht in Banknoten umgewandelt werden könne. Die Bank stellt jedoch klar, dass der digitale Yuan ein gesetzlich anerkanntes Zahlungsmittel sei, das im Verhältnis 1:1 in Banknoten umgewandelt werden könnte.

Der e-Yuan wird in einer App gespeichert, dessen Profil einem Bankkonto gleichkommt. Die Bezahlung soll auch über NFC und ohne Internetverbindung möglich sein. Die Token der chinesischen Zentralbank sind – wie Bargeld – in festgelegte Grössen gestückelt und mit einer Seriennummer versehen.

Strategie und Krisenmanagement

Da SWIFT-Zahlungen für internationale Bankgeschäfte auf Dollarbasis getätigt werden, sind sie aus chinesischer Sicht Kursschwankungen unterworfen. Zudem haben die USA darüber Zugriff auf vertrauliche Transaktionsdaten und ein Sanktionsinstrument. Ein nicht ganz unwahrscheinliches Szenario, wie der Ausschluss vom SWIFT-System für Iran, Nordkorea und Kuba zeigt.

Durch den e-Yuan werden alle Transaktionen über die Nationalbank abgewickelt. Es entsteht ein gewaltiger Datentopf, der die Geldströme auswertet und agil agieren kann. Die programmierbare digitale Währung ermöglicht die Ausgabensteuerung von Helikopter- und sonstigen Fördergeldern in Krisenzeiten oder fördert den gezielten Konsum bei darbenden Branchen als Wirtschaftsförderung.

Durch das zentrale System lassen sich die Geldströme mit wenig Aufwand verfolgen. Jedes Wallet ist mit einer Handynummer verknüpft, die nur mit Ausweis bezogen werden kann. Der digitale Geldbeutel kann jederzeit, anhand von schlechtem Creditscore oder anderen Auffälligkeiten, aus der Ferne gelöscht werden. Neben der Überwachung ermöglicht die App auch Massnahmen zur Volkserziehung, indem Höchstmengen bestimmter Produkte und Dienstleistungen festgelegt werden können.

Kein „Überwachungsinstrument“ laut PBoC

Yao Qian, der ehemalige Direktor für das Institut für digitale Währungen bei der PBoC, bestritt jedoch, dass der digitale Yuan jemals als Überwachungsinstrument geplant war. Berichten zufolge stellte er klar, dass China beschlossen hat, den digitalen Yuan lediglich als Gegenmassnahme gegen die immer beliebter werdenden „privaten Zahlungsplattformen“ zu entwickeln und eine staatliche Alternative zu bieten.

Der digitale Yuan müsse ein Gleichgewicht zwischen dem Schutz der Privatsphäre der Nutzer und der Bekämpfung von Verbrechen wie Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Terrorismusfinanzierung herstellen. So zumindest Qian, der derzeit Direktor des Büros für Wissenschafts- und Technologieaufsicht bei der China Securities Regulatory Commission ist.

Der ehemalige Direktor machte diese Bemerkungen während einer Podiumsdiskussion auf dem International Finance Forum in Peking. Seine Aussagen stehen im Widerspruch zu den Behauptungen, die der Vorsitzende der US-Notenbank Jerome Powell in einer Pressekonferenz am 28. April aufgestellt hat. Powell deutete an, dass eine solche digitale Währung in den USA nicht funktionieren würde und behauptete, dass der digitale Yuan der chinesischen Regierung erlaube, „jede Zahlung in Echtzeit zu überwachen“ – eine Tatsache, die genauso auch auf SWIFT-Zahlungen zutrifft.

Kein Angriff auf die Weltwährung

Die PBoC arbeitet zwar mit anderen Zentralbanken – darunter mit der von Thailand, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Hongkong – zusammen, um den Einsatz des digitalen Yuan im grenzüberschreitenden Handel zu erkunden. Laut dem stellvertrenden Gouverneur der chinesischen Zentralbank konzentrieren sie sich zunächst auf die inländische Verwendung der digitalen Währung.

„Unser Fokus liegt darauf, dass wir zuerst einen sehr soliden inländischen e-Yuan etablieren und ein gesundes Ökosystem aufbauen können. Gleichzeitig arbeiten wir mit unseren internationalen Partnern zusammen. Langfristig werden wir hoffentlich auch eine grenzüberschreitende Lösung bereitstellen können.“ – Li Bo, stellvertretender Gouverneur der People’s Bank of China (PBoC)

Die Internationalisierung des Renminbi sei ein natürlicher Prozess. Ziel ist es, dem Markt die Wahl zu überlassen, was ihm schlussendlich den internationalen Handel und Investitionen erleichtert. Der Markt soll entscheiden, mit welcher Währung gehandelt wird. Die Globalisierung soll so demokratisch werden – ein ungewöhnliches Anliegen für die  Volksrepublik China.

Amerikanische Beamte sind weniger besorgt über eine unmittelbare Herausforderung für die aktuelle Struktur des globalen Finanzsystems. Stattdessen sind sie begierig zu verstehen, wie der digitale Yuan ausgegeben wird und ob er auch für die Umgehung von US-Sanktionen genutzt werden könnte.

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