Die Swiss Blockchain Federation (SBF) hat an ihrer Generalversammlung alle elf bisherigen Vorstandsmitglieder wiedergewählt. Drei Mitglieder traten zurück: Guido Bühler, René Hüsler und Patrizia Pesenti. Heinz Tännler bleibt Präsident, Lorenz Furrer Vizepräsident.
Per Ende 2025 zählt der Verband 96 Mitglieder, darunter acht Kooperationspartner und sieben Passivmitglieder aus der Politik. 17 neue Mitglieder kamen im vergangenen Jahr hinzu. Mit Bern und Genf schlossen sich zwei weitere Kantone an - sechs Kantone gehören nun der als Public-Private-Partnership organisierten Federation an, neben Zug, Zürich, Tessin und Neuenburg.
Stablecoin-Streit mit der FINMA als zentrales Thema
Das Jahr 2025 stand für die SBF im Zeichen regulatorischer Auseinandersetzungen. Die FINMA-Aufsichtsmitteilung 06/2024 zu Stablecoins bildete den Kern. Darin stuft die Finanzmarktaufsicht bereits das vorübergehende Halten eines Stablecoins als dauerhafte Geschäftsbeziehung ein. Emittenten müssen somit alle Stablecoin-Inhaber als Vertragspartner identifizieren. Als Begründung führt die FINMA Risiken bei Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Sanktionsumgehung an.
Die SBF sieht für diese Praxis keine gesetzliche Grundlage. Weder die EU noch Singapur, Hongkong, Japan oder die USA verlangen eine Identifikation aller Zwischeninhaber. Sollte sich die FINMA-Praxis durchsetzen, wäre laut dem Verband die Emission von Stablecoins aus der Schweiz faktisch verunmöglicht - weil kein tragfähiges Geschäftsmodell unter diesen Einschränkungen bestehen könne.
Was dabei untergeht: Das globale Stablecoin-Transaktionsvolumen stiegen 2025 um 72 Prozent auf 33 Billionen US-Dollar. USDC allein verzeichnete 18.3 Billionen US-Dollar. Während der Markt so rasch wächst, droht die Schweiz den Anschluss zu verlieren.
FINIG-Revision soll neue Bewilligungskategorien schaffen
Am 22. Oktober 2025 eröffnete der Bundesrat die Vernehmlassung zur Revision des Finanzinstitutsgesetzes (FINIG). Vorgesehen sind zwei neue Bewilligungskategorien. Ein Zahlungsmittelinstitut für die Stablecoin-Emission ersetzt die bisherige Fintech-Lizenz und hebt deren Limit von CHF 100 Millionen auf. Daneben entsteht ein Krypto-Institut für Verwahrung, Handel und Market-Making. Blacklisting sanktionierter Adressen ist als Compliance-Instrument eingeplant. Die Vernehmlassungsfrist lief bis zum 6. Februar 2026.
Eine gemeinsame Stellungnahme koordinierte die SBF mit der Crypto Valley Association, der Swiss Fintech Association und der Capital Markets and Technology Association. Hans Kuhn, ehemaliger Chefjurist der Schweizerischen Nationalbank, leitete die zuständige Arbeitsgruppe. Auch das Finanzmarktinfrastrukturgesetz (FinfraG) wird im Rahmen desselben Pakets angepasst. Ein Inkrafttreten gilt frühestens 2027 als realistisch.
Parallel setzte sich die SBF mit dem Krypto-Kapitalstandard des Basler Ausschusses auseinander. Seit dem 1. Januar 2026 müssen Banken die revidierten Vorgaben umsetzen. Tokenisierte Vermögenswerte und konforme Stablecoins erhalten ein moderates Risikogewicht, alle übrigen Krypto-Assets unterliegen hingegen einem vollständigen Kapitalabzug. Das Exposure-Limit für diese zweite Gruppe liegt bei 1 Prozent des Tier-1-Kapitals. Die SBF sprach sich entsprechend gegen unverhältnismässige Eigenmittelanforderungen aus.
12-Punkte-Programm gegen internationale Konkurrenz
Im Mai 2025 lancierte die SBF zusammen mit der Crypto Valley Association und der Bitcoin Association Switzerland ein 12-Punkte-Programm. Es soll die Wettbewerbsfähigkeit des Blockchain-Standorts Schweiz sichern. Der Druck kommt von aussen: Länder in Asien und im Nahen Osten sowie die USA unter der Trump-Regierung bieten zunehmend attraktivere Bedingungen für Krypto-Unternehmen.
Gefordert werden unter anderem innovationsfreundliche Rahmenbedingungen bei der FINMA als strategisches Ziel, technologieneutrale Regulierung und verbindliche Bewilligungsfristen von maximal sechs Monaten. Ebenso verlangt das Programm die Einführung digitaler Zentralbankwährungen für den Zahlungsverkehr, grössere Autonomie für Selbstregulierungsorganisationen und den Abbau von Hindernissen für ausländische Investitionen.
Vom Crypto-Valley-Pionier zur politischen Kraft
Die SBF entstand 2018 nach einem Runden Tisch mit Bundesrat Ueli Maurer, Krypto-Unternehmern, Politikern und Wissenschaftlern. Der damalige Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann präsentierte das zugehörige Whitepaper. Bereits 2018 und 2019 war die Federation massgeblich beteiligt, als die FINMA weltweit erstmals zwei Krypto-Banken bewilligte: SEBA und Sygnum.
Auffällig ist, dass sich zunehmend auch etablierte und traditionelle Unternehmen im Blockchain-Ökosystem engagieren. Im laufenden Jahr will die SBF die FINIG- und FinfraG-Revision politisch eng begleiten und das 12-Punkte-Programm vorantreiben. Für die 2018 als Nischen-Initiative gestartete Federation ist das ein Signal: Ihre Lobbyarbeit ist im politischen Bern angekommen.








