Der Starinvestor Ray Dalio rät Anlegern, Anleihen unterzugewichten und stattdessen 10 bis 15% des Portfolios in Gold sowie einen kleinen Anteil in Bitcoin zu halten. Dahinter steht seine Erwartung einer US-Schuldenkrise, die in rund drei Jahren unausweichlich werde.
Dalio ist Gründer von Bridgewater Associates, einem der weltweit grössten Hedgefonds. Bekannt ist er zudem für seine Big-Cycle-Thesen zu Staatsverschuldung und Währungsordnungen. Seine aktuelle Position vertritt er seit dem Buch „How Countries Go Broke: The Big Cycle" und seit Juli 2025 in wiederkehrenden öffentlichen Auftritten. Die konkrete Bandbreite schwankt allerdings: mal nennt er 5 bis 15% Gold, mal 15% für Gold und Bitcoin zusammen. Der neue Beitrag erscheint wenige Tage, nachdem die US-Staatsschuld erstmals 40 Bio. USD überschritten hat. Gleichzeitig notiert Bitcoin über 77'000 USD, Gold liegt nahe einem Mehrmonatshoch.
Dalios Rezept: weniger Anleihen, mehr Gold und Bitcoin
In einem LinkedIn-Beitrag rät der Investor zunächst dazu, das Gewicht von Staatsanleihen im Portfolio zu senken. Als Gegengewicht empfiehlt er 10 bis 15% Gold und einen kleinen Bitcoin-Anteil. Eine exakte Quote für Bitcoin nennt er hingegen nicht. Gold und Bitcoin zählt er zu jener Kategorie Geld, die keine Regierung schaffen kann.
Zugrunde liegt die Kernthese seines Buchs. Die Kosten des Schuldendienstes steigen darin schneller als die Nachfrage nach neuen Staatsanleihen. Den Regierungen bleiben daher zwei Wege. Entweder akzeptieren sie höhere Zinsen, oder die Notenbank kauft die Papiere mit frisch geschaffenem Geld. In Dalios Darstellung schwächt der zweite Weg folglich die Währung und treibt die Inflation. Gegen genau diese Entwertung sollen Vermögenswerte ausserhalb staatlicher Kontrolle absichern.
Den Zeitrahmen für die Zuspitzung beziffert Dalio auf rund drei Jahre. Ein präzises Datum folgt daraus jedoch nicht, zumal er dieselbe Warnung seit Jahren in wechselnder Form wiederholt. Neu ist somit weniger die These als der Zeitpunkt, an dem sie auf die aktuellen Haushaltszahlen trifft. Für ein klassisches 60/40-Depot aus Aktien und Anleihen bedeutet der Rat eine Verschiebung im defensiven Teil. Wer Anleihen untergewichtet, braucht einen Ersatz für deren Rolle als Puffer. Diese Rolle weist Dalio letztlich dem Gold zu, Bitcoin bleibt eine Beimischung.
Rekordschulden und Rekorddefizit im Hintergrund der Warnung
Die US-Staatsschuld überschritt erstmals die Marke von 40 Bio. USD. Das Haushaltsdefizit summierte sich in den ersten zehn Monaten des Fiskaljahres 2026 auf 1.8 Bio. USD. Insgesamt liegt es damit bereits über dem Wert des gesamten Fiskaljahres 2025. Für das Gesamtjahr rechnet das Committee for a Responsible Federal Budget daher mit mehr als 2 Bio. USD. Im Juli allein fehlten dem Bund 432 Mrd. USD.
Vor allem der Schuldendienst wird teurer. Sekundärquellen beziffern die Nettozinszahlungen des Bundes für 2026 auf rund 1.2 Bio. USD, davon 91 Mrd. USD im Monat Juli. Dalio selbst rechnet in seinem Beitrag mit etwa 1 Bio. USD. Gleichzeitig verlangt der Markt für lange Laufzeiten mehr Rendite. Die Rendite 30-jähriger Treasuries erreichte in derselben Woche ein 19-Jahres-Hoch. Eine Auktion langlaufender Papiere brachte in der Woche zuvor 5.216%, den höchsten Zuschlag seit 2001. Dalios Zeitrahmen belegen diese Zahlen nicht. Sie zeigen allerdings, dass Schuldenstand und Zinslast zugleich steigen.
Auf dieser Kombination ruht schliesslich seine gesamte Argumentation. Die Nachfrage aus dem Ausland bricht bislang nicht weg. Ausländische Investoren hielten nach TIC-Daten mit Stand Februar 2026 rund 9.5 Bio. USD an US-Staatsanleihen, 6% mehr als ein Jahr zuvor. Japan bleibt mit etwa 1.2 Bio. USD der grösste ausländische Gläubiger. Bei der koordinierten Yen-Stützung Anfang August 2026 verzichtete Tokio dennoch auf Verkäufe von Treasuries. Stattdessen griff die Notenbank auf eine Repo-Fazilität der Fed zurück und vermied damit zusätzlichen Druck auf den Anleihemarkt. Dalios These zielt deshalb weniger auf einen Käuferstreik als auf den Preis, zu dem Käufer noch zugreifen. Seine Schlussfolgerung formuliert er seit 2025 in wechselnden Auftritten nahezu unverändert.
„Es ist unmöglich, dass diese Länder in den kommenden Jahren keine Schuldenkrise erleben, die zu einem starken Wertverlust [des Geldes]führen wird." - Ray Dalio, Gründer Bridgewater Associates
Bitcoin und Gold steigen zeitgleich, aus anderen Gründen
Bitcoin notiert bei 77'323 USD, ein Plus von 6.3% binnen 24 Stunden und von 22.7% über sieben Tage. Insgesamt erreicht die Marktkapitalisierung rund 1.552 Bio. USD. Zu Wochenbeginn stand der Kurs bei etwa 62'800 USD, woraus sich ein Wochenplus von rund 23% ergibt. Eine bessere Woche verzeichnete Bitcoin zuletzt 2023. Vom Höchststand bei 126'080 USD aus dem Oktober 2025 trennen den Kurs weiterhin rund 39%. Gold notiert ebenfalls höher und kostet je Feinunze zwischen 4'577 und 4'634 USD. Damit steht das Metall auf einem Mehrmonatshoch.
Die Rally begann aus einem anderen Anlass. Zunächst kündigte Finanzminister Scott Bessent zwei Tage vor Dalios Beitrag an, die Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen mindestens zu verdoppeln. Das Maximalvolumen steigt bei Laufzeiten von 10 bis 30 Jahren von 2 Mrd. auf mindestens 4 Mrd. USD je Emission. Am selben Tag traf Präsident Donald Trump ausserdem Vertreter der Krypto-Branche. Beides zusammen löste eine Short-Squeeze-Dynamik aus. Später signalisierte der Minister, dass auch mehr möglich sei. Eine Obergrenze nannte er nicht.
An den Anleihemärkten wirkte die Ankündigung sofort. Die Rendite zehnjähriger Treasuries fiel um 5.7 Basispunkte auf 4.647%, die 30-jährige um 9 Basispunkte auf 5.196%. Rückkäufe stützen die Liquidität am langen Ende und drücken die Renditen. Zudem nehmen fallende Renditen zinslosen Anlagen wie Gold und Bitcoin einen Teil ihres Nachteils. Dalios Beitrag traf somit auf einen Markt, der ohnehin lief. Als eigenständiger Kurstreiber taugt er nicht. Für die institutionelle Debatte über Absicherung liefert er trotzdem einen Referenzpunkt.
Warum Dalio selbst kaum Bitcoin hält
Auffällig ist die Lücke zwischen Empfehlung und eigenem Depot. Bitcoin macht nach Dalios Angaben rund 1% seines persönlichen Portfolios aus. Diese Zahl bestätigte er zuvor Ende Juli 2026 in einem Podcast-Auftritt. Als bevorzugte Absicherung zeigte er dort auf physische Goldbarren. Ursprünglich nannte er bereits im Juli 2025 eine kombinierte Quote von 15% für Gold und Bitcoin. Die Quote variiert seither, wenngleich die Richtung dieselbe bleibt.
Seine Vorbehalte gegen Bitcoin formulierte er im Mai 2026 auf X. Die Kryptowährung habe die erwartete Rolle als sicherer Hafen nicht erfüllt. Es fehle an Privatsphäre, ferner korreliere der Kurs stark mit Tech-Aktien. Verglichen mit dem Goldmarkt sei Bitcoin klein. Nicht zuletzt nennen mehrere Berichte zwei weitere Einwände: die fehlende Deckung durch Notenbanken und das Risiko künftiger Quantencomputer-Angriffe auf Bitcoins Kryptografie. Wie Bridgewater selbst in Gold und Bitcoin positioniert ist, lässt sich aus öffentlichen Pflichtmeldungen nicht ablesen. 13F-Meldungen erfassen weder physisches Metall noch direkt gehaltene Coins.
Widerspruch kam von Michael Saylor. Der Strategy-Mitgründer nannte Gold „analoges Kapital" und Bitcoin „digitales Kapital". Seit der Umstellung seines Unternehmens auf einen Bitcoin-Standard im August 2020 habe Bitcoin Gold bei der Sharpe Ratio übertroffen. Eine Analyse von Bitwise stützt zumindest die Kombination beider Anlagen. Ein Portfolio mit 15% in Gold und Bitcoin hätte über zehn Jahre eine fast dreimal höhere Sharpe Ratio erzielt als ein klassisches 60/40-Depot. Belastbar ist dieser Vergleich jedoch nur für die Vergangenheit. Über den Eintritt einer Schuldenkrise sagt er letztlich nichts.






