Die Schweiz hat sich 2025 als Europas dominantes Zentrum für Blockchain-Risikokapital etabliert. Laut dem 11. CV VC Top 50 Report entfielen 47 Prozent aller europäischen Risikokapitalinvestitionen im Blockchain-Sektor auf Schweizer Unternehmen. Kein anderes Land in Europa kommt an diese Konzentration heran.
Die Gesamtinvestitionen in Crypto-Valley-Unternehmen beliefen sich im Berichtsjahr auf 728 Millionen USD, ein Plus von 37 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Kapitalsumme verteilt sich auf weniger, dafür grössere Deals. Der Report wertet diese Verschiebung als Reifezeichen des Ökosystems.
Konsolidierung statt Expansion
Ende 2025 zählte das Crypto Valley 1'766 aktive Unternehmen. Ein neuer Höchststand. Gegenüber 2020 entspricht das einem Wachstum von 134 Prozent, doch gegenüber dem Vorjahr fällt der Zuwachs mit nur einem Prozent deutlich moderater aus. Im 10. Report hatte CV VC noch 14 Prozent Jahreswachstum ausgewiesen.
Auffällig ist die Verteilung auf die Standorte. Zug verlor vier Unternehmen und liegt bei 715, Zürich sank von 264 auf 257. Das Tessin legte hingegen um 15.5 Prozent auf 119 Unternehmen zu und profiliert sich als Schwerpunkt für GameFi, NFT und Metaverse. Liechtenstein kam auf 72 Firmen, Genf auf 87, Luzern auf 73. Waadt tritt mit 56 Unternehmen neu prominent in Erscheinung.

Die Gesamtbewertung der Top 50 erreichte 467 Milliarden USD, darunter zehn Unicorns. Branchenseitig dominieren Infrastrukturlösungen mit 19 Prozent, gefolgt von Finanzdienstleistungen mit 18 Prozent und Beratungs- sowie Technologiedienstleistungen mit 17 Prozent. Der Schwerpunkt verschiebt sich damit weg vom reinen Token-Geschäft hin zur technologischen Grundlagenarbeit.
Grosse Tickets, weniger Deals
Der grösste Einzeldeal des Jahres entfiel auf die TON Foundation. Am 20. März 2025 sammelte das aus dem Telegram-Ökosystem hervorgegangene Projekt rund 400 Millionen USD ein. Zu den Lead-Investoren zählten Sequoia Capital, Ribbit Capital, Benchmark, Kingsway Capital und Draper Associates. Die Finanzierung erfolgte token-basiert und zielt auf den Aufbau einer Zahlungsinfrastruktur für die über eine Milliarde Telegram-Nutzer. Ein einzelner Deal trägt somit mehr als die Hälfte des jährlichen Investitionsvolumens.
Dahinter positioniert sich Sygnum Bank mit einer Strategic Growth Round über 58 Millionen USD. Die Runde schloss am 14. Januar 2025 unter der Führung von Fulgur Ventures ab. Die Post-Money-Bewertung erreichte eine Milliarde USD und verlieh der Schweizer Krypto-Bank Unicorn-Status. Sygnum verwaltet rund fünf Milliarden USD für über 1'700 Kunden in mehr als 60 Ländern und betreibt eine B2B-Plattform für über 20 Banken, die regulierte Krypto-Dienste anbieten.
Weitere signifikante Runden verteilen sich auf mehrere Sektoren. M^0 sicherte sich 40 Millionen USD Series B unter Polychain Capital und Ribbit Capital. Impossible Cloud Network erzielte 34 Millionen USD bei einer Bewertung von über 470 Millionen USD. Daneben schlossen CratD2C mit 30 Millionen USD, Validation Cloud mit 21 Millionen USD sowie Octra mit 20 Millionen USD ab. Yieldbasis folgte mit 18 Millionen USD, Towns mit 14 Millionen USD und Chronicle mit 12 Millionen USD. Bemerkenswert ist die Präsenz globaler Top-Investoren: Sequoia, Benchmark, Ribbit und Polychain engagieren sich gleich mehrfach im Schweizer Ökosystem.
"Nahezu die Hälfte aller europäischen Blockchain-Investitionen fliesst inzwischen ins Crypto Valley. Was wir beobachten, ist ein reifendes Ökosystem, das sich auf Infrastruktur, Finanzwesen und die Konvergenz mit anderen Zukunftstechnologien konzentriert." - Mathias Ruch, Gründer und CEO, CV VC
Vom Wachstumsmarkt zum Infrastrukturstandort
Der narrative Wechsel gegenüber dem Vorjahresbericht ist bemerkenswert. 2025 hatte CV VC die Wachstumszahlen noch mit dem Zusatz "trotz Wettbewerb" versehen und regulatorische Unsicherheiten, lange Genehmigungsprozesse sowie Druck aus Asien und dem Nahen Osten als Hemmnisse benannt. Der 2026er-Report dreht die Perspektive: Nicht mehr die Quantität der Unternehmen steht im Vordergrund, sondern die Qualität des angezogenen Kapitals.
Im breiteren europäischen Vergleich liegt die Schweiz bei absoluten VC-Zahlen über alle Sektoren hinweg an vierter Stelle. Grossbritannien führt mit über 23 Milliarden USD, gefolgt von Frankreich mit rund 8.5 Milliarden USD und Deutschland mit rund 8.4 Milliarden USD. Pro Kopf führt die Schweiz allerdings die Rangliste an. Im Blockchain-Segment dreht sich das Verhältnis: Hier sind 47 Prozent des europäischen Risikokapitals im Crypto Valley gelandet. Gleichzeitig steht die Schweiz im Standortwettbewerb mit Dubai, Singapur und weiteren Jurisdiktionen, die aktiv um Blockchain-Ansiedlungen werben.
Auch auf politischer Ebene verfestigt sich die Positionierung. Der Kanton Zug lancierte gemeinsam mit der Hochschule Luzern und dem Zug Institute for Blockchain Research die "Blockchain Zug - Joint Research Initiative". Das Volumen beträgt 39.35 Millionen CHF über fünf Jahre und zielt auf die Verankerung der Forschungsbasis. Das Crypto Valley setzt den Akzent von der Expansion hin zur Konsolidierung als europäischer Infrastrukturstandort.








