Bitmine hat seinen Ethereum-Bestand um weitere 8'573 ETH auf 6.06 Mio. ETH erhöht und hält damit knapp 5% des gesamten Angebots. Chairman Tom Lee wertet die gedämpfte Marktreaktion auf den Binance-Hack von Ende Oktober als konstruktiv.
Bitmine ist ein börsenkotiertes Unternehmen, das Ether als Reserve in der eigenen Bilanz hält. Es folgt damit dem Modell einer Digital Asset Treasury Company, wie es Strategy mit inzwischen 848'517 Bitcoin vorgemacht hat. Unter den Firmen mit Ether-Reserve ist Bitmine der grösste Halter. Den Grossteil des Bestands setzt die Firma im Staking ein, sichert also das Ethereum-Netzwerk ab und erhält dafür Erträge. Den Vorsitz im Verwaltungsrat hat Tom Lee, der zugleich Fundstrat gegründet hat. Die Ether-Strategie startete Ende Juni 2025, seither meldet Bitmine jede Woche den Bestand samt Fortschritt zum selbst gesetzten 5%-Ziel.
In die jüngste Berichtswoche fiel zudem der Binance-Hack, bei dem Angreifer rund 6.3 Mrd. USD erbeuteten. Zu Bitmines Stichtagskurs von 2'261 USD ist der Ether-Bestand rund 13.7 Mrd. USD wert, die gesamten Bestände summieren sich auf rund 14.5 Mrd. USD. Der Wochenkauf entspricht zum selben Kurs rund 19 Mio. USD. Das sind rund 0.14% des Ether-Bestands.
Bitmine erreicht fast 5% des Ethereum-Angebots
Mit dem jüngsten Kauf wuchs der Bestand von 6'051'933 auf 6'060'506 ETH. Gemessen am Angebot von 122.2 Mio. ETH entspricht das rund 4.96%. Damit hält das Unternehmen fast jeden zwanzigsten Ether, der existiert. In seiner wöchentlichen Mitteilung weist Bitmine den Anteil abgerundet mit 4.9% aus und nennt das Ziel „Alchemy of 5%". Bis zur Marke von 5% fehlen somit rechnerisch knapp 50'000 ETH, rund 99% des Wegs sind zurückgelegt. Der Wochenkauf fiel hingegen klein aus. In der Woche zuvor hatte das Unternehmen noch 10'452 ETH erworben, rund 22% mehr als jetzt.
Neben Ether umfassen die Bestände von rund 14.5 Mrd. USD per Anfang November mehrere kleinere Positionen. Dazu zählen 216 Bitcoin sowie 498 Mio. USD in Barmitteln und Wertpapieren. Ausserdem hält Bitmine Positionen in Beast Industries über 180 Mio. USD und in Eightco Holdings über 82 Mio. USD. Allein auf Ether entfallen rund 13.7 Mrd. USD und damit insgesamt knapp 95% der Bestände. Die Bilanz hängt folglich fast vollständig an einer einzigen Kryptowährung. Barmittel und Wertpapiere entsprechen dennoch rund dem 26-Fachen des jüngsten Wochenkaufs zum Stichtagskurs.
Warum Tom Lee die Marktreaktion auf den Hack konstruktiv nennt
Beim Binance-Hack Ende Oktober zogen Angreifer rund 6.3 Mrd. USD aus Wallets der Börse ab, den Grossteil innerhalb von etwa 20 Minuten. Binance setzte Ein- und Auszahlungen deshalb vorübergehend aus. Die Börse und die Blockchain-Analysefirma TRM Labs sprechen vom grössten Krypto-Diebstahl überhaupt. TRM Labs ordnete die Tat mit hoher Sicherheit der nordkoreanischen Gruppe TraderTraitor zu. Das FBI bestätigte anfangs nur, vom Vorfall zu wissen, und schrieb den Angriff später Nordkorea zu. Dieselbe Gruppe gilt ebenfalls als Urheberin des Bybit-Hacks vom Februar 2025, der 1.5 Mrd. USD kostete. Und der Schaden bei Binance ist mehr als viermal so gross.
Lee nennt den Hack eine „schreckliche Entwicklung". Die „relativ gedämpfte" Reaktion des Kryptomarkts sei jedoch „sehr konstruktiv". Als Beleg führt er an, dass Ether seit Bekanntwerden des Diebstahls rund 4% verloren habe. Aus seiner Sicht ist die Branche damit „zunehmend widerstandsfähig und besser in der Lage", Angriffe von Nationalstaaten zu absorbieren. Mit diesem Begriff spielt er auf die Zuordnung zu Nordkorea an. Ebenso verweist der Chairman darauf, dass Binance alle Kundenverluste decken kann. Dafür setzt die Börse nach eigener Zusage den Notfallfonds SAFU und Firmenmittel ein.
Den Angriff deutet Lee schliesslich als Infiltration eines Unternehmens, nicht als Fehler einer Blockchain. Dieser Teil seiner Lesart deckt sich mit der bisherigen Darstellung von Binance. Laut vorläufiger Untersuchung begann der Angriff beim kompromittierten Laptop eines Ingenieurs. Über diesen Zugang erreichten die Angreifer zunächst einen internen Dienst und lösten danach nicht autorisierte Abhebungen aus. Die Schwachstelle lag also in den Betriebsprozessen der Börse.
Was gegen Lees bullische Lesart spricht
Lee kommentiert den Hack allerdings nicht als neutraler Beobachter. Denn als grösster Halter unter den Ether-Treasury-Firmen profitiert Bitmine direkt von jeder Stabilisierung des Ether-Preises. Eine gedämpfte Reaktion als konstruktiv zu deuten, liegt somit im Interesse seines Unternehmens und dessen Bestands von rund 13.7 Mrd. USD. Gleichzeitig trat Bitmine in der Woche des Hacks selbst als Käufer auf.
Wie gedämpft die Reaktion tatsächlich ausfiel, hängt zudem vom Messfenster ab. Je nach Quelle und Zeitpunkt weichen die gemessenen Kursverluste von Ether deutlich voneinander ab. Ein Tagesschlusskurs ergibt ein anderes Bild als das Tief in den Stunden nach dem Angriff.
Was dabei untergeht, ist der Verbleib der Beute. Bereits kurz nach dem Angriff meldete Circle, mehr als 800 Mio. USD in USDC mit Bezug zum Vorfall eingefroren zu haben. Per 02.11.2026 bezifferte die Analysefirma Elliptic die Mittel in verknüpften Adressen auf rund 3.24 Mrd. USD, vor allem in Ether und Bitcoin. Das FBI hat Adressen mit gestohlenen Assets veröffentlicht und rechnet mit weiterer Geldwäsche. Ob die Angreifer die übrigen Mittel verkaufen und wann, ist weiterhin offen. Die Zusage von Binance schützt die Kunden der Börse, wenngleich sie an den gestohlenen Beständen nichts ändert. Binance will ausserdem erst nach Abschluss der Reparaturen eine aktualisierte Aufstellung der Kundenreserven veröffentlichen. Bis dahin fehlt eine vollständige Bilanz des Vorfalls.
Bitmine kauft langsamer als im September
Mitte August 2026 hielt Bitmine rund 5.82 Mio. ETH. In der Woche bis Anfang September kamen 28'086 ETH hinzu, der Bestand stieg auf 5.93 Mio. ETH. Innerhalb von etwa drei Wochen wuchs er damit um rund 110'000 ETH. Seither hat sich das Kauftempo jedoch spürbar verlangsamt. Von Ende September bis Mitte Oktober erwarb das Unternehmen pro Woche zwischen 12'532 und 17'362 ETH, in der Vorwoche noch 10'452 ETH. Der aktuelle Kauf liegt mit 8'573 ETH nochmals darunter. Bei diesem Tempo bräuchte Bitmine folglich rechnerisch noch rund sechs Wochen, um die verbleibenden knapp 50'000 ETH zu erwerben.
Die Ertragsseite stützt sich hingegen auf das Staking. Dabei hinterlegt Bitmine Ether als Sicherheit, um Transaktionen im Netzwerk zu validieren. Über MAVAN hat das Unternehmen 5'227'037 ETH gestakt, rund 86% des Bestands. Ungestakt bleiben damit nur rund 833'000 ETH.
Für den gestakten Bestand beziffert Bitmine die annualisierten Staking-Erträge auf rund 358 Mio. USD. Die Zahl ist allerdings eine Hochrechnung und keine realisierte Einnahme. Ihre Höhe hängt ferner von der Rendite im Netzwerk und vom Ether-Preis ab. Mit kleiner werdenden Zukäufen gewinnt der laufende Ertrag dennoch an Gewicht.








