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    Pi Network: innovatives Smartphone-Mining oder Pyramidensystem?

    Pi Network: innovatives Smartphone-Mining oder Pyramidensystem?

    von Redaktion cvj.ch am 24. Februar 2026 Basiswissen

    Pi Network gehört zu den bekanntesten mobil-basierten Blockchain-Projekten weltweit. Seit dem Launch im März 2019 registrierten sich über 70 Millionen Nutzer. Das Versprechen klingt verlockend: Krypto-Mining per Smartphone-App, ohne teure Hardware, ohne hohen Stromverbrauch. Ein täglicher Klick in der App genügt.

    Doch die Realität hinter den Zahlen ist ernüchternd. Seit dem Allzeithoch von 2.99 USD Ende Februar 2025 hat der PI-Token rund 93 Prozent an Wert verloren. Anfang 2026 pendelt der Kurs zwischen 0.15 und 0.26 USD. Geschätzt liegt die Marktkapitalisierung bei 1.6 bis 1.7 Milliarden USD. Branchenkenner wie Bybit-CEO Ben Zhou bezeichnen das Projekt öffentlich als Betrug. Chinesische Behörden kategorisierten Pi Network bereits 2023 als Pyramidensystem.

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    Wie Pi Network funktioniert

    Dr. Nicolas Kokkalis und Dr. Chengdiao Fan gründeten Pi Network am 14. März 2019. Kokkalis bringt Expertise in verteilten Systemen mit und lehrte 2018 Stanfords ersten Blockchain-Kurs. Fan hat einen Hintergrund in Human-Computer Interaction. Der dritte Mitgründer, Vincent McPhillip, verliess das Projekt bereits im Februar 2021.

    Technisch basiert Pi auf einer Variante des Stellar Consensus Protocol mit sogenanntem Federated Byzantine Agreement. Statt Rechenleistung nutzt das System "Security Circles", also Netzwerke vertrauenswürdiger Kontakte, um Transaktionen zu validieren. Konkret hängt die Mining-Rate vom Account-Status und der Grösse des persönlichen Netzwerks ab. Denn wer mehr verifizierte Nutzer einlädt, erhält höhere Belohnungen. Transaktionsgebühren liegen bei nur 0.01 PI.

    Das Tokenomics-Modell sieht ein maximales Supply von 100 Milliarden PI vor. 65 Prozent gehen an Community-Belohnungen, 20 Prozent an das Core Team. Weitere 10 Prozent fliessen in die Foundation, 5 Prozent in Liquidität. Bis Februar 2026 befinden sich über 9 Milliarden PI in Zirkulation.

    Vom geschlossenen Netzwerk zum Open Mainnet

    Insgesamt durchlief Pi Network mehrere Entwicklungsphasen. Nach der Beta-Phase ab 2019 folgte im März 2020 das Testnet. Im Dezember 2021 ging das Enclosed Mainnet live, allerdings hinter einer Firewall ohne externe Konnektivität. Erst am 20. Februar 2025 um 08:00 UTC entfernte das Team die Firewall und aktivierte das Open Network.

    PI eröffnete den Handel bei 1.47 USD und erreichte am selben Tag einen Peak von 2.10 USD. Anschliessend stieg der Kurs Ende Februar 2025 kurzzeitig auf das Allzeithoch von 2.99 USD. Im Mai 2025 trieben Gerüchte über ein Binance-Listing den Preis auf über 1.70 USD. Sie erwiesen sich als falsch. Bis Anfang Oktober 2025 fiel PI auf 0.172 USD - ein Verlust von rund 95 Prozent.

    Zum Vergleich: Bitcoin und Ethereum verloren in früheren Bärenmärkten typischerweise 70 bis 80 Prozent. Pi Networks Absturz von über 90 Prozent in nur acht Monaten ist selbst für den volatilen Krypto-Markt aussergewöhnlich.

    Zentralisierung und Scam-Vorwürfe

    Am Projekt gibt es fundamentale Kritik. Laut einem CNN-Bericht vom Januar 2025 betreibt das Pi Core Team sämtliche aktiven Validatoren zentral. Community-Nodes existieren zwar, haben aber keinen Einfluss auf den Konsens. Analysten beschreiben Pi entsprechend als "Permissioned Blockchain" und nicht als tatsächlich dezentralisiertes Netzwerk.

    "Eine Grauzone - zugänglich, faszinierend und experimentell, aber beladen mit Red Flags." - OKX Research

    Das Referral-System steht ebenfalls in der Kritik. Frühe Nutzer verdienen überproportional mehr PI durch Einladungen. Somit ähnelt das Wachstumsmodell einer Multi-Level-Marketing-Struktur. Im Juli 2023 kategorisierten Behörden in Hengyang City, China, Pi Network offiziell als Pyramidensystem. Bybit-CEO Ben Zhou weigerte sich öffentlich, den Token zu listen, mit der Begründung, Pi sei ein Betrug.

    Im Mai 2025 erschütterte ein weiterer Vorfall das Vertrauen. Aus einer Wallet, die angeblich dem Core Team zuzuordnen war, flossen 12 Millionen PI-Tokens ab. Der Kurs brach daraufhin um über 50 Prozent ein. Neben dem Insider-Verdacht bestehen auch Datenschutz-Bedenken. Für den Zugang zum Open Mainnet ist eine KYC-Verifizierung obligatorisch. Das Projekt speichert diese Daten auf zentralisierten Servern. Eine Policy zur Daten-Aufbewahrung oder -Löschung existiert nicht.

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    Ökosystem und Nutzerbasis

    Von den 70 Millionen registrierten Nutzern haben bis Anfang 2026 rund 16 Millionen die Mainnet-Migration abgeschlossen. Der Unterschied zwischen Registrierungen und tatsächlich migrierten Accounts ist erheblich. Über 15.8 Millionen Pioneers sind laut Projektangaben auf dem Mainnet aktiv.

    Das Ökosystem wächst dennoch. Anfang 2026 zählt Pi über 215 aktive dezentrale Anwendungen, darunter Marktplätze wie Piketplace und Kollaborations-Tools wie Brainstorm. Im Januar 2026 lancierte das Team ein Developer SDK, mit dem Drittentwickler PI-Zahlungen in unter zehn Minuten integrieren können. Daneben startete 2025 das Pi App Studio mit KI-gestützter App-Entwicklung. Pi Network Ventures, ein 100-Millionen-USD-Investmentfonds, tätigte seine erste Investition in OpenMind.

    Allerdings bleiben die Anwendungsfälle für den Token begrenzt. Zwar sollen 27'000 Händler PI akzeptieren, doch die Zahl ist laut OKX-Analyse kaum verifizierbar. Es existieren keine Fiat-On- und -Off-Ramps innerhalb des Pi-Ökosystems. An den Börsen bleibt die Liquidität dünn, mit Spreads zwischen 0.05 und 0.52 Prozent. PI ist derzeit auf OKX, Gate.io, MEXC, BitMart, XT.com und Bitget handelbar. Tägliches Handelsvolumen erreichte nach dem Launch rund 30 Millionen USD auf Gate.io.

    Governance ohne Transparenz

    Auch die Governance-Struktur wirft Fragen auf. Pi Network operiert mit einem Semi-DAO-Modell, bei dem das Core Team Veto-Macht behält. Öffentliche Aufzeichnungen von Governance-Vorschlägen oder Abstimmungsergebnissen fehlen. Token-Inhaber haben keine expliziten Stimmrechte bezüglich ihres Coin-Besitzes. Schliesslich verschob das Team die Roadmap zur Dezentralisierung wiederholt.

    Grundlegende Transparenz-Standards fehlen ebenfalls. Es gibt weder ein umfassendes Whitepaper noch öffentliche Smart-Contract-Audits. Bitgets chinesische Plattform entfernte Pi-Inhalte komplett. Im Februar 2026 stehen obligatorische Protocol-Upgrades von Version 19 auf 23 an. Deren Auswirkungen auf Nutzer und Ökosystem sind noch unklar.

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    Die Redaktion des Crypto Valley Journal berichtet seit 2018 aus Zug, dem Sitz des Schweizer Crypto Valley, über Bitcoin, Krypto, Blockchain und die regulatorische Entwicklung digitaler Vermögenswerte. Hinter der kollektiven Redaktionsstimme steht ein Team aus Autoren mit Hintergrund in Finanzmarkt, Recht und Technologie.

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