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    Bittensor TAO erklärt: Wie das dezentrale KI-Netzwerk funktioniert, was hinter Subnets steckt und warum Grayscale einen ETF beantragt.

    Bittensor und TAO: So funktioniert das dezentrale KI-Netzwerk

    von Redaktion cvj.ch am 30. März 2026 Basiswissen

    Bittensor ist ein dezentrales Netzwerk, auf dem KI-Modelle entwickelt, trainiert und gehandelt werden. Im Gegensatz zu Projekten wie Render oder Akash, die Rechenleistung bereitstellen, operiert Bittensor eine Ebene höher: auf dem Modell-Layer.

    Konkret bedeutet das, dass Teilnehmer nicht GPUs vermieten, sondern KI-Intelligenz produzieren und deren Qualität bewerten. Der native Token TAO entschädigt Miner für ihre KI-Arbeit und Validatoren für deren Qualitätsbewertung. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 3 Milliarden USD, über 128 aktiven Subnets und einem kürzlich abgeschlossenen Training eines 72-Milliarden-Parameter-Sprachmodells hat Bittensor eine Position eingenommen, die institutionelle Investoren auf den Plan ruft. Grayscale und Bitwise haben beide Spot-ETF-Anträge bei der SEC eingereicht.

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    Von Google Brain zur eigenen Blockchain

    Jacob Steeves, ehemaliger Google-Ingenieur, konzipierte die Idee einer KI-Blockchain bereits 2016. Zusammen mit Ala Shaabana, Informatiker mit Doktorat an der McMaster University, gründete er Bittensor 2019 offiziell. Das Whitepaper folgte 2020, der Netzwerk-Launch im Januar 2021.

    Ein zentrales Designprinzip stand von Anfang an fest: Fair Launch. Bittensor hatte kein Initial Coin Offering (ICO), keinen Vorverkauf und keine vorgeminteten Token. Jeder TAO im Umlauf reflektiert geleistete Machine-Learning-Arbeit. Die Gründer wollten bewusst einen anderen Weg gehen als die stark VC-finanzierten Foundation-Model-Startups im KI-Bereich.

    Der technische Weg verlief allerdings nicht linear. Zunächst war Bittensor als Polkadot-Parachain geplant. Im März 2023 folgte der Pivot zu einer eigenständigen Blockchain auf Basis von Substrate. Im Oktober 2023 gingen dann die Subnets auf dem "Finney"-Mainnet live. Damit begann die Phase, die Bittensor vom Forschungsprojekt zum funktionierenden Netzwerk machte.

    Architektur: Subtensor, Subnets und drei Rollen

    Die Blockchain-Schicht heisst Subtensor. Sie läuft auf Substrate, dem Framework hinter Polkadot, operiert jedoch als eigenständiges Netzwerk. Der Konsensus-Mechanismus der Chain ist Proof of Authority, kontrolliert von der Opentensor Foundation.

    Auf Subtensor existieren spezialisierte Subnets. Jedes Subnet konzentriert sich auf eine bestimmte KI-Aufgabe. Drei Teilnehmerrollen definieren das System: Miner erbringen die eigentliche KI-Arbeit. Validatoren bewerten die Qualität der Miner-Outputs und staken TAO als Sicherheit. Subnet-Besitzer zahlen eine TAO-Registrierungsgebühr und setzen die Regeln für ihr Subnet. Pro Subnet können maximal 64 Validatoren und 192 Miner teilnehmen.

    Die Anwendungen der Subnets sind breit gefächert. Chutes (SN64) bietet KI-Inferenz und erhält 9.3% aller Netzwerk-Emissionen. Targon (SN4) von Manifold Labs betreibt einen verifizierbaren dezentralen Suchmotor und sicherte sich eine Series-A-Finanzierung von 10.5 Millionen USD. Templar (SN3) fokussiert auf LLM-Pretraining, während Theta (SN8) Trading-Signale liefert. Insgesamt liegt der Kollektivwert aller Subnets bei rund 550 Millionen USD.

    Yuma Consensus: Spieltheorie statt Proof of Work

    Bittensors eigens entwickelter Belohnungsalgorithmus heisst Yuma Consensus. Validatoren benoten die relative Qualität jedes Miner-Outputs. Anschliessend aggregiert Yuma Consensus diese Bewertungen und bestimmt die TAO-Ausschüttung. Der Algorithmus nutzt den Shapley-Value-Ansatz, ein spieltheoretisches Konzept zur Quantifizierung individueller Beiträge.

    Das Modell funktioniert darwinistisch. Subnets mit schwacher Leistung erhalten weniger Emissionen oder fallen ganz aus dem Netzwerk. So entsteht ein permanenter Wettbewerb um die beste KI-Qualität. Seit Juli 2024 verschlüsselt ein Commit-Reveal-Mechanismus die Validator-Bewertungen vor der Offenlegung. Strategisches Kopieren zwischen Validatoren wird dadurch verhindert.

    Die Governance folgt einem bikameralen Modell. Ein Triumvirat aus drei Mitgliedern der Opentensor Foundation schlägt Upgrades vor. Schliesslich stimmt ein Senat aus den zwölf höchstgestakten Validatoren darüber ab.

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    Tokenomics nach dem Bitcoin-Vorbild

    TAO orientiert sich explizit an Bitcoin. Die maximale Gesamtmenge beträgt 21 Millionen Token. Vor dem ersten Halving Mitte Dezember 2025 emittierte das Netzwerk täglich 7'200 TAO. Seitdem sind es 3'600 TAO pro Tag. Aktuell befinden sich rund 9.6 Millionen TAO im Umlauf. Etwa 73% davon sind gestaked.

    Bittensor (TAO) Token-Emissionen / Quelle: DeFi Llama

    Die Emissionen verteilen sich auf drei Netzwerkrollen: 41% fliessen an Miner, 41% an Validatoren und 18% an Subnet-Besitzer. TAO-Recycling sorgt dafür, dass Transaktionsgebühren, Subnet-Registrierungen und Validator-Registrierungen in die noch nicht emittierte Menge zurückfliessen. Anders als bei vielen Krypto-Projekten verbrennt das Netzwerk Token also nicht dauerhaft, sondern führt sie dem künftigen Emissionspool zu.

    Im Februar 2025 führte das Dynamic-TAO-Upgrade (dTAO) eine fundamentale Änderung ein. Zuvor kontrollierte eine kleine Gruppe von Root-Validatoren die gesamte Emissionsverteilung. Entsprechend bestand ein Risiko von Vetternwirtschaft. Seit dTAO erhält jedes Subnet einen eigenen Alpha-Token, der auf einem Constant-Product-AMM gegen TAO handelbar ist. Der Preis des Alpha-Tokens bestimmt die Emissionen: mehr Staking bedeutet höhere Emissionen für das jeweilige Subnet. Eine zufällige Transaktionsreihenfolge innerhalb jedes Blocks verhindert Front-Running.

    Covenant-72B: Dezentrales Training im Grossformat

    Am 10. März 2026 schloss Subnet 3 (Templar) das Training von Covenant-72B ab. Mit 72 Milliarden Parametern ist es das grösste dezentral trainierte Sprachmodell. Über 70 Nodes weltweit beteiligten sich am Training. Eine Whitelist gab es nicht: Jeder Teilnehmer mit ausreichenden GPUs konnte mitmachen.

    Im MMLU-Benchmark (Zero-Shot) erreicht Covenant-72B einen Wert von 67.1. Damit übertrifft es sowohl Metas LLaMA-2-70B als auch LLM360 K2. Gewichte und Checkpoints stehen unter Apache-Lizenz öffentlich zur Verfügung. Analysten bezeichneten das Training als "Bittensors DeepSeek-Moment" - als Beweis, dass grosse Sprachmodelle auch ausserhalb zentralisierter Labors entstehen können.

    Der Markt reagierte prompt. TAO stieg innerhalb von sieben Tagen um 46%. Der Alpha-Token von Templar gewann im selben Zeitraum 194%. Bereits im zweiten Quartal 2025 wuchs das Ökosystem deutlich: 50% mehr Subnets, 16% mehr Miner und 28% mehr aktive Wallets.

    Institutionelles Interesse und ETF-Anträge

    Polychain Capital investierte über 200 Millionen USD in Bittensor. Digital Currency Group lancierte mit Yuma Asset Management ein eigenes Vehikel für das Ökosystem. Custody-Anbieter wie BitGo, Copper und Crypto.com staken über Yumas Validator.

    Grayscale reichte am 30. Dezember 2025 ausserdem eine S-1-Registrierung bei der SEC ein. Ziel ist die Umwandlung des bestehenden Grayscale Bittensor Trust in ein Spot-ETP unter dem Ticker GTAO an der NYSE Arca. Am 14. März 2026 folgte der formelle Spot-TAO-ETF-Antrag. Auch bei Bitwise ist ein Antrag anhängig. Die SEC-Entscheidung fällt aufgrund der 240-Tage-Prüfungsfrist voraussichtlich Ende 2026.

    Für 2026 plant das Netzwerk, die Subnet-Kapazität von 128 auf 256 zu verdoppeln. Gleichzeitig ermöglicht die 2025 erreichte EVM-Kompatibilität das direkte Deployment von Smart Contracts auf Subnets. Somit öffnet sich Bittensor für DeFi-Anwendungen und eine breitere Entwickler-Basis.

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    Über den Autor

    Redaktion cvj.ch

      Die CVJ Redaktion besteht aus einem Team von Blockchain Experten und informiert täglich und unabhängig über die spannendsten Neuigkeiten.

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