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    Sie sind hier:Home»Aktuell»News»EZB beziffert Kosten des digitalen Euro für Banken auf bis zu 6 Milliarden Euro
    Der digitale Euro kostet EU-Banken 4-6 Milliarden Euro. Die EZB will mit dem Projekt die Abhängigkeit von Visa und Mastercard reduzieren.

    EZB beziffert Kosten des digitalen Euro für Banken auf bis zu 6 Milliarden Euro

    von Redaktion cvj.ch am 20. Februar 2026 News

    Die Einführung des digitalen Euro wird die europäischen Banken zwischen 4 und 6 Milliarden Euro kosten. So lautet die offizielle Schätzung von Piero Cipollone, Mitglied des EZB-Direktoriums. Cipollone legte die Zahl vor einem italienischen Parlamentsausschuss offen.

    Die Implementierungskosten verteilen sich auf vier Jahre und entsprechen rund 3 Prozent der jährlichen IT-Wartungsbudgets der Banken. Für die EZB selbst fallen Einrichtungskosten von rund 1.3 Milliarden Euro an. Ab 2029 rechnet die Zentralbank mit jährlichen Betriebskosten von etwa 300 bis 320 Millionen Euro. Das Eurosystem trägt diese Ausgaben ähnlich wie bei der Banknotenproduktion. Erstmals liegen nun konkrete Kostenschätzungen für ein Projekt vor, das Europas Zahlungsverkehr grundlegend verändern soll.

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    Europas Abhängigkeit von US-Zahlungssystemen als strategisches Risiko

    Hinter dem digitalen Euro steckt ein geopolitisches Kalkül. Über drei Viertel aller Kartentransaktionen in Europa laufen über internationale Zahlungssysteme wie Visa und Mastercard. 13 Euroländer sind vollständig auf diese internationalen Netzwerke angewiesen. Denn eigene nationale Kartensysteme existieren dort nicht.

    Cipollone bezeichnete diese Abhängigkeit als strategisches Risiko. Transatlantische Spannungen haben die Bewertung verschärft. Gleichzeitig wachsen Dollar-gebundene Stablecoins wie USDC und USDT rasant, was die Währungssouveränität der EZB zusätzlich unter Druck setzt.

    Die geplante Gebührenstruktur ist entsprechend kalkuliert. Händler sollen weniger zahlen als bei Visa oder Mastercard. Kleine Händler könnten sogar nur die Hälfte der aktuellen Gebühren entrichten. Zugleich bleiben die Gebühren höher als bei nationalen Systemen wie Italiens Bancomat oder Spaniens Bizum. So entsteht Wettbewerbsdruck auf internationale Anbieter, ohne lokale Infrastruktur zu verdrängen.

    Banken als Gewinner: Daten statt nur Gebühren

    Die EZB positioniert den digitalen Euro bewusst als Projekt zum Schutz der Banken. Cipollone argumentierte vor dem italienischen Bankenverband ABI, dass Banken ein existenzielles Interesse am Projekt haben sollten.

    "Banken würden nicht nur Einnahmen verlieren, sondern - noch wichtiger - den Zugang zu Zahlungsdaten ihrer Kunden, Informationen, die sie benötigen, um ihnen andere profitablere Dienstleistungen anzubieten." - Piero Cipollone, Mitglied des EZB-Direktoriums

    Konkret behalten Banken im digitalen Euro-System ihre zentrale Rolle als Wallet-Anbieter. Sie verwalten die digitalen Geldbörsen und haben exklusiven Zugang zu Kundenzahlungsinformationen. Die EZB selbst sieht nur anonymisierte Transaktionscodes, keine Nutzeridentitäten. Damit sichern sich Banken die Datengrundlage für Cross-Selling von Krediten, Versicherungen und Vermögensverwaltung.

    Banken können die Implementierungskosten auch über Händlergebühren refinanzieren. Da die EZB keine Netzwerkgebühren erhebt, entfallen die üblichen Kosten für private Zahlungsnetzwerke. Nicht-verzinste Guthaben mit Haltelimits sollen ausserdem verhindern, dass Einlagen in Krisenzeiten von Bankkonten zum digitalen Euro abfliessen.

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    Legislativer Durchbruch nach zwei Jahren Stillstand

    Das Europäische Parlament gab im Februar 2026 erstmals eine bedeutende Zustimmung zum digitalen Euro. Damit endet ein zweijähriger Stillstand. Der Wechsel des Berichterstatters von Stefan Berger zu Fernando Navarrete Rojas im Dezember 2024 hat den Prozess offenbar beschleunigt.

    Bereits im Dezember 2025 einigte sich der EU-Rat auf eine Verhandlungsposition. Schlüsselfunktionen blieben erhalten, darunter der Status als gesetzliches Zahlungsmittel, die verpflichtende Akzeptanz durch Händler und die Offline-Funktionalität. Die Vorbereitungsphase des Projekts lief von November 2023 bis Oktober 2025. In dieser Zeit entwarf die EZB das Regelwerk, wählte Anbieter für Systemkomponenten aus und betrieb eine Innovationsplattform für Marktexperimente. Seit November 2025 befindet sich das Projekt in der technischen Bereitschaftsphase.

    EZB-Forschung aus der Vorbereitungsphase ergab, dass der digitale Euro den Wettbewerb im europäischen Zahlungsmarkt fördern könnte. 66 Prozent der befragten Europäer zeigten Interesse an dem Projekt. Neben dem digitalen Euro treibt die EZB weitere Infrastrukturprojekte voran, darunter Pontes, eine DLT-basierte Settlement-Lösung, und die Erweiterung des TIPS-Systems für grenzüberschreitende Sofortzahlungen.

    Datenschutz-Debatte und Bargeld-Koexistenz

    Cipollone adressierte Kritiker des digitalen Euro direkt. Überwachungsbedenken seien "Fake News". Technisch basiert der Datenschutz auf einer Aufgabentrennung. Die EZB verarbeitet nur anonymisierte Transaktionscodes, während Banken die Nutzeridentitäten exklusiv verwalten. Somit ähnelt das Datenschutzniveau laut EZB dem von Bargeld, wobei Anti-Geldwäsche-Anforderungen erfüllt bleiben.

    Parallel modernisiert die EZB ihre Banknoten. Präsidentin Christine Lagarde kündigte im Oktober 2025 eine Neugestaltung an. Der digitale Euro ergänzt demnach das physische Bargeld als digitale Variante, statt es zu ersetzen. Die Offline-Funktionalität soll Zahlungen auch bei Konnektivitätsausfällen ermöglichen.

    Im März 2026 beginnt die Auswahl der Payment Service Provider. Das Europäische Parlament stimmt voraussichtlich im Juni 2026 ab. Falls die Regulierung 2026 verabschiedet wird, könnte ein Pilotprojekt ab Mitte 2027 starten. Die erste offizielle Ausgabe des digitalen Euro peilt die EZB für 2029 an.

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    Redaktion cvj.ch

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