BlackRock hat den vierten Nachtrag zur S-1-Registrierung für seinen iShares Bitcoin Premium Income ETF (BITA) bei der SEC eingereicht. Bloomberg-Analysten erwarten den Start noch vor Goldman Sachs, dessen konkurrierendes Produkt um den 1. Juli 2026 wirksam werden soll.
Ein Bitcoin-Covered-Call-ETF dieser Kategorie hält ein Bitcoin-Engagement, hier über Anteile am bestehenden iShares-Spot-Fonds, und verkauft gleichzeitig Call-Optionen auf diese Positionen. Die Optionsprämien erzeugen laufendes Einkommen, begrenzen jedoch die Beteiligung an starken Kursanstiegen. BITA wurde ursprünglich Anfang 2026 erstmals bei der SEC registriert und soll an der Nasdaq unter dem Ticker BITA mit einer Sponsor-Gebühr von 0.65% pro Jahr gehandelt werden. Bis zur aktuellen Einreichung folgten zudem drei weitere Nachträge. Das vierte Amendment liegt nun bei der SEC vor und enthält schliesslich erstmals konkrete Startkapital-Transaktionen.
Bitcoin Premium Income ETF: BlackRocks Strategie mit Call-Optionen
Der Fonds bildet die Bitcoin-Preisentwicklung ab und schreibt gleichzeitig Call-Optionen, primär auf IBIT-Anteile und gelegentlich auf ETP-Indizes. Beim Verkauf einer solchen Option vereinnahmt der Fonds zunächst eine Prämie vom Käufer, das namensgebende „Premium Income". Im Gegenzug verpflichtet er sich, die zugrundeliegenden Anteile zum vereinbarten Ausübungspreis zu liefern, falls der Käufer die Option ausübt. Aus diesen Prämien speisen sich somit die angestrebten monatlichen Ausschüttungen.
Der Zielkonflikt der Strategie ist klar umrissen. In einem starken Bullenmarkt bleibt der Kursgewinn oberhalb des Ausübungspreises gekappt, da der Fonds zum Strike liefert und auf weitere Aufwärtsbewegung verzichtet. In Seitwärts- oder moderaten Aufwärtsphasen hingegen können die Prämieneinnahmen die entgangenen Kursgewinne übertreffen, was das Produkt für einkommensorientierte Anleger attraktiv macht. Da Optionsprämien zudem mit der impliziten Volatilität des Basiswerts steigen und Bitcoin strukturell volatiler ist als Aktien, fallen die Prämien im Bitcoin-Segment entsprechend höher aus. BlackRock formuliert die Zielsetzung im Filing präzise.
„Zweck des Trusts ist es, generell die Wertentwicklung des Bitcoin-Preises abzubilden und gleichzeitig Prämieneinkommen durch eine aktiv verwaltete Strategie des Schreibens (Verkaufens) von Call-Optionen zu generieren, primär auf IBIT-Anteile und von Zeit zu Zeit auf ETP-Indizes." - BlackRock, SEC-Filing S-1/A, Juni 2026
Als Basis dient dabei IBIT, der grösste Spot-Bitcoin-ETF der USA mit einem Nettovermögen von rund 47 Mrd. USD. Der iShares Bitcoin Trust wurde ursprünglich im Januar 2024 lanciert und zählt seither zu den am schnellsten gewachsenen ETFs der US-Geschichte. Indem BITA Optionen auf einen bereits börsengehandelten Fonds schreibt, entsteht zudem eine ETF-on-ETF-Optionsstruktur, die regulatorisch und liquiditätsseitig einfacher zu handhaben ist als direkte Bitcoin-Optionen. Per 9. Juni 2026 hielt der Fonds bereits 109.96 BTC sowie 90'901 IBIT-Anteile und hatte 856 Optionskontrakte geschrieben.
Günstigere Gebühr als YBTC und BTCI
Mit 0.65% pro Jahr unterbietet BITA die beiden grössten bestehenden Bitcoin-Covered-Call-ETFs deutlich. Roundhills YBTC verlangt 0.95%, der BTCI von NEOS liegt hingegen bei 0.99%. Damit positioniert sich das BlackRock-Produkt mindestens 30 Basispunkte unter der Konkurrenz. Für einen Fonds, dessen Ertrag massgeblich von laufenden Ausschüttungen lebt, ist die Kostenbasis somit ein zentraler Wettbewerbsfaktor.
Der Markt für Bitcoin-Income-ETFs ist erst kürzlich entstanden. YBTC startete zunächst im Januar 2024 als erster US-notierter Bitcoin-Covered-Call-ETF und besichert seine wöchentlichen Ausschüttungen mit US-Staatsanleihen und Cash. BTCI folgte später im Oktober 2024, schüttet monatlich aus und überschritt in weniger als 20 Monaten die Marke von einer Milliarde USD verwaltetem Vermögen. Das Grundkonzept ist im Aktienbereich zudem längst etabliert, denn Covered-Call-Strategien auf Indizes wie den S&P 500 verwalten weltweit über 180 Mrd. USD und werden nun strukturiert auf Bitcoin übertragen. Tritt der grösste ETF-Anbieter der Welt mit der aggressivsten Preisgestaltung in dieses Segment ein, geraten die bisherigen Marktführer Roundhill und NEOS folglich spürbar unter Druck.
Wettlauf gegen Goldman Sachs
Eric Balchunas, Senior ETF Analyst bei Bloomberg, rechnet mit einem zeitnahen Start. BlackRock stehe unter Druck, Goldman Sachs zuvorzukommen, dessen Produkt etwa am 1. Juli 2026 wirksam werde. Goldman Sachs hatte seine eigene Registrierung für einen Bitcoin Premium Income ETF zuvor am 14. April 2026 eingereicht und damit eine SEC-Standardfrist von 75 Tagen ausgelöst. Daraus ergibt sich somit ein frühestmöglicher Goldman-Start Ende Juni oder Anfang Juli 2026.
Die Struktur des Goldman-Produkts ähnelt jener von BITA, weicht aber regulatorisch ab. Die Bank investiert mindestens 80% des Nettovermögens in Bitcoin-Exposure über Spot-Bitcoin-ETPs und schreibt darauf Call-Optionen mit Overwrite-Levels zwischen 40% und 100%. Anders als BITA ist der Goldman-Fonds nach dem 1940 Act strukturiert und benötigt dafür eine Cayman-Tochtergesellschaft, während BlackRock auf den 1933 Act setzt. Auffällig ist zudem die Doppelrolle der Bank: Goldman Sachs fungiert zugleich als Options-Clearing-Stelle und Authorized Participant für BITA, agiert also als Infrastrukturdienstleister des direkten Konkurrenten.
Vor diesem Hintergrund erhält die Frequenz der BlackRock-Einreichungen strategisches Gewicht. Vier Nachträge in wenigen Monaten deuten auf ein fortgeschrittenes Verfahren hin. Balchunas wertete den jüngsten Nachtrag denn auch als wahrscheinlich letzten vor der Wirksamkeit.
Zweite Welle: Bitcoin als Einkommensinstrument für Institutionelle
Bitcoin-Covered-Call-ETFs gelten als zweite Welle nach den Spot-Produkten. Die erste Generation lieferte zunächst ausschliesslich reines Preisexposure und bildete den Bitcoin-Kurs eins zu eins ab. Die neue Generation verpackt Bitcoin hingegen in ein bekanntes Portfolioinstrument, das institutionelle Anleger aus dem Aktien- und Anleihebereich seit Jahren einsetzen. Damit verschiebt sich der Zugang von der reinen Kursspekulation hin zu einer planbaren Ertragskomponente.
Im Zentrum steht eine klar umrissene Zielgruppe. Einkommensorientierte institutionelle Anleger mit Ausschüttungsmandat, etwa Pensionskassen, Stiftungen und konservative Vermögensverwalter, wünschen zwar ein Bitcoin-Engagement, bevorzugen jedoch laufende Erträge gegenüber reiner Kursspekulation. Ein Covered-Call-ETF bedient somit genau dieses Profil, weil er das Bitcoin-Exposure mit regelmässigen Ausschüttungen koppelt. Dass BTCI in weniger als 20 Monaten die Milliardengrenze beim verwalteten Vermögen überschritt, belegt die Nachfrage in diesem Segment bereits vor BlackRocks Eintritt.
Ein struktureller Faktor macht die Strategie auf Bitcoin zudem besonders ergiebig. Optionsprämien steigen mit der impliziten Volatilität des Basiswerts, und Bitcoin schwankt deutlich stärker als breite Aktienindizes. Folglich fallen die vereinnahmten Prämien im Bitcoin-Segment höher aus als bei vergleichbaren Equity-Covered-Call-Strategien auf den S&P 500. Diese höhere Prämienbasis ist letztlich der zentrale Grund, weshalb Anbieter das im Aktienmarkt etablierte Konzept nun gezielt auf Bitcoin übertragen.







