Bybit, Binance, Bitget und MEXC haben ihre Kampagnen für tokenisierte SpaceX-Aktien storniert und sämtliche Subscription-Gelder zurückerstattet. Auslöser war ein Lieferausfall: xStocks konnte die zugrunde liegenden Aktien nicht beschaffen. Folglich blieben über 1 Mrd. USD an Orders unerfüllt.
xStocks ist eine Plattform für tokenisierte Aktien, über die Kunden von Krypto-Börsen ein Kursexposure zu klassischen Wertpapieren in Form von Token erwerben können. Betreiber ist Kraken, das den ursprünglichen Schweizer Anbieter Backed Finance im Dezember 2025 übernommen hatte. Zuvor galt Backed Finance als zweitgrösster Anbieter im Segment mit rund 23% Marktanteil. Bis März 2026 verzeichnete xStocks zudem über 25 Mrd. USD Handelsvolumen über mehr als 100 tokenisierte Aktien. Allein Binance hatte vor dem Börsengang 557 Mio. USD von rund 27'700 Onchain-Adressen eingesammelt. Die MEXC-Kampagne schloss derweil mit 15.5-facher Überzeichnung. Mit einer IPO-Bewertung von rund 1.75 Bio. USD gestartet, überschritt der Börsenwert von SpaceX nach dem ersten Handelstag die Marke von 2 Bio. USD.
xStocks-Lieferausfall bei tokenisierten SpaceX-Aktien trifft vier Börsen gleichzeitig
Zunächst erfolgten die Stornierungen am Tag des SpaceX-Handelsstarts. Bybit machte den Anfang und berief sich auf die Unfähigkeit von xStocks, die zugrunde liegenden Vermögenswerte zu liefern. Binance zog kurz darauf nach und nannte „Umstände ausserhalb der eigenen Kontrolle" als Begründung. Schliesslich wurde die Kampagne ohne jegliche Zuteilung abgewickelt.
"Abonnenten werden keine SpaceX-Zuteilungen erhalten, da xStocks nicht in der Lage war, die zugrunde liegenden Vermögenswerte zu liefern." - Bybit, offizielle Mitteilung zur Stornierung
Die Dimension des Ausfalls war erheblich. Binance hatte 557 Mio. USD in USDC eingesammelt. Die MEXC-Kampagne zog derweil 56 Mio. USD von über 38'000 Teilnehmern auf sich und war 15.5-fach überzeichnet. Insgesamt blieben somit über 1 Mrd. USD an Orders unerfüllt. SpaceX selbst eröffnete am selben Tag an der Nasdaq bei 150 USD und damit deutlich über dem Ausgabepreis von 135 USD. Die ausgeschlossenen Anleger verpassten somit den Kursgewinn.
Zum Lieferausfall äusserte sich xStocks nicht offiziell. Ein Sprecher erklärte lediglich, aufgrund der überwältigenden Nachfrage hätten sich Anfragen zum Kauf von IPO-Zugang zu SpaceX nicht vollständig erfüllen lassen. Eine weitergehende Stellungnahme blieb hingegen aus.
Strukturelle Schwachstelle des zentralisierten Zuteilungsmodells
Das Scheitern folgt unmittelbar aus dem Aufbau des Modells. Zunächst sollte xStocks echte Aktien aus der IPO-Pipeline beschaffen und an die Börsenplattformen weiterreichen. Dieser Schritt hat jedoch keine direkte Onchain-Entsprechung. Er hängt vielmehr vom Ermessen der Konsortialbanken ab, die knappe Zuteilungen nach eigenem Gutdünken vergeben und dabei typischerweise institutionelle Investoren priorisieren. Beim grössten Börsengang der Geschichte verschärfte sich dieser Engpass zusätzlich: Einer Nachfrage von über 250 Mrd. USD stand ein Angebot von 75 Mrd. USD gegenüber, was einer über dreifachen Überzeichnung entsprach. Zum Vergleich nahm der bis dahin grösste Börsengang von Saudi-Aramco 2019 lediglich 29.4 Mrd. USD auf. Auch der Vorhandel signalisierte den Andrang, denn auf Hyperliquid wurde SpaceX vorbörslich mit erheblichem Tagesvolumen und offenen Positionen im dreistelligen Millionenbereich gehandelt.

Auffällig ist, dass es sich nicht um ein technisches Versagen handelte. Die eigenen Haftungsausschlüsse von xStocks hielten ausdrücklich fest, dass die IPO-Token keine garantierte Zuteilung darstellten, sondern allein ein Preisexposure boten. Der hauseigene DeFi-Token SPCXx handelte denn auch planmässig an dezentralen Börsen. Der Ausfall betraf folglich ausschliesslich die Lieferung physischer Aktien an die zentralisierten Kampagnen, nicht aber den Onchain-Handel. Diese Trennung verdeutlicht somit den Unterschied zwischen einem Kurs-Tracking-Token und einer echten Aktie.
Für Kraken trägt der Vorfall zudem eine zusätzliche Dimension. Das Unternehmen hatte Backed Finance im Dezember 2025 übernommen, um sich einen strategischen Vorteil im Markt für tokenisierte Aktien zu sichern. Ausgerechnet beim meistbeachteten Börsengang der Geschichte fiel jedoch der zugehörige Beschaffungskanal aus. Somit belastet der Vorfall auch Krakens eigene Positionierung.
Ondo Finance und Backpack liefern tokenisierte SpaceX-Aktien erfolgreich
Andere Anbieter zeigten am selben Tag, dass der Engpass umgehbar war. Ondo Finance startete den Token SPCXon gleichzeitig auf Solana, Ethereum und BNB Chain über die Plattform Ondo Global Markets. Das Produkt ist als 1:1-Total-Return-Tracker konzipiert und für Nicht-US-Nutzer über MetaMask und weitere Wallets zugänglich. Bereits in der ersten Stunde setzte der Token zudem über 1 Mio. USD Volumen um, da sein Modell kein physisches IPO-Lot voraussetzt.
Backpack Securities gab ebenfalls den Token SPCX auf Solana aus, der gegen eine zugrunde liegende SpaceX-Aktie einlösbar und rund um die Uhr handelbar ist. In den ersten 24 Stunden erzielte dieses Produkt über 35 Mio. USD Volumen. Kraken wiederum listete SPCX über seinen regulierten Broker-Dealer Payward Securities und damit unabhängig von xStocks. Allerdings erhielten auch Kraken-Kunden wegen der überwältigenden Nachfrage nur partielle Zuteilungen. Selbst regulierte Kanäle geraten somit unter Angebotsdruck, fallen jedoch nicht vollständig aus.
Der Markt für tokenisierte Real World Assets (RWAs) kam Mitte 2026 auf über 5.5 Mrd. USD Gesamtkapitalisierung. Somit wurde der SpaceX-Börsengang zum Stresstest für ein noch junges Segment, das seine Belastbarkeit erstmals an einem Ereignis dieser Grössenordnung beweisen musste.
Entschädigungen der Börsen und Folgen für Anleger
Die drei grossen Plattformen reagierten unterschiedlich auf den Ausfall. Bybit erstattete die Gelder vollständig und legte zusätzlich eine Entschädigung im Gegenwert von 10% Jahreszins über vier Tage drauf. Bitget zahlte ebenfalls vollständig zurück, erstattete dabei die 5-prozentige Bearbeitungsgebühr und gewährte einen Gas-Gutschein über 10 USD. Binance wiederum koppelte die USDC-Rückerstattung an einen Airdrop des hauseigenen bStocks-Produkts im Wert von 1 Mio. USD. Dessen Token SPCXB wurde gleichmässig auf die rund 27'700 Teilnehmer verteilt.
Der konkrete Schaden lässt sich beziffern. SpaceX schloss den ersten Handelstag bei 161.11 USD und damit rund 19% über dem Ausgabepreis. Diese Rendite entging somit den ausgeschlossenen Anlegern. Binance-Mitgründer Changpeng Zhao verlinkte die Stornierungsmitteilung auf X mit dem Kommentar, man müsse Nutzer schützen, wenn die Dinge nicht nach Plan verliefen. Der bStocks-Airdrop wirkt letztlich eher als beruhigende Geste denn als echter Wertausgleich.








