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    Kraken Financial erhält als erste Krypto-Firma einen Fed Master Account und damit direkten Zugang zum Fedwire-Zahlungssystem.

    Kraken erhält als erste Krypto-Firma direkten Zugang zum Federal-Reserve-System

    von Redaktion cvj.ch am 5. März 2026 Legal/Compliance

    Die Federal Reserve Bank of Kansas City hat Kraken Financial ein Limited Purpose Master Account genehmigt. Damit erhält erstmals eine Digital-Asset-Firma direkten Zugang zum Fedwire-Zahlungssystem der US-Notenbank.

    Kraken kann künftig USD-Transaktionen ohne Intermediär-Bank abwickeln, schneller und günstiger als über den bisherigen Umweg via Korrespondenzbanken. Der Antrag lief über fünf Jahre. Kraken Financial, eine Wyoming-chartered Special Purpose Depository Institution (SPDI), reichte den Antrag im Oktober 2020 ein. Schliesslich erfolgte die Genehmigung am 4. März 2026 mit einer initialen Laufzeit von einem Jahr. Konkrete Risikobeschränkungen hält die Kansas City Fed unter Verschluss und verweist auf Geschäftsvertraulichkeit. Arjun Sethi, Co-CEO von Kraken, sprach von einer "Konvergenz der Krypto-Infrastruktur mit den souveränen Finanzschienen".

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    Was ein "Skinny" Master Account bedeutet

    Das genehmigte Konto ist kein gewöhnlicher Fed Master Account. Es handelt sich um eine eingeschränkte Variante, die in der Branche als "Skinny Account" bezeichnet wird. Kraken erhält Zugang zum Fedwire für das Clearing und Settlement von Zahlungen. Dafür entfallen zentrale Privilegien regulärer Banken. Es gibt keine Verzinsung auf Übernacht-Reserven, keinen Zugang zum Discount Window der Fed und keine Tages-Überziehungen.

    Ein regulärer Fed Master Account bildet die grundlegende Infrastruktur des US-Bankensystems. Jede Bank, die direkt mit der Notenbank abwickeln will, benötigt einen. Bisher waren Krypto-Firmen auf Korrespondenzbanken angewiesen, ein teurer Umweg mit Gegenparteirisiko. Krakens Account beseitigt diesen Intermediär, beschränkt die Nutzung jedoch ausschliesslich auf das Clearing und Settlement von Zahlungen.

    Kraken Financial operiert dabei auf 100-Prozent-Reserve-Basis. Liquide Assets müssen jederzeit mindestens den gesamten Kundeneinlagen entsprechen. Denn als SPDI darf Kraken Financial zwar Einlagen entgegennehmen und digitale Assets verwahren, jedoch keine Kredite vergeben. Wyoming schuf den rechtlichen Rahmen dafür bereits 2019 mit dem SPDI-Gesetz. Die Fed stuft Kraken als Tier-3-Antragsteller ein, die strengste Prüfkategorie. Sie gilt für unversicherte Institutionen ohne Bundesaufsicht. Stand Ende 2025 gab es in dieser Kategorie nur eine Genehmigung bei drei Ablehnungen und 20 offenen Fällen.

    Bankenverbände reagieren mit scharfer Kritik

    Drei der grössten US-Bankenverbände äusserten unmittelbar Widerstand. Das Bank Policy Institute (BPI) formulierte "tiefe Besorgnis". Die ICBA und die American Bankers Association (ABA) schlossen sich an.

    "Wir sind zutiefst besorgt, dass die Federal Reserve Bank of Kansas City einen Antrag auf einen 'Limited Purpose' Master Account genehmigt hat, bevor das Federal Reserve Board seinen Policy-Rahmen für solche Accounts finalisiert hat." - Paige Pidano Paridon, Executive Vice President & Co-Head of Regulatory Affairs beim Bank Policy Institute

    Im Kern geht es darum, dass die Kansas City Fed das Konto genehmigte, bevor der endgültige Regelrahmen für Skinny Accounts feststand. Die Fed hatte das "Payment Account"-Konzept erst Ende 2025 zur öffentlichen Konsultation vorgelegt. Der Kommentarprozess schloss im Februar 2026, wenige Wochen vor Krakens Genehmigung.

    Neben dem Timing bemängeln die Verbände fehlende öffentliche Konsultation sowie AML- und BSA-Risiken. Auch Todd Baker von der Columbia University kritisierte die Vertraulichkeit der Risikobeschränkungen als "politisch unangemessen". Seine Kritik richtet sich gegen den Prozess, nicht gegen das Ergebnis.

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    Custodia-Ablehnung als Kontrastpunkt

    Die Genehmigung für Kraken steht im direkten Kontrast zur Erfahrung von Custodia Bank. Beide Firmen sind Wyoming SPDIs. Beide stellten ihre Anträge im Oktober 2020 bei derselben Kansas City Fed. Custodia wurde Anfang 2023 abgelehnt - eindeutig Teil der damaligen Operation Choke Point 2.0. Daraufhin entschied das Federal Reserve Board, eine Wyoming-Charter mache eine SPDI nicht zur "Bank" im Sinne des Bundesrechts.

    Drei Jahre später hat sich das regulatorische Klima grundlegend verändert. Die fraglichen Einschränkungen der Biden-Administration wurden beseitigt. Das OCC erteilte im Dezember 2025 bedingte National Trust Bank Charters an Circle, Paxos und drei weitere Nichtbank-Finanzunternehmen. Und die Trump-Administration positionierte sich öffentlich pro Krypto, warnte vor Innovationsverlust ins Ausland. Krakens Genehmigung revidiert somit implizit die damalige Klassifikation. Wyoming-Gouverneur Mark Gordon kommentierte entsprechend.

    "Diese Genehmigung eines Master Accounts für Kraken durch die Federal Reserve signalisiert Unterstützung für Wyomings Bank- und Digital-Asset-Gesetze." - Mark Gordon, Gouverneur von Wyoming

    Signalwirkung für die Krypto-Industrie

    Für Kraken selbst kommt die Genehmigung indes zu einem strategischen Zeitpunkt. Goldman Sachs und Morgan Stanley beraten die Börse laut Berichten zu einem geplanten IPO, das noch 2026 stattfinden könnte. Direkter Fed-Zugang stärkt dabei die institutionelle Glaubwürdigkeit erheblich.

    Anchorage Digital Bank, die einzige federally chartered Krypto-Bank in den USA, hat ebenfalls einen Tier-3-Antrag auf ein Fed Master Account ausstehend. Anchorage wurde bereits erstes Stablecoin-Institut nach dem Genius Act und wickelte im Januar 2026 Tethers neuen US-Stablecoin USAT ab. Genehmigt die Fed auch diesen Antrag, entsteht ein breiterer Präzedenzfall für die Integration von Krypto-Firmen in das Zahlungssystem.

    Gleichzeitig bleibt das genehmigte Modell bewusst limitiert. Kraken erhält Zahlungsinfrastruktur, keine Bankprivilegien. Kein Discount Window, keine Reserveverzinsung, keine Überziehungskredite. So signalisiert die Fed Zugang ohne Gleichstellung.

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    Über den Autor

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    Die Redaktion des Crypto Valley Journal berichtet seit 2018 aus Zug, dem Sitz des Schweizer Crypto Valley, über Bitcoin, Krypto, Blockchain und die regulatorische Entwicklung digitaler Vermögenswerte. Hinter der kollektiven Redaktionsstimme steht ein Team aus Autoren mit Hintergrund in Finanzmarkt, Recht und Technologie.

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