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    CLARITY Act: Krypto-Industrie verliert Zinskrieg gegen die Bankenlobby

    CLARITY Act: Krypto-Industrie verliert Zinskrieg gegen die Bankenlobby

    von Redaktion cvj.ch am 20. Februar 2026 Legal/Compliance

    Das US-Repräsentantenhaus verabschiedete den Digital Asset Market Clarity Act im Juli 2025 mit 294 zu 134 Stimmen. Das Gesetz sollte regulatorische Klarheit für den gesamten Krypto-Markt schaffen. Doch im Senat stockt der CLARITY Act seither - denn er hat einen Grundsatzkonflikt ausgelöst.

    Im Zentrum steht die Frage, ob Stablecoin-Anbieter ihren Kunden Renditen zahlen dürfen oder ob dieses Geschäft den Banken vorbehalten bleibt. Das Senate Banking Committee verschob seine geplante Markup-Sitzung am 14. Januar 2026 auf unbestimmte Zeit. Die Bankenlobby fordert über Section 404 des Gesetzes ein vollständiges Verbot von Stablecoin-Renditen. Die Krypto-Industrie wehrt sich. Um den Konflikt zu lösen, lud das Weisse Haus beide Seiten zu Verhandlungen ein. Drei Meetings innerhalb von 17 Tagen brachten allerdings kein Abkommen - und für die Krypto-Industrie zeichnet sich eine Niederlage ab.

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    Drei Meetings, wachsender Druck

    Am 2. Februar trafen sich Vertreter von Coinbase, Circle, Ripple und Crypto.com erstmals im Weissen Haus. Die Krypto-Seite präsentierte ihre Position: Renditen auf Stablecoins seien ein zentraler Konsumentennutzen und kein Ersatz für Bankeinlagen. Acht Tage später folgte ein zweites Meeting, diesmal auch mit dem Bank Policy Institute und der American Bankers Association am Tisch. Die Bankenvertreter legten ein "Principles Document" vor und forderten darin ein vollständiges Verbot von Stablecoin-Renditen. Ein Kompromiss kam nicht zustande.

    Das dritte Meeting am 19. Februar verlief anders. Der Teilnehmerkreis war kleiner: Coinbase, Ripple und a16z auf Krypto-Seite, die Banken nur noch über Handelsverbände vertreten. Patrick Witt, Executive Director des President's Council for Advisors for Digital Assets, übernahm die Führung. Anders als bei den ersten beiden Treffen liess das Weisse Haus diesmal weder Krypto-Firmen noch Bankenvertreter die Diskussion steuern. Witt legte einen eigenen Gesetzesentwurf vor, der zum zentralen Verhandlungsgegenstand wurde.

    Passive Renditen vom Tisch, harte Strafen geplant

    Das Ergebnis fällt klar zugunsten der Banken aus. Renditen auf ruhende Stablecoin-Guthaben - also genau das, was Plattformen wie Coinbase ihren Kunden bieten - sollen verboten werden. Die Debatte beschränkt sich demnach nur noch auf Belohnungen, die an bestimmte Aktivitäten gekoppelt sind. Für Stablecoin-Halter, die einfach Guthaben halten und dafür Zinsen erwarten, ändert sich somit alles.

    Der Entwurf geht jedoch noch weiter. SEC, Treasury und CFTC sollen Durchsetzungsbefugnisse erhalten, um das Verbot von Renditen auf ruhende Guthaben zu überwachen. Verstösse sollen mit Geldstrafen von 500'000 USD pro Vergehen und pro Tag geahndet werden. Die Krypto-Industrie steht damit vor einer neuen regulatorischen Realität.

    Teilnehmer beider Seiten beschrieben das Treffen öffentlich als "produktiv" und "konstruktiv". Hinter verschlossenen Türen sieht die Lage anders aus. Die Krypto-Industrie hat ihre zentrale Forderung - Renditen auf idle Balances - faktisch verloren.

    "Es fühlte sich für mich zutiefst unfair an, dass eine Industrie hereinkommen und regulatorische Vereinnahmung betreiben kann, um ihre Konkurrenz zu verbieten." - Brian Armstrong, CEO, Coinbase

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    Wettbewerbsschutz statt Einlagensicherheit

    Die Bankenlobby begründet ihre Forderungen offiziell mit dem Risiko einer "Deposit Flight". Laut einer Branchenanalyse könnten 6.6 Billionen USD an Einlagen zu Stablecoins abfliessen. Allein bei Kommunalbanken prognostizieren Schätzungen Abflüsse von 1.3 Billionen USD. Die lokale Kreditvergabe könnte daher um 850 Milliarden USD sinken.

    Teilnehmer des dritten Meetings zeichnen allerdings ein anderes Bild. Ein Vertreter der Krypto-Seite erklärte gegenüber der unabhängigen Journalistin Eleanor Terrett, die Bedenken der Banken stünden stärker mit Wettbewerbsdruck in Zusammenhang als mit tatsächlicher Einlagenflucht. Der Renditeunterschied macht diese Motivation offensichtlich. Traditionelle Sparkonten bei grossen US-Banken bieten derzeit 0.1 bis 0.5 Prozent Zinsen. Stablecoin-Plattformen zahlen hingegen 3 bis 5 Prozent. Für Kunden, die mehrere Tausend Dollar halten, macht ein Faktor zehn bei der Verzinsung klassische Sparkonten schlicht unattraktiv. Statt ihr Angebot zu verbessern, wählen die Banken entsprechend den politischen Weg und lassen die Konkurrenz verbieten.

    Deadline Ende Februar, Ausgang offen

    Nach dem dritten Meeting sollen die Banken-Handelsverbände ihre Mitglieder über die Ergebnisse informieren und ausloten, ob ein Kompromiss bei aktivitätsgebundenen Belohnungen möglich ist. Die Deadline Ende Februar gilt laut Teilnehmern als realistisch. Senator Bernie Moreno erwartet eine Verabschiedung des CLARITY Act "hoffentlich bis April". Ripple-CEO Brad Garlinghouse sieht eine 80-prozentige Chance auf Verabschiedung bis Ende April 2026.

    Die Ausgangslage hat sich jedoch grundlegend verschoben. Die Krypto-Industrie verhandelt nicht mehr über die Frage, ob passive Renditen erlaubt werden. Sie verhandelt nur noch über den Umfang der Restbelohnungen, die ihr die Bankenlobby zugesteht. Für eine Branche, die angetreten ist, das Finanzsystem zu demokratisieren, ist das ein bitteres Ergebnis. Die Banken haben erreicht, was sie wollten - nicht durch bessere Produkte, sondern durch politischen Einfluss.

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    Die Redaktion des Crypto Valley Journal berichtet seit 2018 aus Zug, dem Sitz des Schweizer Crypto Valley, über Bitcoin, Krypto, Blockchain und die regulatorische Entwicklung digitaler Vermögenswerte. Hinter der kollektiven Redaktionsstimme steht ein Team aus Autoren mit Hintergrund in Finanzmarkt, Recht und Technologie.

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