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    PayPal beantragt Banklizenz in Utah: Stablecoin-Emittent will Kreditgeschäft ausbauen

    PayPal beantragt Banklizenz: FinTech-Gigant will Kreditgeschäft ausbauen

    von Redaktion cvj.ch am 16. Dezember 2025 Legal/Compliance

    PayPal Holdings hat bei der Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) und dem Utah Department of Financial Institutions die Gründung einer Utah-gecharterten Industriebank beantragt.

    Der Zahlungsdienstleister, der mit PYUSD bereits einen Stablecoin mit einer Marktkapitalisierung von 3.87 Milliarden Dollar emittiert, will damit sein Kreditgeschäft für kleine und mittlere Unternehmen ausbauen und seine Abhängigkeit von Drittanbietern reduzieren. Die geplante PayPal Bank würde FDIC-versicherte Einlagen anbieten und könnte die regulatorische Integration digitaler Assets in klassische Bankdienstleistungen vorantreiben.

    Der Schritt erfolgt in einem veränderten regulatorischen Umfeld: Seit der Amtsübernahme von Präsident Donald Trump im Januar 2025 haben über 18 Fintech-Unternehmen Banklizenz-Anträge eingereicht – deutlich mehr als während der Biden-Administration. Auch Krypto-Unternehmen wie Circle Internet Group, Ripple Labs, BitGo, Paxos und Fidelity Digital Assets haben vom Office of the Comptroller of the Currency (OCC) kürzlich bedingte Vorabgenehmigungen für bundesstaatlich gecharterte National Trust Banks erhalten.

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    Industrial Bank Charter: Regulierte Alternative zum klassischen Bankgeschäft

    PayPal hat sich für eine sogenannte Industrial Loan Company (ILC) in Utah entschieden – eine Bankenform, die denselben regulatorischen Anforderungen wie kommerzielle Banken unterliegt, jedoch nicht dem Bank Holding Company Act folgen muss. Diese Struktur ermöglicht es Nicht-Banken-Unternehmen, Bankdienstleistungen anzubieten, ohne ihr gesamtes Geschäftsmodell einer Bankenholding-Regulierung zu unterwerfen.

    Mit Mara McNeill hat PayPal eine erfahrene Bankmanagerin als Präsidentin der geplanten PayPal Bank benannt. McNeill bringt über 25 Jahre Erfahrung im Finanzdienstleistungssektor mit und war zuvor Präsidentin und CEO der Toyota Financial Savings Bank. Ihre Ernennung signalisiert, dass PayPal den Bankbetrieb professionell aufzubauen plant. Die Wahl des Standorts Utah ist strategisch: Der Bundesstaat hat sich als bevorzugter Standort für Industrial Banks etabliert, da er eine klare regulatorische Struktur bei gleichzeitig moderaten Anforderungen bietet. Andere Fintech-Unternehmen wie Square (heute Block) haben diesen Weg bereits gewählt, um ihre Finanzdienstleistungen zu erweitern.

    30 Milliarden Dollar Kreditvolumen als Ausgangsbasis

    PayPal ist im Kreditgeschäft für kleine Unternehmen kein Neuling. Das Unternehmen meldete im März 2025, dass es seit 2013 über 30 Milliarden Dollar an Krediten und Betriebsmittelfinanzierungen vergeben hat – verteilt auf mehr als 1.4 Millionen Kredite an über 420'000 Geschäftskonten weltweit.

    Die beiden Hauptprodukte des Unternehmens sind PayPal Working Capital, das 2013 eingeführt wurde und als prozentualer Anteil am PayPal-Umsatz zurückgezahlt wird, sowie PayPal Business Loans, das 2017 startete und klassische Laufzeitkredite mit festen Rückzahlungen anbietet. PayPal Business Loans erreicht einen Net Promoter Score von 76, während PayPal Working Capital auf 85 kommt – beides herausragende Werte in der Finanzbranche. Über 90 Prozent der Kunden nehmen wiederholt Kredite auf.

    PayPal arbeitet derzeit mit Partnerbanken zusammen, um diese Kredite zu vergeben. Eine eigene Banklizenz würde es dem Unternehmen ermöglichen, diesen Prozess zu internalisieren, Kosten zu senken und schneller auf Marktbedürfnisse zu reagieren. Zudem könnten FDIC-versicherte Sparkonten mit Verzinsung angeboten werden – ein Produkt, das im aktuellen Zinsumfeld für Geschäftskunden attraktiv sein dürfte.

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    PYUSD: Stablecoin-Integration in reguliertes Banking

    Die Banklizenz könnte besonders für PayPals Stablecoin PYUSD von strategischer Bedeutung sein. Der im August 2023 in Partnerschaft mit Paxos Trust Company lancierte, dollargebundene Stablecoin hat im Jahr 2025 ein bemerkenswertes Wachstum verzeichnet: Die Marktkapitalisierung stieg von rund 500 bis 600 Millionen Dollar zu Jahresbeginn auf aktuell 3.87 Milliarden Dollar – ein Anstieg um 660 Prozent. Damit rangiert PYUSD auf Platz 26 im CoinMarketCap-Ranking und ist der sechstgrösste Stablecoin am Markt.

    Etwa 70 Prozent des PYUSD-Angebots, rund 2.7 Milliarden Dollar, liegen auf Ethereum. Die Multi-Chain-Expansion und Partnerschaften haben die Adoption in DeFi-Anwendungen vorangetrieben. Im Juli 2025 kündigte PayPal zudem seinen Service "Pay with Crypto" an, der Händlern ermöglicht, Zahlungen in über 100 Kryptowährungen zu akzeptieren – mit sofortiger Konvertierung in Stablecoins oder Fiat-Währung. Die Transaktionsgebühr beträgt während der Einführungsphase bis Juli 2026 nur 0.99 Prozent und steigt danach auf 1.5 Prozent – dennoch deutlich unter den üblichen Kosten internationaler Kreditkartenzahlungen von 1.75 bis 3 Prozent.

    Eine eigene Banklizenz könnte PYUSD-Transaktionen direkt in regulierte Settlement-Strukturen einbinden, was institutionelle Adoption beschleunigen könnte. Allerdings bleibt abzuwarten, wie die FDIC die Integration von Stablecoin-Operationen in eine traditionelle Bankstruktur bewertet.

    Regulatorischer Gegenwind trotz liberalerer Fintech-Politik

    Trotz des positiven regulatorischen Klimas unter der Trump-Administration sind Genehmigungsverfahren für Banklizenzen langwierig und komplex. Die FDIC wird PayPals Kapitalausstattung, Risikomanagement-Systeme und die Integration von Krypto-Aktivitäten prüfen. Frühere Versuche von Fintech-Unternehmen, Banklizenzen zu erhalten, haben teilweise Jahre gedauert oder wurden abgelehnt.

    Analysten von Bank of America und JPMorgan haben PayPals Aktie im vierten Quartal 2025 auf "Neutral" herabgestuft und auf langsameres Wachstum sowie Margendruck verwiesen. Die Investition in eine Banklizenz bindet Ressourcen und erfordert erhebliche Compliance-Investitionen – ein Risiko, das sich erst langfristig auszahlen dürfte.

    Dennoch folgt PayPal einem klaren Branchentrend: Die Konvergenz von Fintech, traditionellem Banking und Krypto-Infrastruktur beschleunigt sich. Mit einer Banklizenz könnte PayPal nicht nur Kosten senken, sondern auch neue Produkte entwickeln, die traditionelle Bankdienstleistungen mit digitalen Assets verbinden. Die nächsten Monate werden zeigen, ob die Regulierungsbehörden bereit sind, dieser Vision zuzustimmen.

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    Redaktion cvj.ch
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    Die Redaktion des Crypto Valley Journal berichtet seit 2018 aus Zug, dem Sitz des Schweizer Crypto Valley, über Bitcoin, Krypto, Blockchain und die regulatorische Entwicklung digitaler Vermögenswerte. Hinter der kollektiven Redaktionsstimme steht ein Team aus Autoren mit Hintergrund in Finanzmarkt, Recht und Technologie.

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