Der unaufhaltsame Marsch der digitalen Zentralbankwährungen (CBDCs)

Eine zunehmende Zahl von Zentralbanken rund um den Globus analysiert, testet und entwickelt CBDCs als Prototypen. Diese Initiativen werden von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, kurz BIZ (Bank der Zentralbanken) stark unterstützt.

In den letzten neun Monaten haben die Zentralbanken (Central Banks, CB) ihr Interesse an den CBDCs (Central Bank Digital Currencies) und ihren CBDC-Plänen und -Initiativen deutlicher zum Ausdruck gebracht. Die Zahl der Zentralbanken, die an CBDC-Projekten arbeiten, ist seither stetig gewachsen. Diese Dynamik wurde von der BIZ befürwortet und unterstützt. Die offizielle Umsetzung des ersten umfassenden CBDC-Projekts steht kurz bevor.

Die BIZ-Befürwortung

Der BIZ-Jahresbericht 2019, der am 30. Juni 2020 veröffentlicht wurde, setzt sich ausführlich mit den CBDCs auseinander. Die BIZ befürwortet Innovationen der Zentralbanken, die darauf abzielen, die Bereitstellung von Zahlungsdienstleistungen zu vereinfachen, ihre Preise zu senken und ihre Qualität zu verbessern. Die BIZ erkennt an, dass eine solche innovative Haltung den Wettbewerb innerhalb des Privatsektors fördern und die Sicherheits- und Risikomanagementstandards verbessern würde.

Die BIZ unterscheidet zwischen CBDCs für Gross- und Privatkunden. Im Vergleich zu den gegenwärtigen Systemen hat die auf der Distributed-Ledger-Technologie (DLT) basierende digitale Zentralbankwährung für den Grosshandel das Potenzial, die Effizienz des Finanzsektors beim Zugang zu Zentralbankgeld zu steigern. Grosshandels-CBDCs vereinfachen das Clearing und die Abrechnung nach dem Handel, erhöhen die Ausführungsgeschwindigkeit und können das Risikomanagement im Bereich von Betrug und Cyber-Angriffen verbessern.

CBDCs für den Einzelhandel sind anders, und je nach Auslegung kann ihre Einführung weitreichende Auswirkungen haben. CBDCs für Privatkunden wären vergleichsweise sicherer und zuverlässiger als das derzeitige Bargeld, könnten aber zu einem grösseren Fussabdruck der Zentralbank im Finanzsystem führen. Darüber hinaus könnten sie in Stresssituationen die Bankgeschäfte beschleunigen. CBDCs für den Einzelhandel könnten Zinsen abwerfen und die geldpolitische Transmission beeinflussen.

Die digitale Währunge für den Einzelhandel müssten in Bezug auf verschiedene Parameter, wie Benutzerfreundlichkeit und Widerstandsfähigkeit gegenüber Ausfällen und Cyber-Angriffen, mindestens dem aktuellen Bargeldbestand entsprechen. CBDCs für den Einzelhandel müssten die Privatsphäre des Benutzers schützen und gleichzeitig die Rückverfolgbarkeit verbessern und die Einhaltung der Anti-Geldwäsche-Bestimmungen erleichtern. Ihre Einführung könnte stufenweise erfolgen, und sie könnte – möglicherweise auf längere Sicht – neben dem aktuellen Bargeld bestehen.

Neuste Initiativen

Die Zahl der an CBDC-Projekten beteiligten Zentralbanken wächst stetig.

  • Die Bank von Kanada kündigte Pläne für einen Pilotversuch eines CBDCs für den Einzelhandel an. Sie gehen davon aus, dass die digitale Währung allen Bürgern zur Verfügung stehen soll und den Schutz der Privatsphäre gewährleisten und gleichzeitig die Einhaltung der Anti-Geldwäsche-Bestimmungen sicherstellen könnte.
  • Die Bank von Thailand kündigte Pläne zur Entwicklung eines CBDC-Prototypen und zur Erprobung realer Anwendungsfälle mit Grossunternehmen an. Ihr Ziel ist es, die Effizienz von Geldüberweisungen und die Zahlungsabwicklung zwischen Lieferanten zu erhöhen.
  • Die Bank von Korea folgte dem Start eines CBDC-Pilotprogramms im April 2020 mit der Ankündigung eines Rechtsberatungsgremiums, das sich auf die Identifizierung und Überwindung regulatorischer Hürden konzentriert. Diese Arbeit sollte den Weg für die CBDC-Roadmap ebnen.
  • Die Bank von Ghana bekräftigte ihr Engagement für das Pilotprojekt eines CBDC. Der Plan wurde erstmals Ende 2019 angekündigt.

Eine lange, aber solide Reifezeit

In den letzten neun Monaten sind die Zentralbanken offener gegenüber den CBDCs geworden. Im vierten Quartal von 2019 erinnern wir uns an die Ankündigung der Gründung eines BIZ-Innovationszentrums in der Schweiz und an die Erkenntnis der BIZ, dass die Digitalisierung der Zahlungsmittel unvermeidlich ist. Anfang dieses Jahres veröffentlichte die BIZ eine Umfrage, aus der hervorgeht, welche umfangreichen Arbeiten von den Zentralbanken an den CBDCs durchgeführt werden. Die BIZ brachte auch die Bank of Canada, die Bank of England, die Bank of Japan, die Europäische Zentralbank, die Sveriges Riksbank und die Schweizerische Nationalbank zu einer offiziellen Gruppe zusammen, um Erfahrungen mit den CBDCs auszutauschen.

In Europa verpflichtete sich die Europäische Zentralbank, die Emission eines CBDCs im Jahr 2020 zu verfolgen. In Asien bekräftigte die People’s Bank of China die Fortsetzung ihrer Arbeit im Rahmen der CBDCs im Jahr 2020. In Nord- und Südamerika bestätigte die US-Notenbank ihre Forschungs- und Experimentiertätigkeiten im Zusammenhang mit DLTs und deren potenziellen Einsatz in Verbindung mit CBDCs.

Im Januar 2020 gab Christian Noyer, ehemaliger Gouverneur der Banque de France, zu Protokoll, dass die CBDCs im Grosshandel bald Realität werden würden; die Zeit wird ihm höchstwahrscheinlich Recht geben. Eine wachsende Zahl von Zentralbanken ist an der Ausgabe von CBDCs interessiert, und Grosshandels-CBDCs erweisen sich im Vergleich zu Privatkunden-CBDCs als einfacher umzusetzen. Der Grund dafür ist, dass CBDCs für den Einzelhandel aufgrund ihrer potenziellen Fähigkeit zur Interaktion mit der Geldpolitik mehr Analyse und Sorgfalt bei der Gestaltung erfordern. CBDC-Initiativen werden von der BIZ stark unterstützt und grundsätzlich von der Notwendigkeit getragen, die Qualität und die Kosten der weltweiten Bereitstellung von Zahlungsdienstleistungen zu verbessern.

Konklusion

Die Einführung blockchainbasierter Technologie durch die Zentralbanken und die Ausgabe entsprechender CBDCs zur Verbesserung des derzeitigen Flusses zwischen Geschäftsbanken und Zentralbanken (Grosskunden-CBDCs) oder zur Digitalisierung von Fiat-Geld (Privatkunden-CBDCs) begann – in spürbarer Weise – vor neun Monaten. Seither ist sie weltweit stetig gewachsen, angetrieben durch die volle Unterstützung der BIZ und durch die Möglichkeit, die Qualität und die Kosten der internationalen Bereitstellung von Zahlungsdienstleistungen zu verbessern.

Der starke Trend zum Experimentieren und Erproben von CBDCs deutet klar darauf hin, dass der erste CBDC einen Grosshandelscharakter haben wird und dass die Umsetzung bald erfolgen wird. Die Umsetzung konkreter Anwendungen blockchainbasierter digitaler Währungen auf der Ebene des offiziellen Sektors wird dann wahrscheinlich die Glaubwürdigkeit und Popularität solcher Technologien und monetärer Innovationen erhöhen.

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Über den Autor

Yves Longchamp

Yves Longchamp ist Head Research bei SEBA Bank. Zuvor war er tätig bei Ethenea Independent Investor, Pictet & Cie, UBS und der Schweizerischen Nationalbank. Marktfinanzierung und Makroökonomie sind die Forschungsthemen, die seine Karriere auszeichnen, die ihn von der SNB zu Grossbanken und Vermögensverwaltern in die Welt der digitalen Assets führte

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