Was hat sich diese Woche rund um Blockchain und Kryptowährungen getan? Die relevantesten lokalen und internationalen Geschehnisse sowie ansprechende Hintergrundberichte pointiert und kompakt im Wochenrückblick.
Selektierte Artikel der Woche:
Der digitale Franken CHFD bekommt Partner, die den Zahlungsalltag prägen. Diese Woche sind die Börsenbetreiberin SIX und die Bezahl-App TWINT der CHF-Stablecoin-Sandbox beigetreten. Damit testen nun neun statt sieben Unternehmen in einer geschützten Live-Umgebung. Gestartet hatten das Projekt im April die UBS, PostFinance, Sygnum, Raiffeisen, Zürcher Kantonalbank, Banque Cantonale Vaudoise und Swiss Stablecoin AG. Bisher war es allerdings vor allem eine Übung unter Banken. Jetzt testen zwei Akteure mit, deren Systeme bei einer Einführung die Engstellen wären. Denn TWINT kommt laut Swiss Payment Monitor auf einen Schweizer Marktanteil von 67.8%, Apple Pay nur auf 12.5%. Geprüft werden etwa Auszahlungen der öffentlichen Hand oder ein fairer Zugang zu Eventtickets. Die Bedingungen stecken dabei direkt im Zahlungsmittel. Die Testphase läuft voraussichtlich bis Ende 2026 und bleibt ergebnisoffen. Über eine Markteinführung ist deshalb noch nichts entschieden. Zudem fehlt die passende Lizenz noch, sie kommt frühestens 2027.
Mit SIX und TWINT wächst die CHF-Stablecoin-Sandbox auf neun Partner, die den Franken-Stablecoin CHFD bis Ende 2026 testen.
Bitcoin Suisse verlagert Arbeit nach Bratislava und Vietnam
Während sich Schweizer Institute um den digitalen Franken scharen, blickt ein Pionier des Crypto Valley ins Ausland. Der Krypto-Finanzdienstleister Bitcoin Suisse hat seine Belegschaft in Zug über einen Stellenabbau informiert. Bis zu 60 Stellen könnten wegfallen. Aus Kostengründen wandern Aufgaben im Backoffice nach Bratislava oder an einen neuen Standort in Vietnam. Erste Kündigungen sollen noch dieses Jahr wirksam werden. Denn laut CEO Andrej Majcen steht nun das internationale Wachstum im Vordergrund, nicht mehr nur die Schweiz. Zudem will die Firma über Krypto hinaus im Wealth und Asset Management wachsen. Dafür erhielt sie in diesem Jahr Lizenzen auf Bermuda, in Liechtenstein und in Abu Dhabi. Die Lizenz aus Liechtenstein öffnet den ganzen EWR. In der Schweiz war der Weg dagegen steinig. Ein Gesuch für eine Banklizenz zog Bitcoin Suisse 2021 zurück, weil die FINMA es als „nicht genehmigungsfähig“ einstufte. Zug bleibt trotzdem der Hauptsitz.
Bis zu 60 Arbeitsplätze in Zug betrifft der Stellenabbau bei Bitcoin Suisse, Backoffice-Aufgaben wandern nach Bratislava und Vietnam.
Senatsrepublikanern fehlen für den Clarity Act mindestens sieben Stimmen
Der US-Senat ringt unlängst über klare Krypto-Regeln, bislang allerdings ohne Mehrheit. Die Republikaner haben diese Woche eine überarbeitete Fassung des Clarity Act vorgelegt, 630 Seiten stark. Das Gesetz soll die Aufsicht zwischen SEC und CFTC abgrenzen. Zudem legt es fest, wann ein Krypto-Asset ein Wertpapier ist und wann ein digitaler Rohstoff. Neu enthält die Vorlage über 114 Bestimmungen auf Wunsch der Demokraten. Trotzdem steht laut Politico kein Demokrat hinter der neuen Fassung. Das ist entscheidend, denn die Cloture-Abstimmung am 15. September braucht 60 von 100 Stimmen. Die Republikaner halten jedoch nur 53 Sitze. Streit gibt es etwa um Erträge auf Stablecoins und die Ethik-Klausel. Diese verbietet Amtsträgern zwar, eigene Token herauszugeben. Durchsetzen darf sie aber nur das Justizministerium, und sie läuft im Januar 2029 aus. Scheitert die Abstimmung, bleibt die Lücke zwischen SEC und CFTC vorerst offen.
Der überarbeitete Clarity Act umfasst vor der ersten Abstimmung im Senat 630 Seiten, doch die Unterstützung der Demokraten fehlt bisher.
Hunter Bidens Memecoin LAPTOP verliert in einer Stunde über 95%
Wie schnell ein Token aus dem politischen Umfeld abstürzen kann, zeigte diese Woche Hunter Biden. Sein Memecoin LAPTOP startete auf Base, dem Layer-2-Netzwerk von Coinbase. Innert einer Stunde verlor er mehr als 95% seines Werts. Das Analyseunternehmen Bubblemaps zählte 12’151 Käufer mit Verlust, rund 80% von 15’206. Die Gewinne blieben hingegen in wenigen Händen. Denn 88 Adressen strichen zusammen rund 5.57 Mio. USD ein, weniger als 0.6% der Käufer. Über alle Wallets bleibt nur ein Plus von rund 178’000 USD, also Umverteilung statt Wertschöpfung. Auffällig ist zudem, dass rund 60% der grössten Halter frische Adressen nutzten. Diese erhielten erst kurz vor dem Launch Geld. Ein Beweis für Insidergeschäfte ist das allerdings nicht. Hunter Biden hatte den TRUMP-Coin vor dem Start noch einen „Grift“ genannt. Seine „Spasswährung“ schlug dennoch einen ähnlichen Weg ein.
Von 15’206 Wallets, die Hunter Bidens Memecoin LAPTOP kauften, verloren 12’151 Geld, während 88 Adressen 5.57 Mio. USD einstrichen.
Bitcoin-L2 Sidechain verliert 320 Mio. USD
Ausserdem: Die Bitcoin-Sidechain Liquid des Infrastrukturanbieters Blockstream hat rund 4’000 BTC im Wert von 320 Mio. USD verloren. Von einer Reserve von etwa 4’200 BTC blieben nur rund 197 übrig. Die Angreifer stahlen dabei keinen Schlüssel. Stattdessen nutzten sie einen Fehler im Elements-Node, um ungedeckte L-BTC zu erzeugen. Beim Auszahlen prüfte die Federation nämlich nur die Adresse, nicht die Deckung. Brisant ist, dass ein Patch seit Anfang August als Commit vorlag. Im aktuellen Release fehlte er jedoch. Die Angreifer nennen sich selbst „whitehats“ – also freundliche Hacker. Sie boten an, den grössten Teil zurückzugeben, sobald jeder Node aktualisiert ist. Charles Guillemet, CTO des Wallet-Herstellers Ledger, widerspricht allerdings. Seriöse Forscher melden laut ihm eine Lücke, bevor sie Reserven dieser Grösse bewegen.
Aus der Federation-Wallet des Liquid Network flossen rund 320 Mio. USD in Bitcoin ab. Blockstream pausierte das Netzwerk nach dem Hack.







