Das US-Justizministerium (DOJ) hat ein formelles Entschädigungsverfahren für Opfer des OneCoin-Betrugs gestartet. Anspruchsberechtigt sind Personen, die zwischen 2014 und 2019 in die fraudulente Kryptowährung investierten und einen Nettoverlust erlitten.
Die Gelder stammen aus kriminellen Verfallserlösen, die das DOJ im Rahmen der Strafverfolgung gegen OneCoin Ltd. eintrieb. OneCoin gilt als einer der grössten Krypto-Betrugsfälle der Geschichte - das Schema vernichtete weltweit über 4 Milliarden USD an Anlegergeldern. Betroffene können bis zum 30. Juni 2026 Petitionsformulare einreichen, um einen Anteil an den beschlagnahmten Vermögenswerten zu beantragen.
Wie das OneCoin-Entschädigungsverfahren funktioniert
Das DOJ nutzt den sogenannten Remission-Prozess. Beschlagnahmte Vermögenswerte, die im Strafverfahren für verfallen erklärt wurden, fliessen an nachgewiesene Opfer zurück. Zuständig ist das US District Court im Southern District of New York, als Verfahrensadministratorin fungiert Kroll Settlement Administration LLC.
Für Antragsteller fallen keine Gebühren an. Konkret müssen Betroffene nachweisen, dass sie OneCoin-Token erworben und einen Nettoverlust erlitten haben. Bereits erhaltene Auszahlungen oder zurückgewonnene Sicherheiten rechnet das DOJ gegen den geltend gemachten Schaden auf. Petitionsformulare sind online unter onecoinremission.com verfügbar. Alternativ können Opfer telefonisch unter 1-833-421-9748 oder per Post Formulare anfordern.
Eine Garantie auf Entschädigung gibt es nicht. Die Auszahlungshöhe hängt von den verfügbaren Verfallsgeldern und der Anzahl eingereichter Ansprüche ab. Der Gesamtschaden übersteigt 4 Milliarden USD, die beschlagnahmten Mittel machen nur einen Bruchteil davon aus. Opfer erhalten also voraussichtlich nur einen kleinen Teil ihrer Verluste zurück. Dieselbe Asymmetrie zieht sich durch zahlreiche Krypto-Betrugsfälle, in denen Täter Gelder erfolgreich verschleiern konnten.
Der grösste Krypto-Betrug vor FTX
Ruja Ignatova und Karl Sebastian Greenwood gründeten OneCoin Ltd. 2014 in Sofia, Bulgarien. Gemeinsam bauten sie ein globales Multi-Level-Marketing-Netzwerk auf, das die angebliche Kryptowährung vertrieb. Hinter OneCoin steckte allerdings keine funktionierende Blockchain. Die ausgegebenen Token waren wertlos. Das gesamte Geschäftsmodell basierte auf einem klassischen Ponzi-Schema, bei dem neue Anlegergelder ältere Investoren bedienten.
Das Netzwerk operierte grenzüberschreitend und rekrutierte Vertriebspartner in Dutzenden von Staaten. Opfer erhielten angebliche Bildungspakete, die den Zugang zu OneCoin-Token enthielten - eine Fassade aus Finanzbildung und Krypto-Innovation. Das MLM-Modell garantierte, dass frühe Teilnehmer auf Kosten späterer Investoren profitierten. Zwischen 2014 und 2019 sammelte OneCoin so Milliarden ein. Anders als bei FTX existierte nie ein funktionierendes Produkt. Nicht einmal eine Blockchain lief im Hintergrund.
Strafverfolgung und die flüchtige "Cryptoqueen"
Die juristische Aufarbeitung zieht sich über Jahre. Mitbegründer Greenwood bekannte sich schuldig und wurde im September 2023 vom Gericht im Southern District of New York zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Das Gericht ordnete eine Verfallsanordnung über 300 Millionen USD an - jene Summe, die Greenwood persönlich aus dem Betrug vereinnahmt hatte.
Haupttäterin Ignatova, international bekannt als "Cryptoqueen", ist seit 2017 flüchtig. In jenem Jahr verliess sie Bulgarien in Richtung Griechenland und tauchte unter. Seitdem fehlt jede Spur. Das FBI setzte sie im Juni 2022 auf seine Liste der zehn meistgesuchten Flüchtigen. Die zentrale Figur hinter dem Milliardenbetrug bleibt bis heute unbestraft.
Auffällig ist der Kontrast zu anderen grossen Krypto-Betrugsfällen. Im FTX-Insolvenzverfahren erhielten Gläubiger ihre Einlagen vollständig zurück. OneCoin-Geschädigte stehen vor einer grundlegend anderen Situation: Die verfügbaren Entschädigungsmittel decken nur einen winzigen Teil des Schadens. Zwischen dem Beginn des Betrugs 2014 und der Eröffnung des Entschädigungsverfahrens 2026 vergingen zwölf Jahre.
Krypto-Betrug wächst weiter
Laut FBI-Daten stiegen Krypto-bezogene Beschwerden in den USA zuletzt auf über 181'000 Fälle pro Jahr, die Gesamtverluste beliefen sich auf 11.4 Milliarden USD. Das entspricht einem Anstieg von 22% gegenüber dem Vorjahr. Was dabei untergeht: Die Strafverfolgung hinkt dem Wachstum der Krypto-Kriminalität strukturell hinterher. OneCoin zeigt exemplarisch, wie langsam Justiz und Entschädigung in grenzüberschreitenden Betrugsfällen vorankommen. Die Opfer investierten vor über einem Jahrzehnt. Erst jetzt können sie formell Ansprüche geltend machen - und selbst dann bleibt unklar, welchen Anteil ihrer Verluste sie tatsächlich zurückerhalten.
Für das DOJ ist das Verfahren dennoch ein Signal. Die Behörde demonstriert, dass sie auch bei komplexen internationalen Krypto-Betrugsfällen beschlagnahmte Gelder an Geschädigte zurückführen kann. Betroffene haben bis zum 30. Juni 2026 Zeit, ihre Ansprüche einzureichen.








