Strategy-CEO Phong Le hat in einem Bloomberg-TV-Interview bekräftigt, das Unternehmen bleibe ein langfristiger Bitcoin-Käufer. Ernsthafte Schuldenrisiken sieht der Konzern erst, falls Bitcoin auf 8'000 bis 10'000 USD fällt, also rund 85% unter das aktuelle Kursniveau.
Strategy ist das grösste börsennotierte Unternehmen mit Bitcoin in der Bilanz und hält rund 4% der maximalen Menge von 21 Mio. Coins. Seine Käufe finanziert der Konzern über die Ausgabe von Aktien und Anleihen. Le bezeichnet das Unternehmen mittlerweile als „digitale Kapitalplattform" statt als reines Bitcoin-Treasury-Unternehmen. Zuletzt hatte der Bitcoin-Halter seit der Woche zum 22. Juni 2026 nichts mehr akkumuliert und kürzlich Coins für über 215 Mio. USD verkauft. Insgesamt deutet dieses Zahlenbild auf aktive Bilanzsteuerung hin, nicht auf ein Alarmsignal.
Strategy entschuldet die Bilanz und baut Cash-Reserve auf
Strategy hat vor dem Interview aktiv Schulden abgebaut. Im Mai 2026 kaufte das Unternehmen zunächst Wandelanleihen im Nennwert von 1.5 Mrd. USD zurück, mit einem Abschlag von 8% zum Nennwert. Die Barzahlung dafür betrug rund 1.38 Mrd. USD. Folglich sanken die ausstehenden Wandelanleihen von 8.2 auf 6.7 Mrd. USD. Der Rückkauf unter Nennwert senkt zugleich die künftige Rückzahlungslast.
Gleichzeitig meldete der Konzern eine BTC-Yield von 13.3% seit Jahresbeginn. Diese Kennzahl misst, wie stark der Bitcoin-Bestand je Aktie über das Jahr wächst. Ein positiver Wert bedeutet, dass jede Aktie rechnerisch mehr Bitcoin repräsentiert als zuvor.
Anfang Juli 2026 nahm der Bitcoin-Halter ausserdem rund 467 Mio. USD über den Verkauf von Stammaktien ein. Damit stieg die Barreserve auf rund 3 Mrd. USD. Diese Summe deckt nach Unternehmensangaben die Dividenden auf die Vorzugsaktien für etwa zwei Jahre. Le begründete den Aufbau damit, dass Inhaber der Vorzugsaktien kurzfristig eine höhere liquide Kassenposition gefordert hätten. Für diese Gläubiger zählt vor allem, dass Strategy seine Zahlungsverpflichtungen bedienen kann. Der Schritt zielt somit auf Bilanzstabilität statt auf Wachstum um jeden Preis.
STRC-Vorzugsaktie notiert weiter unter Nennwert
Ein Grund für die vorsichtigere Haltung liegt bei den Vorzugsaktien. Solche Papiere dienen Strategy ebenfalls als Finanzierungsinstrument neben Stammaktien und Anleihen. Die perpetuelle Vorzugsaktie STRC, vermarktet als „Stretch", notiert allerdings seit Mitte Mai 2026 unter ihrem Nennwert von 100 USD. Zuletzt lag der Kurs bei 89 USD. Erst über dem Nennwert kann der Konzern die Papiere zu attraktiven Konditionen platzieren. Le kündigte deshalb an, weitere STRC-Aktien erst dann auszugeben, wenn der Kurs den Nennwert wieder erreicht. Der Erlös soll später in Bitcoin-Käufe und in den Ausbau der US-Dollar-Reserve fliessen.
Ähnlich vorsichtig fällt zudem das Verhältnis von Börsenwert zu Bitcoin-Bestand aus. Strategys mNAV misst die Marktkapitalisierung im Verhältnis zum Wert der Bitcoin-Bestände. Diese Kennzahl fiel im Juni 2026 unter 1.0. Inzwischen hat sie sich auf rund 1.02 erholt. Über 1.0 kann das Unternehmen Aktien mit einem Aufschlag auf den Bitcoin-Wert ausgeben. Fällt der mNAV darunter, wird die Ausgabe neuer Aktien unattraktiv, weil sie den Wert pro Aktie verwässert.
Vor diesem Hintergrund verkaufte der Konzern kürzlich Bitcoin im Wert von über 215 Mio. USD. Damit reduzierte Strategy seinen Bestand, statt ihn auszubauen. Der Verkauf gehörte ferner zu einer beschleunigten Verkaufsserie im Rahmen der Kapitalstrategie. Nach Darstellung von Le diente er jedoch nicht der Verlustbegrenzung. Er sollte vielmehr die Liquidität der Bitcoin-Bestände demonstrieren.
Wo Le die Schuldenschwelle des Unternehmens zieht
Beim aktuellen Kursniveau liege die Risikoschwelle weit entfernt. Bitcoin notierte zum Zeitpunkt des Interviews bei 65'000 USD. Der Abstand zur genannten Risikomarke von 8'000 bis 10'000 USD beträgt daher rund 85%. Diese Distanz soll den Gläubigern letztlich Sicherheit signalisieren.
„Wenn Bitcoin auf rund 8'000 oder 10'000 US-Dollar fällt, dann müssen wir die mit unseren Schulden verbundenen Risiken berücksichtigen. Bis zu diesem Punkt fühlen wir uns bei unserer Bilanz sehr sicher." - Phong Le, President und CEO, Strategy
Die Grösse der Bestände erklärt jedoch, warum diese Marke so tief liegt. Strategy hielt Ende Mai 2026 insgesamt rund 844'000 Bitcoin, konkret 843'738 Coins. Die Anschaffungskosten beliefen sich auf rund 63.69 Mrd. USD inklusive Gebühren, was einem durchschnittlichen Einstandspreis von rund 75'500 USD pro Bitcoin entspricht. Dieser Wert liegt über dem Kursniveau zum Interviewzeitpunkt. Selbst ein Kursrückgang von mehr als der Hälfte läge jedoch deutlich über der Schuldenschwelle.
Trotzdem bezieht Le die Schwelle nicht auf den Einstandspreis, sondern auf die Schuldenlast. Le verwies weiterhin auf den Bärenmarkt 2022, als das Unternehmen eine vergleichbare Phase durchlaufen hatte. Damals hielt der Konzern an seiner Akkumulationsstrategie fest und baute den Bestand später weiter aus.
Strategy hält am Kurs als grösster Bitcoin-Käufer fest
Ursprünglich startete der Konzern als reines Bitcoin-Treasury-Unternehmen. Als digitale Kapitalplattform will er nun fortlaufend Kapital aufnehmen und in Bitcoin umschichten. Le bekräftigte im Interview die Absicht, führend bei der Bitcoin-Akkumulation zu bleiben. Er sagte: „Wir gehen nirgendwohin. Mein Ziel wäre es, auf absehbare Zeit der grösste Bitcoin-Käufer zu sein."
Gleichzeitig sei das primäre Ziel der Aktionäre, Bitcoin gemessen am Wert je Aktie langfristig zu übertreffen. Solange die Aktie über dem Nettoinventarwert gehandelt werde, könne das Unternehmen weiteres Eigenkapital ausgeben. Daher plant der Konzern, laufend zusätzliches Kapital für künftige Käufe aufzunehmen.
Die finanzielle Grundlage dafür bleibt beträchtlich. Neben den Bitcoin-Beständen hatte Strategy zuletzt rund 15.5 Mrd. USD an Vorzugsaktien ausstehen. Diese binden das Unternehmen zugleich an laufende Dividendenverpflichtungen. Le erwartet, den Bestand über die kommenden Jahre weiter auszubauen. Ob sich die Strategie auszahlt, hängt letztlich am Bitcoin-Preis. Solange dieser deutlich über der genannten Schwelle notiert, sieht der Konzern seine Bilanz weiterhin als gesichert.








