Robinhood Markets hat im ersten Quartal 2026 sowohl Umsatz- als auch Gewinnerwartungen verfehlt. Der Krypto-Transaktionsumsatz brach um 47 Prozent auf 134 Millionen USD ein, verglichen mit 252 Millionen USD im Vorjahresquartal. Damit verzeichnet der Broker den dritten Rückgang des Krypto-Geschäfts in Folge.
Der Gesamtnettoumsatz lag bei 1.07 Milliarden USD und blieb deutlich unter der Analystenschätzung von 1.14 Milliarden USD. Das adjustierte Ergebnis je Aktie erreichte 0.38 USD, ebenfalls unter dem Konsens von 0.39 bis 0.42 USD. Die HOOD-Aktie reagierte am 29. April 2026 mit einem Tagesverlust von rund 11 Prozent. Das Handelsvolumen erreichte 79.2 Millionen Aktien, mehr als das Doppelte des Tagesdurchschnitts.
Krypto-Volumen halbiert, Bitcoin-Preis belastet das Geschäft
Das Krypto-Notionalvolumen auf der Robinhood-App fiel um 48 Prozent auf 24 Milliarden USD. Inklusive der 2025 übernommenen Bitstamp-Plattform lag das gesamte Krypto-Notionalvolumen bei 65.7 Milliarden USD. Das entspricht einem Plus von 43 Prozent gegenüber dem Vorjahr, aber einem Minus von 20 Prozent gegenüber dem vierten Quartal 2025. Bitstamp allein steuerte 42 Milliarden USD bei. Die Konsolidierung kaschiert den Rückgang im organischen Retail-Geschäft.
Hauptursache ist der breitere Krypto-Abschwung. Bitcoin verlor im ersten Quartal 2026 laut NYDIG 22.6 Prozent. Es war das schwächste Jahresauftaktquartal seit 16 Jahren. Vom Allzeithoch um 126'200 USD am 6. Oktober 2025 fiel der Kurs auf rund 75'600 USD per Ende April 2026. Ethereum verzeichnete im selben Zeitraum einen Rückgang von etwa 29 Prozent.
Auffällig ist, dass die Schwäche nicht isoliert auf Robinhood bleibt. Coinbase verlor am 29. April ebenfalls 8 Prozent auf 179.16 USD, Webull gab 5 Prozent auf 6.77 USD nach. Analysten von KBW warnen, dass sich die Krypto-Volumina branchenweit auch im April weiter abgeschwächt haben. Apptopia-Daten zeichnen ein ähnliches Bild. Das Interesse an Krypto-Apps fiel auf den niedrigsten Stand seit dem Amtsantritt von Donald Trump im Januar 2025.
Diversifikation greift, doch Erwartungen bleiben unerfüllt
Der transaktionsbasierte Umsatz insgesamt stieg um 7 Prozent auf 623 Millionen USD und verfehlte damit die Schätzung von 728.2 Millionen USD. Der Optionsumsatz wuchs um 8 Prozent auf 260 Millionen USD, das Aktien-Geschäft legte um 46 Prozent auf 82 Millionen USD zu. Besonders dynamisch entwickelten sich Vorhersagemärkte. Sonstige Transaktionsumsätze, primär aus Event-Kontrakten, sprangen um 320 Prozent auf 147 Millionen USD. Das Handelsvolumen in Prediction Markets erreichte mit 8.8 Milliarden USD einen Rekordwert.
Auch das Zinsgeschäft trug zur Stabilisierung bei. Die Netto-Zinserträge stiegen um 24 Prozent auf 359 Millionen USD. Gold-Abonnenten kletterten um 36 Prozent auf 4.3 Millionen, ein neuer Höchststand mit einer Attach-Rate von 40 Prozent bei Neukunden. Die Plattform-Assets wuchsen um 39 Prozent auf 307 Milliarden USD, die Netto-Einzahlungen erreichten 17.7 Milliarden USD. Diese Erfolge reichten nicht, um die Schwäche im Krypto-Segment zu kompensieren.
CFO Shiv Verma versuchte beim Earnings Call, die Erwartungen zu stützen. Die Aktien- und Optionsvolumen im April lägen auf Kurs für den höchsten Monatsstand des Jahres 2026. Gleichzeitig hob das Unternehmen die Ausgabenprognose für 2026 auf 2.7 bis 2.825 Milliarden USD an. Grund ist unter anderem eine Zusatzinvestition von 100 Millionen USD in die Trump-Accounts-App. Die Betriebsausgaben stiegen im Quartal bereits um 18 Prozent. Analysten von Raymond James verwiesen nach den Zahlen auf Anzeichen von Einzelanleger-Erschöpfung und rückläufige Umsatzerfassung bei Optionen und Krypto.
Wettbewerb verschärft sich: Schwab, Coinbase und Kraken setzen Robinhood unter Druck
Die strukturelle Herausforderung für Robinhood liegt jenseits des aktuellen Marktzyklus. Charles Schwab lancierte am 16. April 2026 direktes Bitcoin- und Ethereum-Trading zu einer Gebühr von 0.75 Prozent. Schwab verwaltet 12.22 Billionen USD an Kundenvermögen und betreibt 39 Millionen aktive Brokerage-Konten. Damit tritt ein Schwergewicht in einen Markt ein, den Robinhood bislang als provisionsschwacher Disruptor dominierte. Robinhood verlangt zwischen 0.03 und 0.95 Prozent, Coinbase hingegen bis zu 4 Prozent.
Während etablierte Broker Krypto-Funktionen übernehmen, drängen Coinbase und Kraken in das provisionsfreie Aktienhandeln und greifen damit Robinhoods Kerngeschäft an. Bernstein erwartet ein starkes Wachstum bei Prognosemärkten. Das Volumen soll bis 2030 auf 1 Billion USD steigen, mit Robinhood und Coinbase als Hauptprofiteuren. Robinhood erreicht in diesem Segment bereits einen annualisierten Umsatz-Run-Rate von 350 Millionen USD.
Strategisch positioniert sich das Unternehmen als Anbieter staatlich initiierter Sparvehikel. Das US-Finanzministerium benannte Robinhood als Broker und alleinigen Initial-Treuhänder für die Trump Accounts. Das Board genehmigte im März 2026 ein neues Aktienrückkaufprogramm über 1.5 Milliarden USD. Im Quartal kaufte Robinhood bereits 250 Millionen USD an eigenen Aktien zurück. Coinbase legt am 8. Mai 2026 die eigenen Q1-Zahlen vor. Erst dann lässt sich beurteilen, ob die Krypto-Schwäche ein branchenweites Phänomen oder ein Robinhood-spezifisches Problem darstellt.








