Der Broker Robinhood verfehlt im dritten Quartal 2026 die Gewinnschätzung und weist 0.51 USD Gewinn pro Aktie aus, erwartet waren 0.55 USD. Gleichzeitig brach der Umsatz aus dem Krypto-Handel um 55% auf 120 Mio. USD ein.
Hinter der Marke steht Robinhood Markets, ein US-Online-Broker, über dessen App Privatanleger Aktien, Optionen und Kryptowährungen handeln. Das Geld verdient das Unternehmen mit Transaktionen, Zinsen auf Kundenguthaben und Abonnements wie Robinhood Gold. Ausserdem gehört die Krypto-Börse Bitstamp zum Konzern. Der Broker zählt 28.7 Mio. Kunden mit Guthaben auf ihren Konten. Seit der US-Wahl 2024 bietet Robinhood zusätzlich Prognosemärkte an, auf denen Kunden auf den Ausgang von Ereignissen setzen. Trotz des Krypto-Einbruchs stiegen die Nettoeinnahmen im dritten Quartal um 12% auf den Rekordwert von 1.42 Mrd. USD. Die Aktie fiel nach der Vorlage der Zahlen allerdings nachbörslich um 7%.
Krypto-Handel bricht bei Robinhood um 55% ein
Der Krypto-Transaktionsumsatz von 120 Mio. USD lag weit unter dem Vorjahresquartal, das rechnerisch rund 267 Mio. USD einbrachte. Auch das gehandelte Volumen schrumpfte, wenngleich weniger stark. Das Notional-Volumen misst den Gesamtwert aller gehandelten Kryptowährungen. Es fiel um 38% auf 50 Mrd. USD. Davon entfielen 21 Mrd. USD auf die Robinhood-App, ein Minus von 48%. Auf Bitstamp sank das Volumen hingegen nur um 28% auf 29 Mrd. USD. Auffällig ist das Gefälle zwischen den beiden Kanälen. In der App der Privatanleger brach das Volumen somit stärker ein als auf der Börse. Der Umsatz fiel zudem stärker als das Volumen, pro gehandeltem Dollar verdiente Robinhood weniger.
Das Marktumfeld liefert einen Teil der Erklärung. Volatilität und Kapitalabflüsse setzten Kryptowährungen im Quartal unter Druck, zumal Inflationsdruck und höhere Zinsen Anleihen für Anleger attraktiver machten. Und weniger Handel bedeutet für einen Broker unmittelbar weniger Transaktionsumsatz. Innerhalb des Konzerns verliert die Krypto-Sparte deshalb an Gewicht. Sie steuerte nur noch rund 14% der transaktionsbasierten Einnahmen von 867 Mio. USD bei.
Event-Contracts überholen den Krypto-Umsatz
Die transaktionsbasierten Einnahmen stiegen dennoch um rund 19% auf 867 Mio. USD. Den grössten Beitrag lieferten Optionen mit 399 Mio. USD, ein Plus von 31%. Aktien brachten 121 Mio. USD ein. Den stärksten Sprung machten jedoch die Event-Contracts, also Kontrakte auf den Ausgang von Ereignissen in Robinhoods Prognosemärkten. Wie der Quartalsbericht bei der SEC zeigt, stieg ihr Umsatz auf mehr als das Sechsfache und erreichte 173 Mio. USD. Folglich brachten die Prognosemärkte mehr Umsatz als der Krypto-Handel mit 120 Mio. USD.
Ebenso stieg die Zahl der gehandelten Event-Contracts auf mehr als das Siebenfache und erreichte mit 16.4 Mrd. einen Rekord. Neu bietet der Prognosemarkt-Hub ferner Kontrakte auf die Quartalsergebnisse von Unternehmen an. Hinzu kommt Rothera, eine Prognosemarkt-Börse, die Robinhood als Gemeinschaftsunternehmen mit Susquehanna betreibt und nicht allein kontrolliert. Die Börse erzielte im ersten vollen Quartal einen annualisierten Umsatz von über 100 Mio. USD. Seit dem Start wechselten dort über 6.4 Mrd. Kontrakte den Besitzer.
Der Umsatz hält allerdings nicht ganz mit dem Handel Schritt. Die Zahl der Kontrakte stieg auf mehr als das Siebenfache, der Umsatz vergleichsweise nur auf mehr als das Sechsfache. Rechnerisch deutet das somit auf einen leicht tieferen Ertrag pro Kontrakt hin. Finanzchef Shiv Verma ordnete die Grösse des Geschäfts in einem Medienanruf dennoch positiv ein.
„Prognosemärkte sind schon fast ein Geschäft mit 500 Mio. USD pro Jahr und wachsen unglaublich gut, und das bei weniger als zwei Jahren Alter, weil sie zum Start der Wahl 2024 kamen.“ - Shiv Verma, CFO, Robinhood
Höhere Kosten und Rückstellungen drücken den Gewinn
Der verwässerte Gewinn pro Aktie fiel gegenüber dem Vorjahr um 16% auf 0.51 USD. Analysten hatten zuvor gemäss LSEG mit 0.55 USD gerechnet. Die Lücke stammt jedoch nicht allein aus dem operativen Geschäft. Unrealisierte Verluste, hauptsächlich auf dem Robinhood Ventures Fund I, belasteten das Ergebnis mit 0.07 USD pro Aktie. Diese Belastung übersteigt folglich die Differenz von 0.04 USD zur Schätzung. Der Nettogewinn sank um 14% auf 476 Mio. USD, die Nettomarge betrug 33%.
Auf der Kostenseite stieg der Betriebsaufwand um 16% auf 739 Mio. USD. Zu den Treibern zählen zunächst die Rückstellungen für Kreditausfälle, die um 173% auf 71 Mio. USD stiegen. Ausserdem trieben neue Geschäfte wie Trump Accounts und Rothera sowie höhere Marketingausgaben die Kosten. Auf der Ertragsseite sanken die Zinserträge netto um 9% auf 415 Mio. USD. Ursache waren einerseits weniger Wertpapierleihe, andererseits tiefere kurzfristige Zinsen. Die übrigen Einnahmen wuchsen hingegen um 61% auf 142 Mio. USD, getragen von Servicegebühren für Trump Accounts und Gold-Abos.
Die bereinigten Kennzahlen zeichnen dagegen ein freundlicheres Bild. Vergleichsweise stabil blieb der bereinigte Gewinn pro Aktie mit 0.60 USD, 3% weniger als im Vorjahr. Das bereinigte EBITDA stieg um 9% auf 808 Mio. USD, die Marge lag bei 57%. Reuters misst die Verfehlung am GAAP-Wert, andere Berichte melden beim bereinigten Gewinn ein Übertreffen der Schätzungen. Ob die Schätzungen vergleichbar sind, ist letztlich offen. Schliesslich senkte Robinhood das obere Ende seines Kostenausblicks für 2026 um 25 Mio. USD. Die Spanne für den bereinigten Betriebsaufwand inklusive aktienbasierter Vergütung liegt daher bei 2.675 bis 2.75 Mrd. USD.
Trump Accounts und Robinhood Chain sollen neues Wachstum liefern
Während der Krypto-Handel schwächelt, fliesst weiterhin Kapital auf die Plattform. Das Plattform-Vermögen wuchs um 19% auf 396 Mrd. USD. Im Quartal flossen netto 15.7 Mrd. USD zu, im Oktober bisher über 13 Mrd. USD. Von den Oktober-Zuflüssen stammen 6 Mrd. USD aus dem Beitrag der Familie Dell zu den Trump Accounts, Anlagekonten für Kinder. Das US-Finanzministerium startete für diese Konten die automatische Registrierung, sie umfasst knapp 70 Mio. Kinder. Ferner erhalten 25 Mio. Kinder jeweils 250 USD aus dem Versprechen von Susan und Michael Dell über 6.25 Mrd. USD. Die Zahl der Gold-Abonnenten stieg ebenfalls, um 34% auf 5.2 Mio.
Im Krypto-Geschäft setzt Robinhood auf die eigene Blockchain. Die Robinhood Chain hat ihr erstes Quartal im Mainnet hinter sich, also im regulären Betrieb. Nach eigenen Angaben zählt sie nach Umsatz und Volumen zu den fünf grössten Chains. Das Unternehmen nennt über 80 Mrd. USD Volumen auf dezentralen Börsen und über 50 Mio. USD Gebühren. Ausserhalb der USA startete Robinhood zudem den Krypto-Handel in Grossbritannien. In Dubai liegt bereits eine Zulassung der Finanzaufsicht DFSA vor, wenngleich die Einführung erst 2027 beginnen soll. Die Aktienrückkäufe setzte Robinhood ebenfalls fort, mit 25 Mio. USD im Quartal und 1.3 Mrd. USD seit dem dritten Quartal 2024.








