Die FINMA-regulierte Sygnum Bank und der amerikanische institutionelle Krypto-Broker FalconX gaben eine Partnerschaft bekannt. Sie verschafft institutionellen und vermögenden Privatkunden Zugang zu tokenisierten, überbesicherten Kreditfonds (Private Credit).
Konkret erhalten Sygnum-Kunden somit über die bankeigene Tokenisierungsplattform Desygnate Zugang zum FalconX Credit Vault. Dieses Kreditvehikel läuft auf Ethereum und verwaltet derzeit 128.94 Mio. USD. Sygnum tritt dabei als rechtlicher Kreditgeber ("Lender of Record") auf und vertritt ihre Kundschaft gegenüber dem FalconX Credit Vault. Somit verbindet die Konstruktion eine FINMA-regulierte Bankschnittstelle mit einer On-Chain-Kreditstruktur, die bisher vor allem DeFi-nahen Investoren offenstand. Für US-Personen und -Institutionen ist das Produkt allerdings nicht verfügbar, weitere Einschränkungen ergeben sich je nach Jurisdiktion.
Wie das Kreditvehikel strukturiert ist
Der FalconX Credit Vault ist als unbefristeter Festzinskredit konzipiert, dessen Zinsen sich allerdings monatlich anpassen. Eine Eigenkapital-Tranche dient zudem als Schutzpuffer für vorrangige Investoren. Die Sicherheiten bestehen aus Vermögenswerten des FalconX-Kredit-Ökosystems. Ergänzend kommen tokenisierte Geldmarktfonds wie BlackRock BUIDL und der Superstate Short-Term Treasury Fund (USTB) als Handelssicherheit zum Einsatz.
Operativ stützt sich die Konstruktion auf mehrere Infrastrukturpartner. So liefert Pareto die On-Chain-Plattform für festverzinsliche Anlagen, während M11 Credit, der Kreditinvestitionsarm von Maven 11, die Aufgaben des Verwaltungs- und Sicherheitenagenten übernimmt. Keyring sorgt zudem für Compliance-Prüfungen und Zugangskontrollen, damit nur berechtigte Wallets auf den Vault zugreifen können. Eine Zweckgesellschaft (SPV) trennt die Vermögenswerte rechtlich und schützt Investoren somit im Insolvenzfall.
Technisch läuft der Vault auf Ethereum und kombiniert dabei eine Echtzeit-Überwachung der Sicherheiten mit automatisierter Margenverwaltung. Ein börsenübergreifendes Liquidationssystem soll zudem bei Marktverwerfungen die Besicherung schützen. Auf Sygnum-Seite erfolgt der Zugang über Desygnate, die durchgängige Tokenisierungsplattform der Bank. Diese ist seit 2020 in Betrieb und fungiert zugleich als OTF-Betreiberin gemäss Art. 42a FinMIA.
Was die Kooperation für institutionellen Kredit bedeutet
Sygnum positioniert sich mit der Partnerschaft als regulierter Zugangspunkt für institutionellen On-Chain-Kredit. Über 2'000 vermögende Privatpersonen und institutionelle Kunden weltweit zählen bereits zur Klientel der Bank. Daneben bietet sie Sygnum Protect (über 1 Mrd. USD AuM per März 2026) und das im Februar 2026 eingeführte Sygnum Select (rund USD Mio. 200 AuM bei der Einführung) an. Die FalconX-Kooperation erweitert dieses Spektrum somit um ein renditeorientiertes Produkt jenseits klassischer Verwahrungs- und Treasury-Lösungen.
Auch für FalconX folgt die Konstruktion einer klaren Vertriebslogik. So vergab der Prime Broker 2024 institutionelle Kredite über 2.5 Mrd. USD. Mit dem Credit Vault hält er aktuell 0.49% Marktanteil am tokenisierten Kreditmarkt von 26.53 Mrd. USD. Über Sygnum erschliesst sich FalconX dadurch einen regulierten Vertriebskanal in Europa, ohne selbst eine Banklizenz aufbauen zu müssen.
Für traditionelle Institutionen senkt das Modell zudem die Regulierungshürden. Statt direkt mit DeFi-Protokollen zu interagieren, erhalten sie ein bankseitig vermitteltes Produkt mit etablierter Aufsichtskette. Genau dieses Hindernis hielt bisher viele Family Offices und Vermögensverwalter vom Einstieg in tokenisierte Kredite ab.
Krypto-Kreditstrukturen gewinnen an Fahrt
Die Kooperation reiht sich in eine Folge institutioneller Schritte beider Häuser ein. So schloss Sygnum bereits zuvor mit dem kanadischen Anbieter Ledn eine syndizierte Anleihe für BTC-besicherte tokenisierte Privatkredite ab und sammelte damit Erfahrung mit krypto-besicherten Strukturen. Den FalconX Credit Vault wiederum hatten FalconX und Pareto im März 2025 gemeinsam eingeführt. Laut Pareto-Daten entwickelte sich der Vault anschliessend zur grössten RWA-Sicherheitenposition auf dem DeFi-Kreditprotokoll Morpho. Auch der Risiko-Spezialist Gauntlet betreibt zudem eine gehebelte FalconX-RWA-Strategie über Pareto.
FalconX verfolgt zudem einen aggressiven Wachstumskurs. Das 2018 gegründete Unternehmen erreichte 2022 in einer Series-D-Finanzierung eine Bewertung von 8 Mrd. USD. Im Jahr 2025 übernahm es ausserdem drei Firmen: den Derivatehändler Arbelos Markets, eine Mehrheitsbeteiligung an Monarq Asset Management sowie den Schweizer ETP-Anbieter 21Shares. Im März 2026 berichteten Medien zudem über IPO-Gespräche mit mehreren Investmentbanken, darunter Cantor als mögliche Konsortialführerin. Ein formelles Mandat steht allerdings aus.








