Strategy kaufte in der letzten Augustwoche 4'603 Bitcoin für 369.7 Mio. USD und beendete damit eine rund zweimonatige Verkaufsphase. Der Bestand des Unternehmens steigt auf 845'050 BTC.
Strategy, vormals MicroStrategy, ist ursprünglich ein Anbieter von Business-Intelligence-Software. Heute betreibt der Konzern gleichzeitig das grösste Bitcoin-Treasury aller börsenkotierten Unternehmen. Statt klassischer Cash-Reserven dient die Kryptowährung als primäre Bilanzreserve. Seit 2020 akkumuliert die Firma unter Executive Chairman Michael Saylor nahezu ununterbrochen und finanziert die Käufe über laufende Aktienprogramme. Zwischen Mai und August 2026 verkaufte sie jedoch erstmals in der Firmengeschichte Bitcoin. Die Kostenbasis des Bestands liegt insgesamt bei 63.73 Mrd. USD, umgerechnet 75'412 USD pro Bitcoin. Damit kontrolliert ein einzelnes Unternehmen mehr als 4% des maximalen Bitcoin-Angebots von 21 Mio. Einheiten.
Strategy finanziert Rückkehr zum Bitcoin-Kauf über Aktienverkäufe
Das 8-K-Filing bei der US-Börsenaufsicht SEC weist für die Kaufwoche einen Durchschnittspreis von 80'318 USD pro Bitcoin aus. Mit einem solchen Filing meldet ein Unternehmen wesentliche Ereignisse ausserhalb des Quartalsrhythmus. Der Bestand stieg dadurch von 840'447 auf 845'050 BTC. Zuvor hatte der Konzern seit Juni keine Zukäufe mehr gemeldet. Die Transaktion fällt somit in eine Phase erholter Notierungen. Bezahlt hat das Unternehmen mehr als seine historische Kostenbasis von 75'412 USD. Diese erhöht sich durch den Kauf leicht.
Strategy finanzierte den Zukauf vollständig über sein At-the-Market-Programm. Über dieses Instrument platziert der Konzern laufend eigene Aktien direkt im Markt, ohne den formellen Prozess einer klassischen Kapitalerhöhung. Ein fester Emissionstermin und ein Bankenkonsortium entfallen, was dem Emittenten schnellen Zugriff auf frisches Eigenkapital verschafft. In der Berichtswoche verkaufte das Unternehmen 4'531'421 MSTR-Aktien und erzielte daraus einen Nettoerlös von 602.8 Mio. USD. Andere Finanzierungsquellen nutzte es für diesen Kauf hingegen nicht.
Auf den Bitcoin-Zukauf entfielen davon 369.7 Mio. USD und damit rund 61% des Erlöses. Weitere 151.8 Mio. USD flossen in Rückkäufe der Vorzugsaktie STRC. Für STRC-Dividenden wandte der Konzern ferner 50.7 Mio. USD auf. Die restlichen 30 Mio. USD gingen schliesslich in die frei verfügbare USD-Cash-Position. Der Kauf ist folglich nur ein Teil einer breiteren Kapitalallokation. Ein wachsender Anteil des frischen Eigenkapitals dient nicht zuletzt der Bedienung der Vorzugsaktionäre.
STRC-Kurs unter Nennwert zwingt Strategy zu Bitcoin-Verkäufen
STRC ist eine Vorzugsaktie von Strategy mit einem Nennwert von 100 USD. Solche Papiere zahlen eine feste Ausschüttung und stehen im Rang über den Stammaktien. Das Instrument diente dem Unternehmen zunächst als eigenständiger Finanzierungsweg für Bitcoin-Käufe. Im Juni 2026 fiel der Kurs allerdings unter den Nennwert. Notiert ein solches Papier unter dem Nennwert, verteuert sich jede weitere Emission für den Emittenten. Damit brach eine tragende Kapitalquelle weg. Die Ausschüttungen an die STRC-Inhaber liefen unabhängig davon weiter.
Der Verwaltungsrat reagierte Ende Juni 2026 mit dem Digital Credit Capital Framework. Das Regelwerk erlaubt selektive Bitcoin-Verkäufe zur Deckung von Dividenden und Rückkäufen von Vorzugsaktien. Erstmals in der Firmengeschichte diente der eigene Bestand damit als Kapitalquelle. Zwischen Mai und August 2026 trennte sich der Konzern daher von 6'948 BTC. Der Erlös lag bei rund 432.5 Mio. USD, im Schnitt vergleichsweise günstige 62'250 USD pro Bitcoin.
Der jetzige Rückkauf fiel rund 29% teurer aus als der vorangegangene Verkauf. Netto hält Strategy trotzdem 2'345 BTC weniger als vor Beginn der Verkaufsphase. Gemessen am Gesamtbestand entspricht diese Lücke allerdings weniger als 0.3%. Rund 63 Mio. USD der Preisdifferenz verblieben dennoch als Cash in der Bilanz. Der kurze Kurswechsel kostete das Unternehmen somit Bestand, nicht Liquidität. Auslöser war der Kursrutsch der Vorzugsaktie, nicht eine Neubewertung des Bitcoin-Bestands.
Trotz Bitcoin-Verkäufen bleibt Strategys Netto-Leverage bei null
Die zweckgebundene USD-Reserve für Vorzugsdividenden und Zinszahlungen stand Ende August bei 5.10 Mrd. USD. Ausserdem verfügte der Konzern über eine frei verfügbare Cash-Position von 1.61 Mrd. USD. Zusammen ergibt das 6.71 Mrd. USD. Den Netto-Leverage beziffert das Unternehmen weiterhin auf 0.0%. Die Kennzahl setzt die Verschuldung ins Verhältnis zu den vorhandenen liquiden Mitteln. Eine Nettoverschuldung, die bei fallenden Kursen Verkäufe erzwingen könnte, weist die Bilanz daher nicht aus.
Ein erheblicher Teil dieser Mittel fliesst gleichzeitig in die Stabilisierung der Vorzugsaktien. Im Berichtszeitraum kaufte Strategy deshalb 1'557'177 STRC-Aktien für 151.8 Mio. USD zurück. Von der Autorisierung über 1 Mrd. USD verbleiben folglich noch 364.8 Mio. USD. Rund 635 Mio. USD hat der Konzern bereits abgerufen. Das Rückkaufvolumen der Berichtswoche erreicht damit ebenfalls die Grössenordnung des Bitcoin-Kaufs.
Eine zweite, davon unabhängige Autorisierung über 1 Mrd. USD betrifft ferner Rückkäufe eigener MSTR-Stammaktien. Diese Ermächtigung hat der Verwaltungsrat bislang jedoch nicht angetastet. Ein solcher Rückkauf würde die Zahl ausstehender MSTR-Titel verringern, statt sie über das ATM-Programm zu erhöhen. Das Unternehmen hält das Instrument also in Reserve.
Strategy hält mehr als vier Prozent aller verfügbaren Bitcoin
Mit 845'050 BTC kontrolliert Strategy mehr als 4% aller jemals verfügbaren Bitcoin. Der Abstand zur Konkurrenz ist erheblich. Twenty One, ein von Tether unterstütztes Treasury-Vehikel, kommt auf 43'514 BTC. Metaplanet folgt mit rund 43'000 BTC, der Miner MARA hält 35'577 BTC. Bei der Bitcoin Standard Treasury Company um Adam Back und Cantor Fitzgerald sind es 30'021 BTC. Zusammen erreichen diese vier Halter dennoch nicht einmal ein Fünftel des Strategy-Bestands. Gegenüber dem zweitgrössten Halter beträgt der Vorsprung rund das Neunzehnfache.
Der Zeitpunkt der Kaufrückkehr erklärt sich vor allem aus der Kursentwicklung. Bitcoin erholte sich in den vorangegangenen Wochen von einem Tief um 63'000 USD auf zeitweise über 81'000 USD. Auf Monatssicht steht die grösste Kryptowährung insgesamt rund 24% im Plus. Auf Wochensicht bewegte sich der Kurs hingegen kaum. Zuletzt notierte Bitcoin bei rund 78'000 USD, was einer Marktkapitalisierung von etwa 1.57 Bio. USD entspricht.
Gemessen an der Kostenbasis von 75'412 USD ergibt sich rechnerisch ein nicht realisierter Buchgewinn von gut 2 Mrd. USD. Das Unternehmen selbst weist diese Zahl nicht aus. Ob die Vorzugsaktie wieder über ihren Nennwert steigt, entscheidet letztlich über die künftige Finanzierung ohne Bitcoin-Verkäufe.








