Die Deutsche Börse Group erwirbt eine Beteiligung von 1.5% an Payward Inc., der Muttergesellschaft der Krypto-Börse Kraken. Der Kaufpreis beträgt 200 Millionen USD, was für Kraken eine Bewertung von rund 13.3 Milliarden USD impliziert.
Bei der Transaktion handelt es sich um einen Sekundärmarktkauf bestehender Aktien. Frisches Kapital fliesst Kraken also nicht zu. Der Abschluss steht noch unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen. Beide Seiten rechnen mit einem Closing im zweiten Quartal 2026.
Strategische Partnerschaft seit Dezember 2025
Die Investition vertieft eine Zusammenarbeit, die bereits im Dezember 2025 begann. Damals kündigten Deutsche Börse und Kraken eine strategische Partnerschaft an. Im Zuge dessen integrierte Deutsche Börse Kraken in ihre 360T FX-Handelsplattform - einen der grössten elektronischen Devisenmarktplätze weltweit.
Geplant sind vier Implementierungsphasen. Nach der 360T-Integration sollen White-Label-Lösungen unter dem Namen "Kraken Embed" folgen. Europäische und amerikanische Finanzinstitute erhalten darüber Zugang zu Krypto-Handel. Parallel arbeiten beide Seiten an börsengehandelten Futures und Optionen auf Krypto-Assets über die Eurex. Die regulatorische Genehmigung dafür steht allerdings noch aus.
Das vierte Kooperationsfeld ist Tokenisierung. Deutsche Börses Clearstream-Einheit lancierte bereits im November 2025 eine Plattform für den Handel mit tokenisierten Wertpapieren. Gemeinsam wollen die Partner regulierte Krypto-Angebote, institutionelle Liquidität, Verwahrung, Settlement und Collateral Management abdecken.
Bewertung deutlich unter Vorjahresrunde
Auffällig ist der Bewertungsrückgang. Im November 2025 sammelte Kraken noch 800 Millionen USD bei einer Bewertung von 20 Milliarden USD ein. Die aktuelle Transaktion impliziert hingegen nur noch 13.3 Milliarden USD - ein Minus von rund 33%.
Die Zahlen sprechen für sich. Bitcoin verlor seit seinem Hoch im Oktober 2025 rund 40% seines Wertes. Sinkende Handelsvolumina und niedrigere Bewertungen treffen die gesamte Krypto-Branche. Kraken hatte im November 2025 vertraulich einen S-1-Entwurf bei der SEC eingereicht, die IPO-Pläne angesichts der schwierigen Marktlage jedoch vorerst pausiert.
Für Deutsche Börse bleibt die Investition dennoch ein kalkuliertes Engagement. Vorstandsmitglied Thomas Book erklärte, man wolle eine integrierte Wertschöpfungskette für sämtliche Formen von Vermögenswerten schaffen - ob tokenisiert oder vollständig digital. Konkret: 200 Millionen USD sind für einen Konzern mit Assets under Custody im Billionenbereich überschaubar. Gleichzeitig sichert sich der Börsenbetreiber einen direkten Krypto-Footprint, ohne eigene Infrastruktur von Grund auf aufbauen zu müssen.
Deutsche Börse, Kraken und die TradFi-Krypto-Konvergenz
Die Transaktion steht nicht isoliert. Traditionelle Finanzinfrastruktur-Betreiber suchen den direkten Zugang zu Krypto-Märkten - nicht mehr nur zur Verwahrung oder zum Handel einzelner Assets, sondern zur Verschmelzung ganzer Wertschöpfungsketten.
Deutsche Börse verfolgt entsprechend eine Hybrid-Strategie. Traditionelle und tokenisierte Vermögenswerte sollen in einem einheitlichen Liquiditätspool zusammenfliessen. Der Konzern betreibt die Frankfurter Wertpapierbörse, die Eurex-Derivatebörse und das Clearstream-Settlement. Kraken bringt die Krypto-Infrastruktur, die Liquidität und den Zugang zu digitalen Assets.
Was dabei leicht untergeht: Kraken hat sich in den vergangenen Monaten auch regulatorisch bemerkenswert positioniert. Im März 2026 erhielt die Wyoming-Banking-Tochter Kraken Financial ein Master Account der Federal Reserve Bank of Kansas City. Damit war sie das erste Krypto-Unternehmen mit direktem Zugang zu Fedwire - ohne Intermediärbanken. Für institutionelle USD-Transaktionen ist das ein strategischer Vorteil. Genau diese regulatorische Verankerung macht Kraken als Partner für Deutsche Börse so interessant. Der Deal steht unter dem Vorbehalt üblicher Closing-Bedingungen, der Abschluss wird für Q2 2026 erwartet.








