Was hat sich diese Woche rund um Blockchain und Kryptowährungen getan? Die relevantesten lokalen und internationalen Geschehnisse sowie ansprechende Hintergrundberichte pointiert und kompakt im Wochenrückblick.
Selektierte Artikel der Woche:
Deutschlands wichtigste Bankengruppen bringen den Krypto-Handel in die breite Masse. Betroffen sind bis zu 80 Mio. Kundenbeziehungen, davon 50 Mio. bei den rund 340 Sparkassen und 30 Mio. bei den etwa 700 Genossenschaftsbanken. Der Hintergrund ist die europäische Regulierung MiCA. Die DZ Bank erhielt Ende 2025 die BaFin-Zulassung und startete Anfang 2026 die Plattform „meinKrypto“ in der VR-Banking-App. Kunden handeln dort Bitcoin, Ethereum, Litecoin und Cardano, verwahrt über Boerse Stuttgart Digital. Die DekaBank bereitet ein vergleichbares Angebot für die Sparkassen vor, zunächst beschränkt auf Bitcoin und Ethereum. Auffällig ist die Kehrtwende. 2023 lehnte der Sparkassenverband Krypto-Assets noch als hochspekulativ ab. Getrieben wird der Sinneswandel vom Wettbewerb um jüngere Kunden. 38% der Deutschen vertrauen bei Krypto ihrer Hausbank, nur 19% spezialisierten Plattformen. Wer kein Angebot habe, riskiere technikaffine Kunden zu verlieren, warnt Westerwald-Bank-Chef Ralf Kölbach.
Sparkassen und Genossenschaftsbanken bringen den Krypto-Handel für Privatkunden direkt in die Banking-App – unter BaFin-MiCAR-Zulassung.
Bundeskabinett beschliesst Ende der Krypto-Steuerfreiheit
In Deutschland bleibt die Politik beim Thema aktiv. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) will die geltende Steuerfreiheit für private Krypto-Gewinne abschaffen. Bisher regelt Paragraf 23 EStG, dass Gewinne nach über einem Jahr Haltefrist komplett steuerfrei bleiben. Künftig sollen Krypto-Assets als Kapitalerträge gelten, besteuert mit 26.375% unabhängig von der Haltedauer. Das Kabinett beschloss die Pläne diese Woche. Die Begründung liefert der SPD-Finanzpolitiker Jens Behrens. Man wolle Kryptowährungen steuerlich gleich behandeln wie Aktien oder Anleihen statt Rohstoffen. Die Einnahmeschätzungen schwanken jedoch stark, von 100 Mio. EUR bis 3 Mrd. EUR. Die Chancen bleiben zum Glück unsicher. Die Union ist bislang dagegen, der Koalitionsvertrag adressiert die Reform nicht. Besonders offen ist der Umgang mit bestehenden steuerfreien Beständen, denn Bestandsschutzregeln fehlen. Frühestens 2027 könnte das Gesetz greifen. Zum Vergleich: In der Schweiz bleiben private Kapitalgewinne aus Krypto-Investitionen unbefristet steuerfrei, dafür fällt die jährliche Vermögenssteuer an.Das Bundeskabinett will die Bitcoin-Haltefrist in Deutschland streichen und private Krypto-Gewinne künftig mit 26.375% besteuern.
Saylors Strategy verkauft für Dividenden Bitcoin-Bestände
Das US-Unternehmen Strategy, früher MicroStrategy, verkaufte diese Woche 3’588 Bitcoin für rund 216 Mio. USD. Es ist der grösste Verkauf seit der Abkehr von der „Never Sell“-Politik. Executive Chairman Michael Saylor begründet den Schritt mit den fälligen Quartals- und Monatsdividenden auf die Vorzugsaktien. Denn hier liegt die Belastung. Die jährliche Dividendenverpflichtung beläuft sich auf rund 1.76 Mrd. USD. Die STRC-Dividende wurde zudem auf 12% erhöht. Pikant ist der Preis. Verkauft wurde zu durchschnittlich rund 60’000 USD, während der Einstand bei rund 75’476 USD lag. Für das zweite Quartal 2026 steht ein unrealisierter Verlust von 8.32 Mrd. USD in den Büchern. Trotzdem bleibt der Bestand mit 843’775 BTC gewaltig – rund 4% des gesamten Angebots.
Strategy hat 3’588 Bitcoin für 216 Mio. USD verkauft, um seine Vorzugsdividenden für STRC & Co. zu finanzieren – der grösste Verkauf bisher.
JPMorgan warnt vor permissioned Netzwerken statt vor Saylor
Ausgerechnet Strategys Grossgläubiger relativiert die Sorge um diese Verkäufe. Die US-Grossbank JPMorgan sieht in Saylors Bitcoin-Abgaben nicht das primäre strukturelle Risiko für den Markt. Das Research-Team um Managing Director Nikolaos Panigirtzoglou verortet die eigentliche Gefahr anderswo. Institutionelle Anwender bauen ihre Blockchain-Infrastruktur zunehmend auf kontrollierten, permissioned Netzwerken auf. Öffentliche, permissionless Chains wie Ethereum werden dabei umgangen. Konkret nennt JPMorgan die Tokenisierung realer Vermögenswerte, einen Markt mit rund 50 Mrd. USD Volumen. Dieser wandert auf geschlossene Systeme ab. Als Belege dienen Initiativen wie das BIS-Projekt Agorá mit acht Zentralbanken, die Tokenisierung der US-Abwicklungsstelle DTCC sowie die FINMA-regulierte SIX Digital Exchange.
JPMorgan stuft Strategys Verkäufe nicht als grösstes Bitcoin-Risiko ein und benennt Tokenisierung abseits öffentlicher Chains als Gefahr.
Swift vernetzt 17 Grossbanken auf einer gemeinsamen Blockchain
Ausserdem: Der beschriebene Trend zu kontrollierten Netzwerken bekommt prominente Bestätigung. Der Zahlungsdienstleister Swift startete diese Woche einen „Shared Ledger“ – ein blockchainbasiertes System. 17 Grossbanken auf sechs Kontinenten pilotieren damit grenzüberschreitende Zahlungen mit tokenisierten Einlagen, rund um die Uhr. Bestätigt sind unter anderem Citi, HSBC, UBS, BNP Paribas und Standard Chartered. Technisch basiert das System auf Hyperledger Besu, entwickelt mit dem Software-Unternehmen Consensys. Wichtig ist die Abgrenzung zu Stablecoins. Tokenisierte Einlagen bleiben eine digitale Repräsentation regulierter Bankguthaben, samt Einlagensicherung und KYC-Prüfung. UBS-Manager Andreas Kubli bezeichnet Interoperabilität als entscheidenden Hebel, um solche Einlagen über einzelne Institute hinaus skalierbar zu machen. Swift verbindet über 11’500 Institute in mehr als 200 Ländern. Konkurrenz droht dennoch. Ein US-Konsortium um JPMorgan und Bank of America baut über The Clearing House ein rivalisierendes Netzwerk, geplant für 2027.
17 Banken auf sechs Kontinenten pilotieren grenzüberschreitende Zahlungen mit tokenisierten Einlagen auf Swifts Blockchain Ledger.








