Scheich Tahnoon bin Zayed Al Nahyan, nationaler Sicherheitsberater der Vereinigten Arabischen Emirate und Präsident der Abu Dhabi Investment Authority, kaufte über die Entität Aryam Investment 1 einen 49-Prozent-Anteil an World Liberty Financial.
Eric Trump unterzeichnete den Vertrag am 16. Januar 2025 – vier Tage vor der Amtseinführung seines Vaters als US-Präsident. Von der ersten Zahlung über 250 Millionen Dollar flossen 187 Millionen an Entitäten der Trump-Familie. Mindestens 31 Millionen gingen entsprechend an Firmen der Familie von Steve Witkoff, Co-Gründer von World Liberty Financial und gleichzeitig US-Sondergesandter für den Nahen Osten. Eine zweite Tranche von 250 Millionen Dollar war bis zum 15. Juli 2025 fällig. Zwei Executives von G42, dem AI-Unternehmen des Scheichs, erhielten im Rahmen des Deals Sitze im Board von World Liberty Financial.
AI-Chips und politische Verflechtungen
Scheich Tahnoon ist nicht nur Investor, sondern eine zentrale Figur in Abu Dhabis Machtapparat. Als Chairman von G42 leitet er eines der ambitioniertesten AI-Unternehmen der Golfregion. Denn nur vier Monate nach der Krypto-Investition genehmigte die US-Regierung die Lieferung von 500'000 fortschrittlichen Nvidia-Chips pro Jahr an die UAE. Ein Fünftel davon, 100'000 Chips jährlich, geht an Tahnoons eigenes Unternehmen G42. Der Deal läuft mindestens bis 2027, mit möglicher Verlängerung bis 2030.
Die Personalien verschärfen die Optik. Witkoff, der als Nahost-Gesandter mit denselben Regierungen verhandelt, die in World Liberty Financial investieren, sollte laut eigener Firma seine Beteiligungen abstossen. Im August 2025 zeigte seine Ethics Disclosure allerdings weiterhin Krypto-Holdings. Er verkaufte zwar eine 120-Millionen-Dollar-Beteiligung an einer Immobilienfirma, behielt aber die Krypto-Assets. Sein Sohn Alexander warb zeitgleich bei Nahostregierungen um Milliarden-Investitionen.
Milliarden-Profite und gesperrte Token
Die Gewinnstruktur von World Liberty Financial begünstigt die Trump-Familie in ungewöhnlichem Ausmass. Sie kontrolliert rund 60 Prozent der Beteiligung und erhält bis zu 75 Prozent der Einnahmen aus Token-Verkäufen nach Abzug der Ausgaben. Etwa 70 Prozent der Familienbeteiligung gehören einem Trust, dessen einziger Begünstigter Präsident Trump ist. Laut einem Bericht des House Judiciary Committee beläuft sich das Krypto-Vermögen der Trump-Familie auf bis zu 11.6 Milliarden Dollar. Allein im ersten Halbjahr 2025 flossen über 800 Millionen Dollar aus dem Verkauf von Krypto-Assets.
Für andere Investoren sieht die Bilanz hingegen anders aus. Der WLFI-Token fiel um rund 60 Prozent von seinem Allzeithoch bei 0.33 Dollar. 80 Prozent der Token bleiben gesperrt. Investoren können folglich nicht verkaufen. Am ersten Handelstag brach der Kurs um 40 Prozent ein. Die Mitgründer Chase Herro und Zak Folkman verkauften dennoch 65 Millionen Dollar an Token. Herro, der sich selbst als "Dirtbag of the Internet" bezeichnete, verkaufte zuvor "get-rich-quick"-Kurse für 149 Dollar pro Monat.
Reputationsschaden für die gesamte Krypto-Industrie
Die Verflechtung von politischer Macht und persönlichem Krypto-Profit belastet nicht nur World Liberty Financial. Branchenexperten warnen vor einem Reputationsschaden für die gesamte Industrie. Legitime Blockchain-Projekte könnten zum Kollateralschaden werden, so die Befürchtung. Denn "Pump and Dump"-Vorwürfe gegen Projekte im Umfeld des Präsidenten erschweren die institutionelle Akzeptanz von Krypto-Assets insgesamt.
Das Muster ist systematisch. Crypto.com stand unter SEC-Ermittlung, spendete 1 Million Dollar zur Amtseinführung und 10 Millionen an einen MAGA-Super-PAC. Die Ermittlung wurde eingestellt. Danach folgte eine Partnerschaft mit Trump Media im Wert von rund 1 Milliarde Dollar. Ermittlungen gegen weitere Unternehmen nahmen einen ähnlichen Verlauf.
Für ausländische Akteure eröffnet sich damit ein Kanal, der klassische Wahlkampffinanzierung umgeht. Personen in anderen Ländern, die nach US-Recht keine politischen Spenden tätigen dürfen, können über Krypto-Ventures Geld an den Präsidenten leiten.
Demokratische Opposition
Die demokratische Opposition gegen den Clarity Act steht in direktem Zusammenhang mit Trumps Krypto-Geschäften. Demokraten schlugen Amendments vor, die Amtsträgern einschliesslich des Präsidenten die Beteiligung an der Krypto-Industrie untersagt hätten. Sämtliche Amendments wurden von der republikanischen Mehrheit abgelehnt. Die progressive Watchdog-Organisation Public Citizen taufte das Gesetz daraufhin "Gryfto Bill", ein Wortspiel aus "grift" und "crypto".
Senator Booker sprach offen von "grifting" des Präsidenten und "gross corruption". Senatorin Elizabeth Warren nannte die UAE-Investition "corruption, plain and simple". Ranking Member Jamie Raskin formulierte noch schärfer: Donald Trump habe das Oval Office in das korrupteste Krypto-Startup der Welt verwandelt. Banking Committee Chair Tim Scott stellte indes klar, dass Ethics-Provisionen nicht in den Clarity Act gehörten. Somit entsteht eine Situation, in der Krypto-Regulierung ohne Conflict-of-Interest-Regeln für den Präsidenten selbst verabschiedet werden könnte.
Bankcharter und nächste Schritte
World Liberty Financial beantragte am 7. Januar 2026 eine National Trust Bank Charter beim OCC, der US-Bankenaufsicht. Konkret geht es um die Ausgabe und Verwahrung des USD1-Stablecoins. OCC Comptroller Jonathan Gould dient auf Wunsch des Präsidenten. Senator Warren forderte eine Verzögerung der Prüfung bis Trump seine Beteiligungen abstösst. Das OCC lehnte ab.
Der Clarity Act hat das Senate Banking Committee noch nicht passiert. Kein neues Markup ist angesetzt. Damit bleibt das zentrale Krypto-Gesetz blockiert, während die Trump-Familie über World Liberty Financial weiter profitiert. Der Fairshake Super PAC der Krypto-Lobby verfügt über 193 Millionen Dollar für die Midterms 2026.








