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    Tschechische Nationalbank CNB wirbt für Bitcoin als Reserveanlage

    von Redaktion cvj.ch am 2. Mai 2026 News

    Aleš Michl, Gouverneur der Tschechischen Nationalbank (CNB), hielt  als erster amtierender Zentralbankchef eine Keynote auf der Bitcoin Conference in Las Vegas. Vor rund 40'000 Teilnehmern argumentierte er für eine Beimischung von 1% Bitcoin zu den Devisenreserven seiner Notenbank.

    Der Auftritt fällt vor allem deshalb ins Gewicht, weil der CNB-Bankrat im Februar 2026 formell gegen die Aufnahme von Bitcoin in die offiziellen Devisenreserven entschieden hatte. Michl wirbt also weiter für eine Position, die in seinem eigenen Gremium keine Mehrheit fand. Damit positioniert er sich auch gegen die Linie der Europäischen Zentralbank.

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    Ein Prozent Bitcoin als Diversifikationsargument

    Michls Argumentation stützt sich auf Portfoliotheorie, nicht auf ideologische Bitcoin-Begeisterung. Eine Allokation von einem Prozent erhöhe die erwartete Rendite, ohne das Gesamtrisiko in tschechischen Kronen wesentlich zu verändern. Grundlage sei die geringe langfristige Korrelation zwischen Bitcoin und traditionellen Reserveanlagen. Daten aus den Jahren 2011 bis 2025 zeigen jährlich wechselnde Korrelationen, von stark positiv bis stark negativ.

    Der Gouverneur räumte die Risiken offen ein. Der Preis könne deutlich steigen oder auf null fallen - dasselbe gelte allerdings für Aktien und Anleihen. Bitcoin verglich er konzeptionell mit Venture Capital: ähnliche Liquiditätseigenschaften, jedoch deutlich besser zugänglich. Die CNB hält derzeit rund 180 Milliarden USD an Devisenreserven, was etwa 44 Prozent des tschechischen Bruttoinlandsprodukts entspricht.

    Seit seinem Amtsantritt 2022 hat Michl die Reservestrategie der CNB schrittweise umgebaut. Die Aktienquote stieg von 15 auf 26 Prozent. Der Goldanteil wuchs von praktisch null auf sechs Prozent. Eine Bitcoin-Beimischung wäre keine Kursänderung, sondern die Fortsetzung einer bereits eingeschlagenen Diversifikationsstrategie.

    Einfluss einer Bitcoin-Portfoliobeimischung / Quelle: Tschechische Nationalbank CNB

    Testportfolio über CNB Lab

    Operativ läuft seit Oktober 2025 ein Testportfolio. Der Bankrat genehmigte am 30. Oktober 2025 ein Volumen von einer Million US-Dollar - rund 0.0006 Prozent der CNB-Aktiva. Bitcoin wurde an diesem Tag bei einem Kurs von 110'670 USD erworben. Das Portfolio umfasst neben Bitcoin auch einen USD-Stablecoin und eine tokenisierte Dollar-Einlage.

    Juristisch ist die Konstruktion fein austariert. Die CNB klassifiziert das Portfolio als immateriellen Vermögenswert und nicht als Teil der offiziellen Devisenreserven. So umgeht die Notenbank die Jurisdiktion der Europäischen Zentralbank über offizielle Reserven. Die Laufzeit beträgt zwei Jahre, das Volumen bleibt während der Testphase konstant. Operativ verantwortet wird das Portfolio durch CNB Lab, den Innovationshub der Notenbank.

    Diese Zurückhaltung steht in deutlichem Kontrast zum öffentlichen Auftritt in Las Vegas. Eine CNB-Studie vom Februar 2026 attestierte einer einprozentigen Bitcoin-Allokation Diversifikationsvorteile. Der Bankrat entschied dennoch gegen eine offizielle Aufnahme - mit Verweis auf die extreme Volatilität und das Extremrisiko eines Totalverlusts, beides unvereinbar mit dem Stabilitätsmandat einer Zentralbank.

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    Tschechiens Sonderrolle im EU-Gefüge

    Michls Vorstoss ist nur möglich, weil Tschechien eine geldpolitische Sonderstellung einnimmt. Das Land ist EU-Mitglied, hat aber den Euro nicht eingeführt. Die CNB gehört zum Europäischen System der Zentralbanken, jedoch nicht zum Eurosystem. Michl sitzt im EZB-Generalrat, nicht im Governing Council. Die EZB hat damit faktisch wenig direkten Einfluss auf die Reservepolitik der CNB.

    EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte am 30. Januar 2025 erklärt, sie sei zuversichtlich, dass Bitcoin in keine Reserve einer Zentralbank des Generalrats einfliessen werde. Reserven müssten liquide, sicher und frei von Geldwäscheverdacht sein. Am gleichen Tag wählte Michl den umgekehrten Weg und beantragte beim CNB-Bankrat eine Analyse zur Bitcoin-Beimischung. Sein ursprünglicher Vorschlag sah eine Allokation von bis zu fünf Prozent vor - rund 7 Milliarden USD.

    Die Konstellation könnte Schule machen. Fünf weitere EU-Länder haben dieselbe Derogation und damit keinen Euro: Ungarn, Polen, Rumänien, Schweden und Bulgarien. Sie könnten den gleichen rechtlichen Spielraum nutzen. Bisher hat keine dieser Notenbanken einen entsprechenden Schritt unternommen.

    Der internationale Reserve-Kontext

    Während die EZB Bitcoin in Reserven kategorisch ausschliesst, hat sich die Lage international ausdifferenziert. US-Präsident Donald Trump unterzeichnete am 6. März 2025 eine Executive Order zur Einrichtung einer Strategic Bitcoin Reserve. Diese speist sich allerdings ausschliesslich aus behördlichen Beschlagnahmungen, nicht aus aktivem Marktkauf. Der Bestand liegt bei mehr als 207'000 BTC, was im März 2025 einem Gegenwert von rund 17 Milliarden USD entsprach.

    El Salvador hält rund 7'508 BTC in der staatlichen Schatzkammer. Die Schweizerische Nationalbank lehnte einen entsprechenden Vorschlag mit Verweis auf Volatilität, geringe Marktkapitalisierung und die Software-Natur des Vermögenswerts ab. In der Schweiz läuft derzeit eine Volksinitiative, die eine Bitcoin-Reserve in der Bundesverfassung verankern will. Federal-Reserve-Chef Jerome Powell verwies auf gesetzliche Schranken gegen einen aktiven Bitcoin-Kauf durch die US-Notenbank.

    Michl besetzt damit eine Mittelposition zwischen passiver Verwahrung beschlagnahmter Bestände und kategorischer Ablehnung. Sein Modell kauft aktiv, hält die Volumina aber klein und wahrt die institutionelle Trennung zur offiziellen Reservebilanz. Das Testportfolio läuft bis Ende 2027; die Ergebnisse will die CNB anschliessend auswerten und erneut zur Diskussion stellen.

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