Meta bereitet die Integration von Stablecoin-basierten Zahlungen in seine Plattformen vor. Der Konzern hat laut CoinDesk ein Request for Proposal (RFP) an Drittanbieter verschickt, um die technische Abwicklung zu übernehmen. Drei anonyme Quellen bestätigten die Pläne unabhängig voneinander.
Der geplante Start fällt in die zweite Jahreshälfte 2026. Stripe gilt dabei als wahrscheinlichster Partner für den Pilotbetrieb. Parallel zur Stablecoin-Integration entwickelt Meta ein neues Wallet. Alle drei involvierten Parteien, also Meta, Stripe und Bridge, lehnten offizielle Stellungnahmen ab.
Vom Libra-Debakel zur Arms-Length-Strategie
Der Kontrast zum letzten Versuch könnte kaum grösser sein. Als Facebook 2019 das Libra-Projekt ankündigte, wollte der Konzern selbst als Stablecoin-Emittent auftreten. Eine eigene Association in Genf, Reserven in mehreren Währungen und ein globaler Anspruch provozierte massiven Widerstand. Zentralbanken und Regulierungsbehörden liefen Sturm. EZB-Präsidentin Christine Lagarde warnte, solche Stablecoins bedrohten die Wettbewerbsfähigkeit und technologische Autonomie der EU.
Partner wie PayPal, Visa und Mastercard zogen sich daraufhin zurück. Nach einem Rebranding zu Diem im Dezember 2020 verkaufte die Association ihre Assets im Januar 2022 an die Silvergate Bank. Der Preis lag bei 182 Millionen Dollar. Das Projekt war dennoch gescheitert, obwohl Diem-CEO Stuart Levey bei der Abwicklung erklärte, ein hochrangiger Regulator habe Diem als das am besten konzipierte Stablecoin-Projekt bezeichnet, das die US-Regierung je gesehen habe.
Vier Jahre später verfolgt Meta eine fundamental andere Strategie. Statt selbst Stablecoins zu emittieren, lagert Meta die gesamte Zahlungsinfrastruktur an regulierte Drittanbieter aus.
Stripe und Bridge als Infrastruktur-Rückgrat
Stripe übernahm das Stablecoin-Fintech Bridge im Jahr 2024 für 1.1 Milliarden Dollar. Es war somit die grösste Akquisition in Stripes Unternehmensgeschichte. Stripe schloss den Deal im Februar 2025 ab. Bridge erhielt am 17. Februar 2026 eine bedingte Genehmigung vom Office of the Comptroller of the Currency (OCC). Damit darf das Unternehmen eine National Trust Bank gründen. Den Antrag hatte Bridge im Oktober 2025 eingereicht. Die OCC-Zulassung erlaubt die Emission von Stablecoins, Verwahrung digitaler Vermögenswerte und Verwaltung von Reserven unter direkter föderaler Aufsicht.
Denn Bridge ist im Stablecoin-Geschäft bereits operativ aktiv. Über Stripes Open Issuance-Plattform betreibt das Unternehmen Stablecoin-Ausgabe für Produkte wie Phantoms CASH und MetaMasks mUSD. Eine personelle Verbindung verstärkt die Stripe-Meta-These zusätzlich. Stripe-CEO Patrick Collison trat im April 2025 Metas Board of Directors bei. Collison bezeichnete Meta bei der Ernennung als eine der wichtigsten Internet-Plattformen für Unternehmen weltweit.
GENIUS Act als regulatorische Grundlage
Das regulatorische Umfeld hat sich seit dem Libra-Scheitern grundlegend verändert. Präsident Trump unterzeichnete am 18. Juli 2025 den GENIUS Act (Guiding and Establishing National Innovation for US Stablecoins Act). Das Gesetz schuf erstmals einen föderalen Regulierungsrahmen für Stablecoin-Emittenten in den USA.
Der Senat verabschiedete das Gesetz mit 68 zu 30 Stimmen, das Repräsentantenhaus mit 308 zu 122. Beide Abstimmungen zeigten breite parteiübergreifende Unterstützung. Konkret müssen Emittenten Reserven im Verhältnis 1:1 zum ausstehenden Stablecoin-Volumen halten. Zulässige Reserven umfassen US-Dollar, Einlagen bei regulierten Depotbanken, kurzfristige US-Treasuries und Geldmarktfonds. Payment Stablecoins klassifiziert der GENIUS Act weder als Wertpapiere noch als Rohstoffe. Sie fallen damit nicht unter die Aufsicht der SEC oder CFTC.
Für Metas Pläne ergibt sich daraus Rechtssicherheit, die 2019 fehlte. Bridges OCC-Zulassung passt nahtlos in diesen Rahmen. Allerdings tritt der GENIUS Act vollständig erst 18 Monate nach Unterzeichnung in Kraft - oder 120 Tage nach Veröffentlichung der finalen Regulierungen. Insgesamt bedeutet das möglicherweise erst Anfang 2027.
Wettlauf der Super-Apps um Krypto-Zahlungen
Meta steht mit seinen Stablecoin-Plänen nicht allein. Entsprechend zeichnet sich ein Wettbewerb um integrierte Krypto-Zahlungen unter den grossen Plattformen ab.
Telegram hat mit TON Pay bereits ein SDK für Krypto-Zahlungen lanciert, das Toncoin und Tethers USDT unterstützt. Die Plattform zielt auf Transaktionen für ihre über 1.1 Milliarden monatlich aktiven Nutzer. Gleichzeitig bewegt sich Telegram in Richtung eines Super-App-Modells. Elon Musks X Money befindet sich derweil im Closed-Beta-Test. Externe Tests sollen in den nächsten Monaten folgen. Ob X Money Krypto-Zahlungen unterstützen wird, bleibt allerdings offen.
Meta verfügt über den grössten Nutzerpool. Facebook, Instagram und WhatsApp erreichen zusammen über 3 Milliarden Nutzer. Stablecoin-Zahlungen könnten so traditionelle Banking-Gebühren umgehen und neue Anwendungsfälle im Social Commerce sowie bei grenzüberschreitenden Überweisungen erschliessen.
Ein Markt im Billionen-Bereich
Der Stablecoin-Markt hat seit dem Libra-Debakel eine andere Dimension erreicht. Die Gesamtkapitalisierung lag Anfang 2026 bei rund 318 Milliarden Dollar. Tether (USDT) dominiert mit 187 Milliarden Dollar und 61 Prozent Marktanteil. USDC folgt mit 70.6 Milliarden Dollar und etwa 25 Prozent.
Und das Transaktionsvolumen wächst rapide. Im Jahr 2025 wickelten Stablecoins Transaktionen im Wert von 33 Billionen Dollar ab. Das entspricht einem Anstieg von 72 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bereits 2024 bewegten Stablecoins 15.6 Billionen Dollar - ein Volumen auf Augenhöhe mit Visa. USDT und USDC kontrollieren zusammen 93 Prozent der Marktkapitalisierung.
Ob Meta über Bridge einen eigenen Stablecoin emittieren oder bestehende Coins wie USDT und USDC integrieren will, bleibt offen. Ebenso unklar ist der geografische Umfang des Pilots. Metas Entscheidung, die Emission und Verwahrung vollständig an regulierte Partner auszulagern, reduziert jedoch das regulatorische Risiko erheblich. Genau dieses Risiko begrub Diem.








