JPMorgan-CEO Jamie Dimon hat Coinbase-Chef Brian Armstrong auf Fox Business als „voller Scheisse" bezeichnet. Im Zentrum des CLARITY Act Krypto-Lobbying steht Armstrongs Kampagne in Washington, die Dimon nun offen und scharf angreift.
Der CLARITY Act soll den gesamten US-Kryptomarktstruktur-Rahmen regulieren. Das Gesetz definiert, welche Krypto-Assets als Securities oder Commodities gelten, wie Börsen lizenziert werden und unter welchen Bedingungen Drittparteien wie Coinbase Renditen auf Stablecoin-Guthaben anbieten dürfen. Ursprünglich war es als Folgegesetz zum GENIUS Act gedacht, den Präsident Trump im Juli 2025 unterzeichnete. Anfang Mai 2026 passierte der CLARITY Act zunächst das Senate Banking Committee. Die Abstimmung im vollständigen Senat steht allerdings aus. Polymarket bewertet die Wahrscheinlichkeit einer Unterzeichnung bis Ende 2026 derzeit mit nur 59%.
Dimon nennt Armstrongs Lobbying-Kampagne „voller Scheisse"
Auf Fox Business legte JPMorgan-CEO Jamie Dimon nach. Über Armstrong sagte er, dieser sei der Einzige, der Hunderte von Millionen Dollar in Washington für die Sache ausgebe, und sei „voller Scheisse". Insgesamt ist der Angriff damit weniger ein impulsiver Ausbruch als eine kalkulierte öffentliche Position gegen Armstrongs politischen Einfluss.
Hinter der Schärfe steht laut dem Bankenchef ein regulatorisches Sachargument. „Wenn du eine Bank sein willst, werde eine Bank. Dann kannst du tun, was du willst, nach Bankrecht", erklärte der JPMorgan-Chef bereits in einem früheren Interview und zog damit die Trennlinie zwischen lizenzierten Instituten und Krypto-Plattformen. Für Dimon dürfen Anbieter von Stablecoin-Rendite nicht ausserhalb des Bankenaufsichtsrahmens agieren, wenn sie faktisch wie Einlagen verzinste Produkte vertreiben.
Armstrong reagierte am selben Tag, allerdings ohne verbale Replik. Auf X veröffentlichte der Coinbase-CEO stattdessen ein bearbeitetes Bild aus der Hockeyserie „Heated Rivalry", das ihn und Dimon als rivalisierende Hauptfiguren zeigt. Der visuelle Konter setzte bewusst auf Ironie statt auf eine inhaltliche Erwiderung.
https://t.co/T5cMfPPji5 pic.twitter.com/VGwsfF0qCT
— Brian Armstrong (@brian_armstrong) May 29, 2026
CLARITY Act-Lobbying und das Stablecoin-Geschäftsmodell
Coinbase tritt im Stablecoin-Geschäft nicht als Emittent auf, sondern als Drittpartei für Circles USDC. Die Plattform bietet ihren Kunden eine Rendite von 3.5% auf USDC-Guthaben an. Materiell ist dieses Segment erheblich: Im ersten Quartal 2026 erzielte das Unternehmen einen Stablecoin-Umsatz von 305 Mio. USD, getragen von durchschnittlich 19 Mrd. USD an USDC-Beständen auf der Plattform - einem Rekordwert. Im Gesamtjahr 2024 lag der Stablecoin-Umsatz bei 910 Mio. USD, ein Plus von 31% gegenüber dem Vorjahr. Ein Verbot von Drittparteien-Yield würde damit direkt in das Kerngeschäft einschlagen.
Diese Einnahmen erklären, warum Armstrong das Gesetz aktiv mitgeformt hat. Zunächst zog er im Januar 2026 Coinbases Unterstützung für den CLARITY Act zurück, mit der Begründung, ein Verbot von Stablecoin-Rewards würde Banken erlauben, „ihre Konkurrenz zu verbieten". Der Senat verschob daraufhin die geplante Abstimmung. Später, am 4. Mai 2026, einigten sich Senatoren auf einen Kompromiss: Verboten werden Zahlungen, die wirtschaftlich oder funktional gleichwertig zu verzinsten Bankeinlagen sind, während Rewards für Transaktionen, Zahlungen und DeFi-Liquidität erlaubt bleiben. Danach signalisierte Armstrong wieder Zustimmung und drängte mit „Mark it up" auf eine zügige Verabschiedung.
Der Druck kommt nicht allein aus dem Kongress. Das OCC veröffentlichte am 25. Februar 2026 zudem einen 376-seitigen Vorschlag, der Drittparteien-Yield-Arrangements einschränken würde. Das Dokument deutet ferner an, bestehende Rewards-Programme könnten bereits gegen geltendes Recht verstossen. Somit steht Coinbases Geschäftsmodell gleich an zwei regulatorischen Fronten unter Beobachtung.
Bankenlobby fürchtet Einlagenabfluss in Billionen-Höhe
Dimon ist kein Einzelkämpfer. Im Mai 2026 forderten die American Bankers Association sowie fünf weitere Bankenverbände ebenfalls eine Verschärfung der Stablecoin-Yield-Regel im CLARITY Act. Ihr zentrales Argument liefert das Bank Policy Institute: Bei einer Stablecoin-Marktgrösse von 4 Bio. USD könnten die Bankeinlagen um 19% sinken. Damit verschiebt sich die Debatte von der Wettbewerbsfrage auf die Stabilität des Bankensystems.
Andere Schätzungen zeichnen ein ähnliches Bild. Citigroup-Analysten gehen davon aus, dass Stablecoin-Bestände bis 2030 auf 0.5 bis 3.7 Bio. USD wachsen könnten. Das würde folglich Bankeinlagen in Höhe von 182 bis 908 Mrd. USD verdrängen. Die Federal Reserve und die ABA warnen ebenso, eine solche Kapitalverlagerung könnte die US-Kreditvergabekapazität um bis zu 1.26 Bio. USD reduzieren. Das US-Finanzministerium stuft den 6.6 Bio. USD grossen Markt für Transaktionseinlagen seinerseits als gefährdet ein. Diese Einlagen finanzieren einen erheblichen Teil der US-Kreditvergabe, weshalb ihre Abwanderung in Stablecoins die Banken besonders trifft.
Diese Lesart bleibt jedoch umstritten. Das Weisse Haus argumentierte in einem Bericht vom April 2026 hingegen, die Befürchtungen über Einlagenabflüsse seien übertrieben und der Nutzen für Konsumenten überwiege. Damit verläuft die Frontlinie nicht nur zwischen Banken und Krypto-Branche, sondern auch quer durch Washington.
CLARITY Act vor Senats-Abstimmung: Stand und Ausblick
Legislativ ist der CLARITY Act weit fortgeschritten, aber noch nicht entschieden. Nachdem er Anfang Mai 2026 das Senate Banking Committee passiert hatte, steht die Abstimmung im vollständigen Senat weiterhin aus. Als Präzedenz dient der GENIUS Act: Er regelte den Stablecoin-Rahmen, liess die umfassendere Marktstruktur jedoch offen, die der CLARITY Act nun schliessen soll. Trump unterstützt den Act und will damit nach eigenen Worten zukunftssichere Regeln für die Marktstruktur digitaler Assets kodifizieren. Folglich setzt er Dimons Opposition ein politisches Gegengewicht entgegen.
Die Marktbewertung reagiert sensibel auf die Detailfragen. Polymarket beziffert die Wahrscheinlichkeit einer Unterzeichnung bis Ende 2026 auf 59%. Zuvor waren die Quoten nach dem Kompromiss vom 4. Mai 2026 von 46% auf 64% gestiegen, bevor sie wieder zurückgingen. Diese Schwankung zeigt, wie stark einzelne Details der Yield-Regel die erwartete Verabschiedung bewegen. Letztlich lässt sich Dimons öffentlicher Angriff daher auch als Signal lesen, dass die Bankenlobby die ausstehende Senatsvote weiterhin aktiv beeinflussen will.








