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    Sie sind hier:Home » Fokus » Hintergrund » Vitalik Buterin kündigt Dezentralisierungs-Offensive für Ethereum an
    Die Ethereum Foundation kürzt ihr Budget um 40 Prozent, streicht 54 Stellen und ordnet sich neu als schlankes Endowment in fünf Cluster.

    Vitalik Buterin kündigt Dezentralisierungs-Offensive für Ethereum an

    von Redaktion cvj.ch am 20. Januar 2026 Hintergrund

    Ethereum-Mitbegründer Vitalik Buterin hat eine grundlegende Neuausrichtung des Netzwerks angekündigt. Das Jahr 2026 soll verlorenes Terrain in Sachen Selbstbestimmung und Vertrauenslosigkeit zurückgewinnen. Buterin räumt dabei erstmals öffentlich ein, dass Ethereum in den vergangenen zehn Jahren "erheblich zurückgefallen" sei.

    Die Ankündigung erfolgt zu einem kritischen Zeitpunkt. Nach dem erfolgreichen Pectra-Upgrade im Mai 2025 stehen mit Glamsterdam und Hegota zwei weitere grosse Upgrades für 2026 auf der Agenda. Doch Buterin fokussiert sich weniger auf neue Funktionen als vielmehr auf die Rückbesinnung auf Kernprinzipien: Nodes sollen wieder einfach zu betreiben sein, Wallets sollen keine Nutzerdaten mehr an Dutzende Server übertragen.

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    Eingeständnis struktureller Probleme

    In einem X-Post vom 16. Januar listet Buterin konkrete Versäumnisse auf. Nodes seien zu schwer zu betreiben geworden. Dapps hätten sich von statischen Seiten zu komplizierten Gebilden entwickelt, die alle Daten an ein Dutzend Server übertragen. Die Kritik zielt auf einen fundamentalen Zielkonflikt. Denn Ethereums Streben nach Skalierbarkeit führte zu einer Abhängigkeit von zentralisierter Infrastruktur.

    Remote Procedure Call (RPC) Anbieter wie Infura oder Alchemy verarbeiten heute einen Grossteil der Wallet-Anfragen. Für Endnutzer praktisch, für das Netzwerk problematisch. Die ursprüngliche Vision eines dezentralen "World Computer" rückte in den Hintergrund. Zwei Tage später verschärfte Buterin die Rhetorik weiter. Er warnte, die Blockchain werde "zu dicht für unabhängige Verifikation". Das Protokoll müsse einen "Walkaway-Test" bestehen: Könnte Ethereum weiterlaufen, wenn alle Gründer und Kernentwickler das Projekt dauerhaft verliessen? Derzeit sei das fraglich.

    Technische Lösungsansätze für 2026

    Buterins Roadmap setzt auf drei Ebenen an:

    • Erstens: Vereinfachtes Node-Betreiben durch Helios und Zero-Knowledge Ethereum Virtual Machines (ZK-EVMs). Diese Technologien sollen es handelsüblicher Consumer-Hardware ermöglichen, eingehende Daten mittels Bridges and Local Verification (BAL) zu verifizieren. Ein Full-Node würde damit wieder auf einem Standard-Laptop laufen.
    • Zweitens: Datenschutz durch Oblivious RAM (ORAM) und Private Information Retrieval (PIR). Diese kryptografischen Protokolle erlauben es Wallets, Daten vom Netzwerk abzufragen, ohne spezifische Zugriffsmuster preiszugeben. RPC-Anbieter würden effektiv "blind" gegenüber Nutzeraktivitäten.
    • Drittens: Nutzerfreundliche Sicherheit. Social-Recovery-Wallets und Timelocks sollen verhindern, dass Nutzer bei Verlust ihrer Seed-Phrase ihr gesamtes Vermögen einbüssen. Dabei setzt Ethereum auf dezentrale Wiederherstellungsmechanismen statt auf zentralisierte Custodians. Gleichzeitig sollen Benutzeroberflächen durch dezentrale Speicherprotokolle wie IPFS gehärtet werden. Das reduziert das Risiko gekaperter Frontends.
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    Protokoll-Verschlankung als Kernforderung

    Parallel zur Dezentralisierungs-Agenda fordert Buterin eine radikale Code-Reduktion. Seine Befürchtung: Ethereum werde zu eifrig neue Features hinzufügen, um hochspezifische Bedürfnisse zu erfüllen. Das Resultat sei ein aufgeblähtes Protokoll. "Eines meiner Ängste bei der Ethereum-Protokollentwicklung ist, dass wir das Protokoll unnötig aufblähen können."

    Als Gegenmassnahme schlägt er eine explizite "Garbage-Collection-Funktion" im Entwicklungsprozess vor. Ein Mandat, veralteten Code und Abhängigkeiten zu löschen. Denn die Abhängigkeit von "PhD-Level-Kryptographie" und zunehmend aufgeblähtem Code berge das Risiko, Ethereums Zugänglichkeit einzuschränken. Das Netzwerk könne dadurch zu einem technokratischen Modell abdriften, statt ein dezentrales öffentliches Gut zu bleiben.

    Die beiden geplanten Upgrades 2026 spiegeln diese Philosophie wider. Glamsterdam (Q2/Q3 2026) bringt vollständige Verkle Trees für zustandslose Clients und drastisch reduzierte Hardware-Anforderungen. Hegota (H2 2026) fokussiert hingegen auf State- und History-Expiry. Beide Massnahmen adressieren dennoch dasselbe Problem: Ethereum wird zu gross und zu ressourcenintensiv, um unbegrenzt gespeichert zu werden.

    Langfristige Vision und Konsolidierung

    Buterin positioniert die aktuellen Turbulenzen als Übergangsphase. "Langfristig hoffe ich, dass die Änderungsrate bei Ethereum langsamer werden kann. Diese ersten fünfzehn Jahre sollten teilweise als Adoleszenzphase betrachtet werden, in der wir viele Ideen erkundet haben."

    Die Strategie zielt entsprechend auf Konsolidierung. Nach den Feature-reichen Upgrades Pectra und Fusaka 2025 soll 2026 die Arbeit konsolidieren. FOCIL Inclusion Lists (Q1/Q2 2026) erzwingen Zensurresistenz auf Konsensebene. Block Access Lists optimieren dabei Node-Performance und Gas-Kosten. Das Kohaku Wallet (Mitte 2026) integriert zudem verifizierte RPC und native Account Abstraction.

    Zusätzlich fordert Buterin Innovationen im Stablecoin-Bereich. Viele populäre Stablecoins hängen vom US-Dollar oder zentralisierten Banken ab. Ein durch verschiedene Assets gedeckter Stablecoin könne Unabhängigkeit von traditioneller Finanz bieten. Ausserdem betont er die Notwendigkeit quantenresistenter Kryptographie: Das Protokoll solle für hundert Jahre sicher sein.

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    Die Redaktion des Crypto Valley Journal berichtet seit 2018 aus Zug, dem Sitz des Schweizer Crypto Valley, über Bitcoin, Krypto, Blockchain und die regulatorische Entwicklung digitaler Vermögenswerte. Hinter der kollektiven Redaktionsstimme steht ein Team aus Autoren mit Hintergrund in Finanzmarkt, Recht und Technologie.

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