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    Sie sind hier:Home » Fokus » Hintergrund » Venezuela: Dollarknappheit treibt Unternehmen in den Krypto-Markt
    Venezuelas Mittelstand verliert den Zugang zu US-Dollar, was KMUs zunehmend in die Krypto- und Stablecoin-Märkte drängt.

    Venezuela: Dollarknappheit treibt Unternehmen in den Krypto-Markt

    von Redaktion cvj.ch am 24. März 2026 Hintergrund

    Venezuelas Mittelstand verliert den Zugang zu US-Dollar. Zwischen Mitte Januar und Anfang März 2026 verteilte die Zentralbank über Dollar-Auktionen insgesamt 1.3 Milliarden USD an den Privatsektor - 13 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

    Die Zentralbank bestimmt, wie die Auktionserlöse aus Ölexporten über lokale Banken verteilt werden. Grosse Konzerne aus den Bereichen Lebensmittel, Gesundheit, Getränke und Chemie erhalten bevorzugten Zugang. Mittelständische Unternehmen gehen zunehmend leer aus.Konkret bezeichnen 58 Prozent der mittelständischen Unternehmer den Devisenmangel laut einer Umfrage des Industrieverbands Conindustria als Produktionshindernis.

    Kleinere Firmen, darunter Pharma-, Kunststoff- und Technologieanbieter, weichen auf Alternativen aus. USDT, der grösste Dollar-Stablecoin, hat sich so zur Parallelwährung entwickelt. Insgesamt übertrafen Off-Exchange-Transaktionen in USDT 2025 in Venezuela 70 Milliarden USD, gegenüber 26 Milliarden USD Anfang 2023. Stablecoins machen mittlerweile über 80 Prozent aller Krypto-Aktivitäten im Land aus.

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    Wie USDT zur Parallelwährung wurde

    Seit Juni 2025 erlaubt die venezolanische Regierung den verstärkten Einsatz von USDT in privaten Devisenbörsen. Eine begrenzte Anzahl von Banken verkauft den Stablecoin gegen Bolivares an Unternehmen, die dafür eine behördlich genehmigte digitale Wallet benötigen. Firmen können die erhaltenen Kryptowährungen entweder verkaufen oder direkt für Zahlungen an in- und ausländische Lieferanten verwenden. Die Regulierungsbehörde Sunacrip beaufsichtigt den Prozess.

    Allein im Juli 2025 verkauften Banken laut dem Analyseunternehmen Ecoanalitica Kryptowährungen im Wert von 119 Millionen USD an den Privatsektor. Denn klassische Bankwege sind versperrt. Venezolanische Institute bleiben wegen US-Sanktionen weitgehend vom globalen Finanzsystem abgeschnitten. Internationale Überweisungen und globale Zahlungsplattformen funktionieren schlicht nicht. Kleinere und mittelständische Unternehmen scheitern zudem regelmässig bei der Überprüfung durch ausländische Korrespondenzbanken. USDT erfordert hingegen kein US-Bankkonto und lässt sich über Peer-to-Peer-Netzwerke transferieren.

    Staatliche Ölgesellschaft als grösster USDT-Nutzer

    Der Krypto-Handel in Venezuela beschränkt sich nicht auf den Mittelstand. PDVSA, die staatliche Ölgesellschaft, wickelt Schätzungen zufolge rund 80 Prozent ihrer Öleinnahmen in USDT und anderen Stablecoins ab. Ölexporte machen mehr als 83 Prozent der venezolanischen Devisenzuflüsse aus. Die Produktion ist allerdings von über 3 Millionen Barrel pro Tag Anfang der 2000er Jahre auf rund 900'000 Barrel pro Tag gefallen.

    Bereits 2023 begann PDVSA, Ölkäufer um Zahlung in USDT zu bitten. Damit umgeht die Gesellschaft die seit 2019 verhängten US-Sanktionen, die den Zugang zum traditionellen Dollarsystem blockieren. Die Dimensionen sind erheblich. Tether fror am 11. Januar 2026 Krypto-Guthaben im Wert von 182 Millionen USD in fünf Tron-Wallets ein. Es war eine der grössten Einzelaktionen des Stablecoin-Emittenten. Ob die eingefrorenen Wallets direkt mit PDVSA zusammenhängen, ist nicht abschliessend belegt. Der zeitliche Zusammenhang mit der politischen Umwälzung in Venezuela liegt jedoch nahe.

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    Regimewechsel und neue Annäherung an die USA

    Der politische Kontext hat sich grundlegend verändert. Am 3. Januar 2026 nahmen US-Streitkräfte Präsident Nicolás Maduro fest und brachten ihn nach New York. Dort muss er sich wegen Narco-Terrorismus-Vorwürfen verantworten. Vizepräsidentin Delcy Rodriguez übernahm daraufhin die Amtsgeschäfte als amtierende Präsidentin. Die UN bezeichnete die Festnahme als "schwere, offensichtliche und vorsätzliche Verletzung" der Grundsätze des Völkerrechts. Diplomatische Beziehungen zwischen beiden Ländern waren seit 2019 unterbrochen.

    Rodriguez leitete anschliessend einen wirtschaftspolitischen Kurswechsel ein. Am 29. Januar 2026 unterzeichnete sie ein Ölreformgesetz, das die Privatisierung des Ölsektors ermöglicht. Staatliche Royalties deckelt das Gesetz auf 30 Prozent. Das US-Finanzministerium erlaubte im Gegenzug begrenzte Transaktionen für PDVSA im Zusammenhang mit Ölexporten. Washington wickelte unter der neuen Konstellation Rohölverkäufe in Höhe von rund 2 Milliarden USD ab.

    Im Februar besuchte US-Energieminister Chris Wright Caracas mit Fokus auf Ölpotenzial. Anfang März folgte Innenminister Doug Burgum, begleitet von rund einem Dutzend US-Unternehmen. Sie suchten Zugang zu venezolanischen Öl- und Mineralvorkommen. Schliesslich besitzt Venezuela die grössten bekannten Ölreserven der Welt sowie bedeutende Vorkommen an Gold, Kupfer, Diamanten und Coltan. Am 10. März erkannte die US-Regierung Rodriguez vor einem New Yorker Bundesgericht formell als venezolanische Staatsautorität an.

    Inflation beschleunigt die Krypto-Adoption

    Gleichzeitig beschleunigt sich die Entwertung der Landeswährung. Die Inflation stieg auf 556 Prozent in den zwölf Monaten bis Mitte Dezember 2025. Ende Juni 2025 lag sie noch bei 219 Prozent, Ende 2024 bei 45 Prozent. Für 2026 prognostiziert der IWF eine Teuerung von über 600 Prozent. Entsprechend wächst der Druck auf Unternehmen, Einnahmen und Reserven in stabilen Werten zu halten.

    Der Trend beschränkt sich nicht auf Venezuela. Auch in Iran, Russland und anderen sanktionierten Staaten dienen Stablecoins als De-facto-Parallelwährung zum Dollar. Venezuela gilt dennoch als Musterbeispiel für staatsnahe Krypto-Adoption unter Sanktionsdruck. Sowohl der Staat über PDVSA als auch der private Mittelstand nutzen USDT als funktionalen Dollar-Ersatz. Ob die schrittweise Sanktionslockerung nach dem Regimewechsel den Devisenmangel tatsächlich lindert, hängt von der Anpassungsgeschwindigkeit der Korrespondenzbanken ab. Bis dahin bleibt USDT der pragmatische Ausweg.

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    Über den Autor

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    Die Redaktion des Crypto Valley Journal berichtet seit 2018 aus Zug, dem Sitz des Schweizer Crypto Valley, über Bitcoin, Krypto, Blockchain und die regulatorische Entwicklung digitaler Vermögenswerte. Hinter der kollektiven Redaktionsstimme steht ein Team aus Autoren mit Hintergrund in Finanzmarkt, Recht und Technologie.

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