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    Gemini schliesst NFT-Marktplatz Nifty Gateway nach sieben Jahren

    von Redaktion cvj.ch am 28. Januar 2026 Hintergrund

    Gemini beendet den Betrieb von Nifty Gateway am 23. Februar 2026. Die Krypto-Börse der Winklevoss-Zwillinge hatte die NFT-Plattform im Juni 2019 übernommen und zu einem der führenden Marktplätze für digitale Kunst ausgebaut. Auf dem Höhepunkt Mitte 2021 wickelte Nifty monatliche Verkäufe von über 300 Mio. USD ab.

    Seit dem 23. Januar 2026 befindet sich die Plattform im Withdrawal-only Modus. Nutzer haben genau einen Monat Zeit, ihre digitalen Vermögenswerte abzuziehen. Nach Schätzungen aus der Community befinden sich rund 650'000 NFTs in den Custodial Wallets der Plattform. Ein prominenter Sammler warnte, dass NFTs im Wert von bis zu 7.8 Mio. USD verloren gehen könnten, falls Besitzer die Frist verpassen.

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    Vom Pionier zum Auslaufmodell

    Die Zwillingsbrüder Duncan und Griffin Cock Foster gründeten Nifty Gateway 2018 mit einer klaren Vision: NFTs für den Mainstream zugänglich machen. Während konkurrierende Plattformen technisches Wissen über Krypto-Wallets voraussetzten, akzeptierte Nifty Gateway Kreditkartenzahlungen und verwaltete die Wallets seiner Nutzer. Dieses Custodial Model senkte die Einstiegshürde erheblich.

    Im Juni 2019 übernahmen Cameron und Tyler Winklevoss die Plattform für einen nicht veröffentlichten Betrag. Die Geschichte von zwei Zwillingspaaren in einem NFT-Startup sorgte für Aufmerksamkeit in der Tech-Branche. Gemini integrierte Nifty Gateway in sein Ökosystem und positionierte es als Premium-Marktplatz für kuratierte Kunst-Drops.

    Der Ansatz zahlte sich aus. Im Dezember 2020 debütierte der digitale Künstler Beeple auf der Plattform. Seine ersten Drops generierten 582'000 USD in wenigen Minuten, gefolgt von weiteren 2.2 Mio. USD in den darauffolgenden Tagen. Die "Everydays"-Kollektion erreichte 3.5 Mio. USD auf Nifty Gateway. Später wechselte dasselbe Werk bei Christie's für 69 Mio. USD den Besitzer - eine Rekordtransaktion für NFTs. Anfang 2021 erzielte Grimes mit ihrer "WarNymph"-Kollektion 6 Mio. USD in nur 20 Minuten.

    Strategischer Rückzug inmitten des Marktkollaps

    Gemini begründet die Schliessung mit der Konzentration auf seine "Super-App-Vision". Das Unternehmen lancierte im August 2025 eine Self-Custody Wallet mit NFT-Support. Diese bietet Passkeys, Biometrie-Login und Social Recovery. Partnernetzwerke wie Arbitrum, Polygon, Optimism und Base sind integriert. Nutzer erhalten zudem kostenlose ENS-Subdomains, und Gemini übernimmt Gasgebühren für bestimmte Transaktionen.

    Die strategische Neuausrichtung fällt in eine schwierige Phase für das Unternehmen. Im dritten Quartal 2025 verzeichnete Gemini einen Nettoverlust von 159.5 Mio. USD trotz verdoppelter Umsätze im Jahresvergleich. Der Aktienkurs fiel auf ein Rekordtief von 14.75 USD. Dies entspricht einem Rückgang von 40 Prozent seit dem Börsengang im September.

    Gleichzeitig kollabiert der NFT-Markt weiter. Die Gesamtmarktkapitalisierung sank von 17 Mrd. USD Anfang 2022 auf 2.8 Mrd. USD im Januar 2026. Das entspricht einem Rückgang von 84 Prozent. Allein 2025 schrumpfte der Markt von 9.2 Mrd. auf 2.4 Mrd. USD, während das Angebot um 35 Prozent stieg. Das monatliche Handelsvolumen fiel von 6 Mrd. USD auf dem Höhepunkt 2022 auf einen Tiefststand von 300 Mio. USD im Dezember 2025.

    NFT-Handelsvolumen seit 2020 in US-Dollar / Quelle: Cryptoslam
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    Ein Markt räumt seine Leichen weg

    Nifty Gateway reiht sich in eine lange Liste von Plattform-Schliessungen ein. Kraken NFT stellte den Betrieb am 27. Februar 2025 ein. X2Y2 schloss am 30. April 2025 und wechselte zur KI-Branche. Bybit NFT folgte am 8. April, LG Art Lab am 17. Juni. Selbst Nike beendete die Web3-Operationen seiner Marke RTFKT im Januar 2025. Quidd, im Besitz von Animoca Brands, schloss am 31. Januar 2025. MakersPlace gab circa Juni 2025 auf und verwies auf "aktuelle Marktbedingungen" sowie fehlende Investitionen. Die Organisatoren sagten die NFT Paris Konferenz für 2026 komplett ab. Ihre Begründung: "The market collapse hit us hard."

    OpenSea, der grösste verbliebene Marktplatz, konsolidiert den Markt. Sein Marktanteil auf Ethereum stieg von 36 Prozent Anfang 2025 auf 67 Prozent Ende des Jahres. Dennoch täuschen auch diese Zahlen: Im Oktober 2025 wickelte OpenSea zwar 2.6 Mrd. USD Handelsvolumen ab. Allerdings entfielen über 90 Prozent davon auf fungible Token statt NFTs. Der Hauptkonkurrent Blur verzeichnete einen Volumenrückgang von über 73 Prozent.

    OpenSea selbst befindet sich im Umbau. Das Unternehmen reduzierte seine Belegschaft auf rund 60 Mitarbeiter und zog von San Francisco nach Miami. Für das erste Quartal 2026 plant das Unternehmen einen SEA Token Launch. Perpetual Futures Trading und Mobile Apps sollen das Geschäftsmodell diversifizieren.

    Künstler zwischen Dankbarkeit und Frustration

    Nifty Gateway zahlte über seine Laufzeit mehr als 500 Mio. USD an Künstler weltweit aus. Dennoch hinterlässt die abrupte Schliessung Unmut. Der Künstler Bryan Brinkman hat rund 500 eigene Werke in Custodial Wallets auf der Plattform. Seine persönliche Sammlung von 175 Werken konnte er bereits abziehen.

    "Jetzt bleiben wir mit mehr Fragen als Antworten zurück. Warum die plötzliche Schliessung, warum die mangelnde Kommunikation, und was wird mit diesen Kunstwerken passieren?" - Bryan Brinkman, (NFT-)Künstler

    Die Kritik am Custodial Model wird lauter. Digital-Künstlerin Artchick fragte öffentlich: "Ist nicht der ganze Sinn von NFTs, dass wir vollständige Ownership und Custody der Token haben?" Der Sammler Lancaster.eth formulierte es drastischer: "Das ist die dunkle Seite von Web3. 650'000 NFTs. Eine Deadline. Keine zweite Chance."

    Ungeklärt bleibt die Frage der Metadata. Kritiker warnen, dass bei einer vollständigen Server-Abschaltung durch Gemini die Metadaten von hochkarätigen Kollektionen unbrauchbar werden könnten. Darunter fallen Werke von Beeple und Sam Spratt. Gemini hat sich bisher nicht öffentlich dazu geäussert, ob permanentes Hosting garantiert wird. Für den Abzug stehen drei Optionen zur Verfügung: Transfer auf ein verbundenes Gemini Exchange-Konto, Auszahlung an eine Bank via Stripe oder Migration ins "grössere Gemini-Ökosystem".

    Das Ende einer Ära mit offenem Ausgang

    Die Gründer Duncan und Griffin Cock Foster verliessen Gemini bereits im Januar 2023. Nach fast vier Jahren beim Unternehmen zog es sie zurück ins Unternehmertum. Beim Abschied äusserte sich Duncan Cock Foster noch optimistisch über die Zukunft der Plattform.

    "Es gibt keinen Zweifel daran, dass Krypto- und NFT-Märkte gerade eine turbulente Zeit durchleben, und Gemini ist keine Ausnahme. Aber gegen die Winklevoss-Zwillinge zu wetten, ist eine schreckliche Idee." - Duncan Cock Foster, Co-Founder Nifty Gateway

    Drei Jahre später zeigt sich: Die Wette ging nicht auf. Das Rebranding zu Nifty Gateway Studio im April 2024, mit Fokus auf Onchain-Projekte mit Marken und Künstlern, konnte den Niedergang nicht aufhalten. Die Vision einer kuratierten Premium-Plattform für digitale Kunst passte nicht mehr in einen Markt, der um 84 Prozent geschrumpft ist.

    Cameron Winklevoss formuliert die Zukunftsvision von Gemini nun breiter: "Bald werden Sie einen tokenisierten Dollar via Stablecoin, tokenisierte Aktien und digitale Rohstoffe halten können, alles in einer App." NFT-Marktplätze gehören nicht mehr zu dieser Vision. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Das jährliche NFT-Handelsvolumen 2025 lag bei 5.5 Mrd. USD, deutlich unter den Levels von 2024. Entsprechend geht die Konsolidierung weiter.

    Für die verbliebenen Nutzer von Nifty Gateway tickt die Uhr. Am 23. Februar 2026 endet ein Kapitel der Krypto-Geschichte. Was danach mit den nicht abgeholten NFTs passiert, bleibt offen.

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    Über den Autor

    Redaktion cvj.ch
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    Die Redaktion des Crypto Valley Journal berichtet seit 2018 aus Zug, dem Sitz des Schweizer Crypto Valley, über Bitcoin, Krypto, Blockchain und die regulatorische Entwicklung digitaler Vermögenswerte. Hinter der kollektiven Redaktionsstimme steht ein Team aus Autoren mit Hintergrund in Finanzmarkt, Recht und Technologie.

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