Die US-Börsenaufsicht SEC hat Nasdaqs Regeländerungsantrag genehmigt. Damit darf die zweitgrösste US-Börse künftig Aktien und ETFs in tokenisierter Form handeln und über die Depository Trust Company (DTC) abwickeln. Die Genehmigung (Dokument Nr. 34-105047) betrifft zunächst ein Pilotprogramm.
Es beschränkt sich auf Aktien des Russell 1000 Index sowie ETFs, die den S&P 500 und den Nasdaq 100 abbilden. Nasdaq hatte den ursprünglichen Antrag im September 2025 eingereicht. Im Januar 2026 legte die Börse eine überarbeitete Fassung (Amendment No. 2) nach. Parallel dazu veröffentlichte die SEC ein Staff Statement, das tokenisierten Aktien denselben rechtlichen Status wie traditionellen Wertpapieren zuweist. Für den globalen Vertrieb arbeitet Nasdaq mit Payward zusammen, der Muttergesellschaft der Krypto-Börse Kraken. Die Partnerschaft zielt auf einen Launch im ersten Halbjahr 2027.
Wie das Pilotprogramm funktioniert
Tokenisierte Aktien handeln im selben Orderbuch wie ihre traditionellen Gegenstücke. Ticker, CUSIP-Nummern, Preise und Ausführungsprioritäten bleiben identisch. Beide Formate sind vollständig fungibel, denn Anleger können jederzeit zwischen tokenisierter und traditioneller Abwicklung wechseln. Stimmrechte und Dividendenansprüche bleiben erhalten. Ein fragmentierter Parallelmarkt entsteht somit nicht.
Bei der Ordererteilung wählen Marktteilnehmer aktiv, ob sie im tokenisierten Format abwickeln wollen. Erfüllt ein Trade die Voraussetzungen nicht, erfolgt die Abwicklung automatisch auf traditionellem Weg. Das Settlement läuft weiterhin auf T+1-Basis über die DTC. Denn Nasdaq hat sich bewusst gegen eine eigene Blockchain-Infrastruktur entschieden und setzt stattdessen auf die bestehende Clearing-Architektur.
Es gibt also keinen separaten Handelsplatz und keinen eigenen Liquiditätspool. Tokenisierte und traditionelle Aktien verschmelzen in einem einzigen Markt. Der Ansatz unterscheidet sich damit grundlegend von bisherigen Tokenisierungsversuchen. Diese operierten meist auf eigenständigen Plattformen und scheiterten an mangelnder Liquidität.
Traditionelle Börsen und Krypto-Firmen rücken zusammen
Nasdaq steht mit dem Vorstoss nicht allein. Auch Intercontinental Exchange (ICE), Eigentümerin der New York Stock Exchange, hat sich positioniert. ICE investierte in die Krypto-Börse OKX bei einer Bewertung von 25 Milliarden USD. Geplant sind tokenisierte Aktien und Krypto-Futures-Produkte für OKXs 120 Millionen Nutzer.
Die Annäherung folgt einer klaren Logik. Traditionelle Börsen wollen Zugang zu Krypto-Handelsvolumen und einer jüngeren Nutzerbasis. Krypto-Börsen wie Kraken und OKX hingegen suchen regulatorische Glaubwürdigkeit und Zugang zu etablierten Finanzmärkten. Beide Seiten profitieren. Dennoch bleiben sie Konkurrenten.
Nasdaqs Partnerschaft mit Payward illustriert diese Dynamik. Die Krypto-Firma liefert mit der xStocks-Plattform die technische Infrastruktur für den globalen Vertrieb tokenisierter Aktien. Nasdaq bringt entsprechend die regulatorische Zulassung und das Orderbuch mit. Arjun Sethi, Co-CEO von Payward, betonte den erweiterten Zugang für internationale Kunden und die höhere Effizienz bei der Sicherheitenverwaltung.
Marktpotenzial: von 1 Milliarde auf 19 Billionen
Der globale Aktienmarkt umfasst rund 126 Billionen USD. Tokenisierte Aktien machen davon bisher etwa 1 Milliarde USD aus. Laut einer BCG/Ripple-Prognose könnten tokenisierte Assets über alle Anlageklassen hinweg bis 2033 auf 18.9 Billionen USD anwachsen. Das entspricht einem jährlichen Wachstum von 53 Prozent.
Nasdaqs Ansatz setzt genau dort an. Statt einen isolierten On-Chain-Marktplatz zu schaffen, integriert die Börse tokenisierte Wertpapiere direkt in ihr bestehendes Orderbuch. So adressiert sie das Kernproblem bisheriger Tokenisierungsversuche - fragmentierte Liquidität zwischen On-Chain- und Off-Chain-Märkten. Die regulierungsfreundlichere Haltung der aktuellen US-Administration hat das Umfeld für solche Vorstösse zusätzlich begünstigt. Das Staff Statement der SEC vom Januar 2026 zur rechtlichen Gleichstellung tokenisierter Aktien schuf nämlich eine entscheidende regulatorische Grundlage.
Nasdaq und Payward planen den Launch der xStocks-Plattform für das erste Halbjahr 2027. Darüber sollen tokenisierte Aktien international verfügbar werden. Tal Cohen, Präsident der Nasdaq, beschrieb die Initiative als Schritt hin zu einem "stets aktiven Finanzökosystem". Gleichzeitig arbeitet ICE an eigenen tokenisierten Produkten über die Partnerschaft mit OKX, allerdings ohne bisher einen konkreten Starttermin zu nennen.








