FCA verbietet Krypto-Derivate für Kleinanleger in Grossbritannien

Die Finanzmarktaufsichtsbehörde des Vereinigten Königreichs (FCA) hat bekannt gegeben, das Angebot an Krypto-Derivate und Exchange-Traded Notes (ETNs) ab 2021 aufgrund des hohen Risikos für Kleinanleger verbieten zu wollen.

In der Pressemitteilung verkündete die Financial Conduct Authority (FCA), den Verkauf, die Vermarktung und den Vertrieb von Derivaten auf Kryptoassets (d.h. Differenzkontrakte – CFDs, Optionen, Futures und ETNs) an alle Endverbraucher ab 2021 zu untersagen. Das Verbot wird ab dem 6. Januar 2021 in Kraft treten und richtet sich an Firmen, die in oder von Grossbritannien aus tätig sind. Diese Ankündigung kommt knapp eine Woche, nachdem die Krypto-Derivate-Börse BitMEX in den USA angeklagt wurde.

Gründe für das Verbot

Laut der FCA seien diese Produkte nicht für individuelle Investoren geeignet, da sie potenzielle Verluste anrichten können. Kleinanleger würden diese Produkte aufgrund von nachfolgend aufgeführten Gründen nicht richtig bewerten können:

  • Inhärente Natur der zugrunde liegenden Vermögenswerte, was bedeutet, dass sie keine verlässliche Bewertungsgrundlage haben
  • Vorkommen von Marktmissbrauch und Finanzkriminalität auf dem Sekundärmarkt (z.B. Cyber-Diebstahl)
  • Hohe Volatilität bei den Preisbewegungen von Krypto-Assets
  • Unzulängliches Verständnis von Krypto-Assets durch Kleinanleger
  • Fehlen eines legitimen Investitionsbedarfs für Kleinanleger, in diese Produkte zu investieren

Die hohe Preisvolatilität zusammen mit der Schwierigkeit, Krypto-Assets zuverlässig zu bewerten, stelle für Kleinanleger ein grosses Risiko dar. Obwohl laut einer Umfrage der FCA sich 97% der 527 Befragten gegen ein Verbot ausgesprochen haben, sei dies eine angemessene Massnahme.

„Signifikante Preisvolatilität […] setzt den Kleinanleger einem hohen Risiko aus, Verluste durch den Handel mit Krypto-Derivaten zu erleiden. Wir haben Beweise dafür, dass dies in erheblichem Umfang geschieht. Das Verbot bietet ein angemessenes Schutzniveau und der Verbraucherschutz steht hier an erster Stelle.“ – Sheldon Mills, interim Executive Director of Strategy & Competition der FCA

Umstrittener Entscheid

Der Entscheid wurde teilweise kritisch aufgenommen. Zum einen führte das klare Ergebnis der FCA Umfrage, wobei sich 97% der Befragten gegen eine weitere Regulierung des Bereichs aussprachen, zu  Unverständnis für die neueste FCA-Bekanntgabe. Coinshares, nach eigenen Angaben der grösste Asset-Manager von digitalen Assets in Europa mit Sitz in London, hatte bereits in einem früheren öffentlichen Statement im letzten Jahr, auf den damaligen Vorstoss der FCA reagiert. Die Kritik richtet sich u.a. an die Tatsache, dass verschiedenartige strukturierte Finanzprodukte von der FCA in denselben Topf geworfen werden. So seien „Delta 1 Zertifikate“, welche den Preisverlauf eines Assets nachbilden, nicht vergleichbar mit gehebelten Instrumenten wie Derivate.

Wir argumentieren, dass es unangemessen ist, Derivate und CFDs genauso riskant wie ETNs zu behandeln, wenn sie historisch gesehen viel besser abgeschnitten haben als andere, insbesondere angesichts des Kontexts der unterschiedlichen strukturellen Transparenz, Offenlegungsanforderungen und Gebühren.Statement Coinshares September 2019

Die Kritik ist nachzuvollziehen, weisen diese Instrumente tatsächlich verschiedenartige Risikoprofile und Anlageabsichten auf.

Anlegerschutz oder Bevormundung von Kleinanlegern?

Im vorliegenden Fall sollte generell die Frage gestellt werden, ab wann eine Behörde gewisse Assetklassen als zu volatil für private Anleger einstufen sollte, respektive, ob das überhaupt objektiv möglich und sinnvoll ist. Nach welchen objektiven Kriterien weist ein Asset zu hohe Kursschwankungen auf und ist damit für Privatanleger nicht (mehr) geeignet? Was die Volatilität betrifft, setzte beispielsweise der diesjährige coronabedingte Finanzmarktschock, Aktien- und Rohstoffmärkte extremen Kursschwankungen aus und führte zu etlichen Verlusten. Auch weisen individuelle Aktien oft ähnlich hohe Volatilitätsmuster wie Kryptowährungen auf. Diese Märkte verfügen seit Jahren über Angebote an gehebelten Derivate für Kleinanleger.

Die Definition „Spekulation mit Finanzinstrumenten“ ist naturgemäss mit einem Risiko verbunden. Ob Behörden nun entscheiden sollten, welche Spekulations- und Investitionsinstrumente für private Anleger geiegnet sind, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Die aufgeführten Punkte der FCA, auch wenn sie womöglich im Grundsatz gut gemeint waren, könnten ebenso gut auf Bevormundung respektive Ausschluss einer Anlegergruppe für gewisse Anlageklassen interpretiert werden. Zumindest das von der FCA aufgeführte Argument „Fehlen eines legitimen Investitionsbedarfs für Kleinanleger in diese Produkte zu investieren“, ist brisant. Ob ein Investitionsbedarf vorhanden ist, regelt der freie Markt. Sollen zukünftig Finanzmarktaufsichtsbehörden entscheiden, welche Assetklassen für Kleinanleger geeignet sind, oder sollte sich deren Fokus eher auf ein reguliertes Umfeld für alle Anleger richten?

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