Arizona Attorney General Kris Mayes hat 20 Misdemeanor-Anklagen gegen KalshiEx LLC und Kalshi Trading LLC beim Maricopa County Court eingereicht. Sie wirft dem Unternehmen vor, ein illegales Glücksspielunternehmen zu betreiben und verbotene Wetten auf Wahlergebnisse anzubieten.
Erstmals geht damit ein US-Bundesstaat strafrechtlich gegen einen Prediction-Market-Anbieter vor. Konkret umfassen die Anklagen vier Counts wegen Wahlwetten. Darunter fallen Contracts auf das Präsidentschaftsrennen 2028, das Arizona-Governor-Rennen 2026 und zwei weitere lokale Wahlmärkte. Die Staatsanwaltschaft wirft Kalshi ausserdem vor, unerlaubt Wetten auf Profi- und Collegesport sowie auf die Verabschiedung des SAVE Act angeboten zu haben. Pro Count drohen Bussen zwischen 10'000 und 20'000 USD, insgesamt maximal 400'000 USD.
Kalshis Präventivschlag verpufft
Die Anklage erfolgte nur fünf Tage, nachdem Kalshi am 12. März präventive Zivilklagen gegen Arizona, Utah und Iowa eingereicht hatte. Mit der Klage wollte das Unternehmen staatliche Massnahmen blockieren, bevor sie eintreten. Arizona liess sich davon nicht abschrecken.
"Kalshi mag sich als 'Prediction Market' vermarkten, aber in Wirklichkeit betreibt es eine illegale Glücksspieloperation und nimmt Wetten auf Wahlen in Arizona entgegen. Beides verstösst gegen Arizonas Gesetze. Kein Unternehmen darf selbst entscheiden, welche Gesetze es befolgt." - Kris Mayes, Attorney General, Arizona
Nach Arizona-Recht sind Wahlwetten nämlich explizit verboten. Jedes Glücksspielunternehmen im Bundesstaat benötigt gleichzeitig eine Lizenz. Kalshi besitzt keine solche Lizenz und argumentiert, dass eine CFTC-Zulassung als Designated Contract Market ausreiche.
CFTC stellt sich hinter Kalshi
CFTC-Vorsitzender Michael Selig, ein Trump-Ernannter, reagierte scharf auf die Anklage. Es handle sich um einen Dies ist ein Jurisdiktionsstreit und sei als strafrechtliche Verfolgung völlig unangemessen. Die Bundesbehörde vertritt die Position, Kalshis Event-Contracts seien "Swaps" unter dem Commodity Exchange Act (CEA). Sie fielen folglich ausschliesslich unter Bundesjurisdiktion.
Im Februar 2026 hatte die CFTC bereits einen Amicus Brief beim Ninth Circuit zugunsten von Crypto.com gegen Nevada eingereicht. Staatliche Regulierung würde laut der Behörde die "regulatorische Fragmentierung" wieder einführen. Der Kongress habe diese mit dem Dodd-Frank Act bewusst abgeschafft. Anfang 2026 zog die Trump-CFTC zusätzlich den unter der Biden-Administration initiierten Verbotsvorschlag für Wahlwetten zurück. Die Bundesbehörde unterstützt die Prediction-Market-Branche also aktiv, während einzelne Bundesstaaten dagegen vorgehen.
Kalshi: Illegales Glücksspiel oder regulierter Finanzmarkt?
Arizona ist kein Einzelfall. Bis Januar 2026 gab es über 19 staatliche Massnahmen gegen Kalshi. Cease-and-Desist-Verfügungen kamen aus Illinois, Montana, Ohio, Nevada, Maryland und New Jersey. Bei Arizonas Vorgehen handelt es sich allerdings um die erste strafrechtliche Anklage. Der Commodity Exchange Act enthält eine explizite Preemption-Klausel, die staatliche Gesetze zur Glücksspielregulierung verdrängen soll. Die zentrale Streitfrage lautet, ob Kalshis Event-Contracts unter diese Klausel fallen. Kalshi erhielt 2020 die CFTC-Zulassung als Designated Contract Market. Ende 2024 erlaubte ein Bundesgericht dem Unternehmen den Handel mit Wahlwetten, nachdem es die CFTC unter dem damaligen Vorsitzenden Rostin Behnam verklagt hatte. Anfang 2025 lancierte Kalshi Sports-Event-Contracts und löste damit sofortige staatliche Gegenwehr aus.
In der Kernfrage sind die Bundesgerichte gespalten. New Jersey gewährte Kalshi im April 2025 eine vorläufige Verfügung und stellte den Bundesvorrang fest. Tennessee folgte im Februar 2026 mit einer ähnlichen Entscheidung. Maryland wies Kalshis Antrag hingegen im August 2025 ab. Nevada löste eine zuvor gewährte Verfügung zugunsten Kalshis im November 2025 ebenfalls auf. Der Dritte Circuit Court of Appeals prüft derzeit den New-Jersey-Fall. Sein Urteil dürfte einen nationalen Massstab setzen. In Massachusetts stoppte ein Appellate Court eine einstweilige Verfügung gegen Kalshi vorläufig. Ein beschleunigtes Briefing-Verfahren läuft dort derzeit. Erschwerend kommt der Loper-Bright-Entscheid des Supreme Court aus dem Jahr 2024 hinzu. Seither führen Gerichte eigenständige Interpretationen durch, ohne der Behördenposition Vorrang einzuräumen. Für die CFTC erhöht das die Hürde, ihre Jurisdiktionsansprüche durchzusetzen.
Milliardenbewertung trifft auf staatliche Gegenwehr
Die strafrechtliche Eskalation trifft Kalshi in einer Phase rasanten Wachstums. Im November 2025 sammelte das Unternehmen 1 Milliarde USD ein, angeführt von Sequoia und CapitalG. Die Bewertung lag bei 11 Milliarden USD. Für eine neue Runde strebt Kalshi nun eine Bewertung von 20 Milliarden USD an. Das Handelsvolumen 2025 erreichte knapp 23 Milliarden USD. Der Umsatz stieg um 994 Prozent auf rund 260 Millionen USD. Rund 89 Prozent davon stammten aus Sports-Event-Contracts. In der Woche vom 9. bis 15. März 2026 verzeichnete Kalshi ein Rekord-Wochenvolumen von 2.9 Milliarden USD, angetrieben von March Madness. Die Robinhood-Partnerschaft trägt mittlerweile über 50 Prozent zum gesamten Handelsvolumen bei. Insgesamt zählt die Plattform 5.1 Millionen monatliche Aktiv-Nutzer.
Auch Konkurrent Polymarket spürt den regulatorischen Gegenwind. Die Plattform kehrte im Dezember 2025 auf den US-Markt zurück, nachdem sie 2022 wegen eines CFTC-Settlements den Betrieb eingestellt hatte. Die Übernahme der CFTC-regulierten Börse QCEX im Juli 2025 ermöglichte die Rückkehr. Im Januar 2026 erwirkte Nevada jedoch eine Temporary Restraining Order gegen Polymarket. Crypto.com stellte Sports-Contracts in mehreren Bundesstaaten nach Cease-and-Desist-Verfügungen freiwillig ein.
Arizonas Vorgehen signalisiert dennoch, dass einzelne Bundesstaaten nicht gewillt sind, ihre Glücksspielhoheit kampflos aufzugeben. Der US Prediction-Market-Sektor erzielte 2025 über 44 Milliarden USD Handelsvolumen. Allein im Februar 2026 generierten Kalshi und Polymarket gemeinsam knapp 18 Milliarden USD. Je grösser der Markt wird, desto entschlossener agieren die Regulierungsbehörden der Bundesstaaten.








