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    FTX-Rückzahlungen von 16 Milliarden USD: Mythen und Fakten

    FTX-Rückzahlungen von 16 Milliarden USD: Mythen und Fakten

    von Redaktion cvj.ch am 7. Oktober 2024 Hintergrund

    Zwei Jahre nach dem skandalösen Kollaps der ehemals zweitgrössten Kryptobörse FTX beginnt der Insolvenzverwalter in den kommenden Wochen mit Rückzahlungen von bis zu 16 Milliarden US-Dollar an Kunden. Bedeutet dies eine erhebliche Liquiditätsspritze für die Kryptomärkte?

    Die Geschichte von FTX und Alameda Research begann 2017. Damals gründete Sam Bankman-Fried, der sich "Altruist" nannte, eine quantitative Handelsfirma. Ihr Ziel war es, Ineffizienzen auf den Kryptomärkten auszunutzen. Kurz darauf folgte die Gründung der Börse FTX. Mit namhaften Investoren aus dem Venture-Capital-Bereich wurde die Plattform zu einem der umsatzstärksten Krypto-Handelsplätze. Alameda Research wickelte als Market Maker einen Grossteil des Handelsvolumens ab. Ein entscheidendes Detail blieb der Öffentlichkeit aber verborgen: Die Handelsfirma hatte Zugriff auf die gesamten Kundengelder von FTX und setzte damit riskante Wetten. Nach dem Beginn eines neuen "Krypto-Winters" meldete Alameda Konkurs an und zog die Börse mit sich. Knapp zwei Jahre später hoffen ehemalige FTX-Kunden jetzt auf erste Auszahlungen.

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    Undurchsichtige FTX-Bilanz

    Nach der Konkursanmeldung der FTX Gruppe Mitte November 2022 übernahm ein erfahrener Insolvenzverwalter das Ruder. John J. Ray III half bei der Bewältigung der Folgen einiger der grössten Firmenzusammenbrüche in der Geschichte, einschliesslich des Untergangs des Energiehandelsunternehmens Enron nach einem Bilanzbetrugsskandal im Jahr 2001. Doch selbst er äusserte sich kurz nach dem Antritt als Leiter des Verfahrens schockiert über die Begebnisse im Fall FTX. Noch nie in seiner beruflichen Laufbahn habe er ein so umfassendes Versagen der Unternehmenskontrollen und ein so vollständiges Fehlen vertrauenswürdiger Finanzinformationen gesehen.

    Entsprechend herrscht keine vollständige Klarheit über die Bilanz der insolventen Firma. Gerichtsakten zufolge beliefen sich die Forderungen der Gläubiger auf rund 16 Milliarden USD. Und laut dem aktuellsten Restrukturierungsplan wird FTX zwischen 14.5 und 16.3 Milliarden USD vollständig auszahlen können. Dadurch könnten, so John J. Ray, nichtstaatliche Gläubiger bis zu 100% der Konkursforderungen zuzüglich Zinsen zurückerhalten.

    Zusammenfassung der FTX-Bilanz / Quelle: FTX-Insolvenzverwalter
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    Nicht jeder kriegt 100% zurück

    Diese Zahl beinhaltet allerdings einige Nuancen. Die Konkursforderungen der ehemaligen Kunden basieren auf den Krypto-Preisen zur Zeit der Insolvenzanmeldung Mitte November. Zu diesem Zeitpunkt handelte Bitcoin bei 16'000 USD, Ethereum bei 1'250 USD und Solana bei 9 USD. Wer damals einen Bitcoin auf der Kryptobörse hielt, kriegt also 100% der 16'000 USD zurück. Gegenüber einem heutigen Preis von 63'500 USD schmerzt dieser Betrag. Das Extrembeispiel Solana bedeutet zum heutigen Preis von 150 USD einen "Verlust" von 94%.

    Einige Kommentatoren bewerten FTX-Auszahlungen in Dollar anders. 16 Milliarden in Fiat kämen schon bald in die Hände von Krypto-Verfechtern. Erste Zahlungen sollen im Oktober erfolgen. Ein erheblicher Teil der Gelder könnte deshalb zurück in die Märkte investiert werden. Vergleiche mit den 18.5 Mrd. USD an Nettozuflüssen in die Bitcoin-ETFs legen auf einen starken Kaufdruck nahe. Das Kleingedruckte ernüchtert aber auch hier wieder. Diesen Oktober wird der Restrukturierungsplan erst einem Gericht vorgelegt. Bei grünem Licht hat FTX dann 60 Tage für die Auszahlungen an Gläubiger mit weniger als 50'000 USD an Forderungen Zeit.

    Insgesamt erhalten nichtstaatliche Gläubiger 12.3 Milliarden USD, wie der obigen FTX-Bilanz zu entnehmen ist. 16 Milliarden wären es also ohnehin nicht. Und Schätzungen zufolge macht diese erste Sparte weniger als 20% aller Kunden aus. Bis Ende des Jahres werden also kaum mehr als zwei bis drei Milliarden ausbezahlt. Unter Berücksichtigung der bis zu 50% an Forderungen, die Kunden seit der Insolvenzanmeldung an Kreditinstitute verkauften, bleibt ein eher dürftiger Betrag übrig. Rückzahlungen an Gläubiger mit mehr als 50'000 USD erfolgen voraussichtlich im zweiten Quartal 2025.

    FTX Distribution

    False: Large accts. spreading false info, FTX distribution has started and/or start on 1st Oct etc and $16bn inflow
    7th October: Plan hearing

    Approx No.
    Est. $5.5bn claims bought (50%) - not crypto investors - won't reinvest in crypto

    Claims <$50k:…

    — Sunil (FTX Creditor Champion) (@sunil_trades) September 29, 2024

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    Über den Autor

    Redaktion cvj.ch
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    Die Redaktion des Crypto Valley Journal berichtet seit 2018 aus Zug, dem Sitz des Schweizer Crypto Valley, über Bitcoin, Krypto, Blockchain und die regulatorische Entwicklung digitaler Vermögenswerte. Hinter der kollektiven Redaktionsstimme steht ein Team aus Autoren mit Hintergrund in Finanzmarkt, Recht und Technologie.

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