Die reale Bedeutung des „CBDC Policy-Maker Toolkit“ des Weltwirtschaftsforums

Ende Januar veröffentlichte das Weltwirtschaftsforum in Davos einen 28-seitigen Leitfaden für Zentralbanken mit dem Namen „Central Bank Digital Currency CBDC Policy-Maker Toolkit“. Das Dokument soll Ländern als Hilfe dienen, digitale Währungen einzuführen. Ein Einblick von Demelza Hays.

Das Central Bank Digital Currency Policy-Maker Toolkit des Weltwirtschaftsforums ist ein Dokument, das die Gestaltungsmerkmale der CBDCs erklärt. Einschließlich potenzieller Vorteile, Risiken und Kosten der Implementierung.

„CBDC Policy-Maker Toolkit“ Gestaltungsmerkmale

Die Botschaft ist klar: CBDC’s werden keine Vorboten von Freiheit und Wohlstand sein, die auf soliden Geldprinzipien beruhen. Die knalligsten Argumente sind die folgenden:

  • Erstens, CBDC’s von Zentralbanken sind nicht als öffentliche und erlaubnisfreie Krypto-Währungen vorgesehen.
  • Zweitens: Selbst wenn eine Zentralbank beschließt, eine öffentliche und erlaubnislose Kryptowährung herauszugeben, sollen  Regulierungsbehörden ihre Verwendung nur für kleine Transaktionen ähnlich wie Fiat-Bargeld zulassen.
  • Drittens wird die Ausgabe von CBDCs nicht durch einen Algorithmus gesteuert und daher mathematisch begrenzt sein. Vielmehr wird die Zentralbank die volle Kontrolle über den CBDC haben.
  • Viertens werden die Zentralbanken gegebenenfalls ihre Bilanzen erhöhen müssen (d. h. die bestehende Geldmenge vergrößern), wenn sie beschließen, so genannte „Retail“-CBDCs auszugeben. Retail-CBDCs gewähren Einzelpersonen und Nicht-Finanzintermediären die Möglichkeit, direkte Einlagenkonten bei der Zentralbank zu unterhalten, was wiederum die Möglichkeiten der Banken, die Geldmenge über den Geldmultiplikator zu erhöhen, einschränkt.
  • Fünftens werden CBDC’s Fiat-Währungen und daher nicht konvertierbar sein.

Zentralisierte Systeme vom CBDC Policy-Maker Toolkit bevorzugt

Die CBDC’s der Zentralbanken sind nicht als öffentliche und erlaubnislose Krypto-Währungen gedacht. Die DLT-basierten CBDC’s  funktionieren innerhalb eines geschlossenen ‚erlaubten‘ Netzwerks von vorab identifizierten Validierungsparteien am besten.  „Regulierungsbehörden oder andere Institutionen könnten als zusätzliche Validierungsknoten oder Beobachterknoten teilnehmen, wo sie Validierungs- oder Ansichtsrechte hätten“. Übersetzung des Newspeak von 1984: CBDC’s werden weder öffentlich, was bedeutet, dass jeder die Transaktionen im Ledger einsehen kann, noch erlaubnisfrei sein. Was bedeutet, dass jeder Transaktionen auf den Ledger schreiben kann. Die Autoren weisen auch darauf hin, dass die Zentralbank in der Lage sein wird, ein Veto gegen die Zensur jeder Transaktion einzulegen. Somit würden die CBDC’s den Zentralbanken sogar eine noch stärkere Überwachung der Transaktionen ermöglichen, als im derzeitigen zweistufigen Zentral- und Geschäftsbankensystem, welches anonyme physische Barmittel und Inhaberaktienpapiere umfasst.

Freie Nutzung von CBDC’s nur bei kleinen Beträgen

Betreffend des zweiten Punktes, dass eine öffentliche und erlaubnislose CBDC nur für kleine Transaktionen zugelassen werden sollte, ist dem Artikel noch Weiteres zu entnehmen. Eine universell zugängliche CBDC ohne Identitätsanforderungen würde das Risiko erhöhen , dass die CBDC für illegale Aktivitäten genutzt werden könnte und auch mit den meisten Know-your-Customer (KYC) und Geldwäschebekämpfungs-massnahmen (AML), sowie der Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung (CFT) in Konflikt geraten könnte“. Das bedeutet, dass der «War on Cash» für alle CBDC’s, die dem pseudonymen Charakter von Bitcoin ähneln, zu einem «War on CBDC’s» werden wird.

In Bezug zum dritten Punkt – dass das Angebot nicht begrenzt wird – stellen die Autoren klar fest, „die Zentralbank würde die Ausgabe von CBDC vollständig kontrollieren, wie es bei einem zentralisierten System der Fall ist“.

Wahl des Gegenparteienrisikos fällt zu Lasten Geschäftsbanken

Im Hinblick auf den vierten Punkt, dass die Zentralbanken die Geldmenge präventiv erhöhen müssen, bevor sie einen CBDC für Privatkunden ausgeben können, weisen die Autoren darauf hin, dass „die Substitution von Einlagen durch den CBDC auch dämpfende Auswirkungen auf den Geldmultiplikator-Prozess haben könnte“. Das bedeutet, dass sich der Einzelne, wenn er die Wahl hat, ob er ein Bankkonto bei Banken, die ein Gegenparteirisiko darstellen, direkt bei der Bank und dann indirekt bei der Zentralbank oder ein Bankkonto direkt bei der Zentralbank haben möchte. Er wird sich wohl für Letzteres entscheiden, weil es eine Gegenpartei weniger gibt.

Wenn Einzelpersonen kein Geld mehr bei Geschäftsbanken einzahlen, wie werden die Banken dann über den Geldmultiplikator Geld aus dem Nichts schaffen und „eine ausreichende Versorgung der Wirtschaft mit Liquidität gewährleisten“? Im Grunde beschäftigt sich dieser ganze Teil des Artikels mit der Frage, wie eine funktionierende Wirtschaft ohne eine anhaltende Verschlechterung der Ersparnisse der Haushalte überleben könnte.

Zu dem fünften Punkt – dass CBDC’s fiat und nicht in reale Vermögenswerte umwandelbar sein werden – schreiben die Autoren: „Es heißt, dass die auf Token basierenden CBDC’s im Einzel- oder Großhandel vom Eigentümer in digitalen Brieftaschen verschiedener Art gehalten werden.  Wie physisches Bargeld, stellt ein „Token“ einen Gegenstand von gespeichertem Wert dar, der digitales Fiat-Geld ist…“ und „Die Öffentlichkeit könnte Konten der digitalisierten Fiat-Währung bei der Zentralbank haben oder CBDC auf mobilen Geräten, Prepaid-Karten oder anderen Formen digitaler Brieftaschen halten. Daher werden die CBDCs nicht in reale Vermögenswerte wie Gold konvertierbar sein. Die Quantität und Qualität, der von der Zentralbank in ihrer Bilanz gehaltenen Vermögenswerte wird, identisch mit dem derzeitigen System, Schwankungen im Wechselkurs der CBDC zu anderen CBDC’s verursachen.

Abkömmliche Korrespondenzbanken im internationalen Zahlungsverkehr

Trotz der eindeutig regierungsfreundlichen Ausrichtung auf die Geldmenge, bringen die Autoren einige gute Punkte zur Sprache. Zum Beispiel stellen die Autoren eine wichtige Frage in Bezug auf die CBDC’s für den Einzelhandel, nämlich, warum es Einzelpersonen im gegenwärtigen Währungssystem nicht erlaubt ist, Bankkonten bei der Zentralbank zu haben. Momentan sind es nur bestimmte Banken, die sogenannten «Korrespondenzbanken», welche Konten bei Zentralbanken haben. Alle anderen Banken, so genannte «Respondent-Banken», müssen mit Korrespondenzbanken zusammenarbeiten. Einzelpersonen stehen am unteren Ende der Nahrungskette und zahlen Transaktionsgebühren an eine Vielzahl von Zwischenhändlern.

Aufgrund des digitalen Charakters der CBDC’s argumentieren die Autoren, dass das Senden von Geld ins Ausland geringere Transaktionskosten haben wird, die aus dem komplexen Netz von Auskunfts- und Korrespondenzbanken resultieren, die derzeit Devisentransaktionen abwickeln. Die Autoren wiesen jedoch auch schon früher darauf hin, dass die CBDC’s im Großhandel mit dem derzeitigen zweistufigen Währungssystem gleichwertig seien.

Um die Komplexität des gegenwärtigen Systems zu reduzieren, schlägt der 28-Seiter vor, ausländischen Einheiten zu erlauben, CBDC’s direkt zu halten. Dies ist geopolitisch sehr interessant, denn jede unternehmerische Zentralbank könnte einen konvertierbaren (nicht Fiat) CBDC schaffen, der mit realen Vermögenswerten unterlegt ist und diesen CBDC dann an die Welt verkaufen. Dies würde einen globalen Wettbewerb der CBDC’s mit sehr niedrigen Wechselkosten auslösen. Länder mit CBDC’s, die auf nachhaltigem und gesundem Geld basieren, würden sofort Kapital anziehen, und der Wechselkurs würde somit steigen, und CBDC’s, die auf der modernen Geldtheorie basieren, würden sofort Kapital verlieren.

CBDC’s als direkte Verbindlichkeiten der Zentralbanken

Ein weiterer interessanter Punkt, den die Autoren hervorheben, ist, dass CBDC’s Verbindlichkeiten der Zentralbank sind. Zentralbanken können CBDC’s als neue Verbindlichkeiten ausgeben, indem sie ihre Aktivseite mit Anleihen erhöhen oder einen Teil ihrer bestehenden Verbindlichkeiten, wie z.B. Geschäftsbankreserven, übernehmen und in CBDC’s umwandeln. Hoffentlich werden die Zentralbanken Letzteres tun, um die Kaufkraft des im Umlauf befindlichen Geldes beizubehalten.

Die Autoren des CBDC Policy-Maker Toolkit klären erfolgreich die Verwirrung der Definitionen und darüber was eine Blockchain tun kann und was nicht. Sie weisen zu Recht darauf hin, dass die inländischen Großhandels-Zentralbanken dasselbe sind wie das zweistufige Bankensystem, in dem registrierte Banken Reserven bei der Zentralbank lagern können. Diese Banken sind dann in der Lage, ihre eigenen Verbindlichkeiten gegenüber den Bankeinlegern auszugeben. Die Autoren erklären auch, dass der viel gepriesene Vorteil der sofortigen Abwicklung nicht ein Merkmal der «distributed ledger technologie» ist, sondern eher ein Merkmal der bedingten Programmierung und der allgemeinen Hash-Funktionen. Das Wertpapierplattformen in der Lage sind, die Wertpapierabwicklung von drei Tagen auf die sofortige Abwicklung zu reduzieren, ist kein einzigartiges Merkmal der Blockchain-Datenbanken.

Mehr Wettbewerb im Währungsmarkt

Abschließend schreiben die Autoren mehrfach, dass die CBDC’s den Wettbewerb auf dem Währungsmarkt erhöhen. Obwohl die Autoren vor allem der Meinung sind, dass die CBDC’s im Einzelhandel mit Geschäftsbanken wie der UBS und Zahlungsabwicklern wie Worldline und SIX konkurrieren werden. Zudem müssen die CBDC’s auch mit Krypto-Währungen wie Bitcoin, dezentralisierten Stablecoins wie MakerDao und privat emittierten Geldern wie dem Libra von Facebook konkurrieren. Die Zentralbanken stehen vor einer sehr schwierigen Entscheidung, ob sie weiterhin politische Launen mit billigem Geld besänftigen oder aussterben wollen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass CBDC’s nichts anderes sind, als die neue, wenn auch unsichtbare Kleidung des Kaisers.

„Aber er hat ja gar nichts an!“ rief zuletzt das ganze Volk. Das ergriff den Kaiser, denn das Volk schien ihm recht zu haben, aber er dachte bei sich: ,Nun muss ich aushalten.‘ Und die Kammerherren gingen und trugen die Schleppe, die gar nicht da war.

– Hans Christian Andersen, 1837

 

 

Share.

Über den Autor

Demelza Hays

Demelza Hays ist Investmentberaterin der Dash Investment Stiftung. Sie ist eine "Forbes 30 under 30" Pionierin der Jahre 2018 und 2019 und Lehrerin an der Universität Liechtenstein sowie Beraterin der RealUnit Schweiz AG.