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    Sie sind hier:Home»Fokus»Hintergrund»Der Sturm – turbulente Zeiten für Krypto in China

    Der Sturm – turbulente Zeiten für Krypto in China

    von Stephan Eduard Pàl Roth am 7. Januar 2020 Hintergrund

    Seit drei Monaten ist China in einem "Krypto-Sturm" gefangen, in dem diejenigen die in der Krypto-Industrie tätig sind, darum kämpfen, sich in einem Meer der Unsicherheit über Wasser zu halten.

    Letzte Woche tauchte der Begriff "Blockchain not Bitcoin" wieder auf, als die Finanzaufsichtsbehörde in der Stadt Weihai die Investoren warnte, zwischen Blockchain und Bitcoin zu unterscheiden. Chinas Position in Bezug auf Krypto scheint klar zu sein. Betrachtet man alles, was seit Oktober geschehen ist, könnte es eventuell ein Licht am Ende des Sturms bedeuten?

    Eine gute Prognose

    Am 24. Oktober sprach Präsident Xi Jinping bei der achtzehnten Kollektivstudie über Trends in der Blockchaintechnologie und forderte eine verstärkte Entwicklung der Blockchaintechnologie und der digitalen Währungen. In seiner Rede unterstrich Xi die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und Vorteile der Blockchaintechnologie und betonte, dass China an der Spitze der Innovation bleiben müsse, da andere Nationen "ihre Bemühungen bei der Planung von Entwicklungen der Blockchaintechnologie verstärken". Im Anschluss daran wurden einzelne Blockchain Geschäftsfelder von den Regulierungsbehörden von einer Liste "geächteter Industrien" entfernt.

    Innerhalb von achtundvierzig Stunden wurde Präsident Xi's Aufruf vom National Peoples Congress (NPA) berücksichtigt, der eine aktualisierte Version des Blueprints der State Cryptography Administration (SCA) verabschiedete, der ursprünglich 2017 entworfen wurde. Ziel des Gesetzes ist und wird es sein, einen Rahmen für die Regulierung der Kryptographie für die öffentliche und kommerzielle Nutzung zu schaffen. Mit dem gesetzlichen Rückgrat will China weiterhin eifrig daran arbeiten, sich als Technologieführer zu etablieren; die Entwicklung einer eigenen digitalen Zentralbankenwährung scheint dabei die größte Bedeutung zu haben. Das neue Kryptographiegesetz soll am 1. Januar 2020 in Kraft treten.

    Für so manchen Kryptohändler waren die Kommentare von Xi in Verbindung mit dem neuen Gesetz der NPA Musik in den Ohren. Diese Begeisterung spiegelte sich auch in Bitcoin wieder, der gerade erst begonnen hatte aus einem Dreimonatstief herauszuklettern und drastisch um 26% stieg und als Reaktion auf die Nachricht kurzzeitig über $10'000 handelte. Analysten innerhalb der Branche freuten sich über Xi's Haltung, wie beispielsweise Marouane Garcon von der Krypto-Handelsplattform Amulet die behauptete, dass Xi's Ankündigung grünes Licht sei und einen Welleneffekt in ganz China auslösen wird. Dieser anfängliche Enthusiasmus wurde jedoch schnell beiseite gefegt, als die Behörden Wind davon bekamen, wie die Aussagen von Xi von der Krypto-Gemeinde interpretiert wurden.

    Der Sturm

    Nur eine Woche später, am 4. November, berichtete die South China Morning Post, dass die staatlich geförderte Zeitung People's Daily eine offizielle Klarstellung vorgenommen hatte: "Blockchain-Technologie-Innovation bedeutet nicht, auf virtuelle Währungen zu spekulieren". Die Erklärung der "People's Daily" bekräftigte die anfängliche Haltung Chinas gegenüber Krypto-Währungen, die in der Mitteilung der Peoples Bank of China (PBoC) 2017 dargelegt wurde und ausdrücklich alle Coinangebote (ICOs), alle Krypto-Tauschgeschäfte und jede Beteiligung von Finanzinstituten an Krypto verbot.

    Innerhalb von nur zwei Wochen nach dem Artikel der People's Daily forderte die PBoC-Niederlassung in Shanghai die lokalen Regierungsbehörden auf, die Einstellung der Geschäftstätigkeit von Krypto-Unternehmen zu unterstützen und die Pekinger Finanzaufsichtsbehörde warnte vor allen Krypto-Exchange-Aktivitäten. Daraufhin leitete das Shenzhen Municipal Leading Group Office for Internet Financial Risk eine eigene Untersuchungskampagne zu illegalen Krypto-Unternehmen ein und identifizierte 39 illegal operierende Krypto-Exchanges.

    Nachdem in Shanghai, Peking und Shenzhen "Korrekturmaßnahmen" ergriffen wurden, veröffentlichte die PBoC anschließend ihren Finanzstabilitätsbericht (2019), in dem behauptet wird, dass "173 inländische virtuelle Devisenhandels- und Token-Emissions-Finanzierungsplattformen den Markt verlassen haben". Ob diese Zahlen direkt mit dem harten Durchgreifen vom 13. bis 22. November zu tun haben, ist unklar. Es ist jedoch bekannt, dass fünf Krypto-Börsen (Bitsoda, Akdex, Idax, Btuex und Biss) als Folge des bevorstehenden Durchgreifens ihren Betrieb eingestellt haben; die Weibo-Konten von Binance und Tron wurden geschlossen und die Büros von Binance in Shanghai wurden von der Polizei durchsucht.

    Das Ergebnis dieser Demonstration autokratischer Macht spiegelte sich natürlich im Markt wider. Zeitgleich mit dem Durchgreifen in China fiel Bitcoin auf ein Sechsmonatstief und wurde um 07:00 Uhr MEZ bei $6'560 gehandelt, was eine 11-tägige Verlustsdauer fortsetzte. In China war die Botschaft, die von den Behörden vermittelt werden sollte klar, der Renminbi ist das einzig gültige gesetzliche Zahlungsmittel und Kryptos stellen eine direkte Bedrohung für die Konvertierbarkeit und die Leichtigkeit der Durchführung von Auslandsüberweisungen dar. Blockchain ist der Name des Spiels und Bitcoin sollte unbedingt beiseite geschafft werden.

    Ein Silberstreifen

    Doch inmitten all dieser Turbulenzen tauchten aufschlussreiche Informationen über den Zustand der Blockchain in China auf. Laut Zhu Xidong, dem Präsidenten der Beijing Blockchain Technology Application Association (BBAA) entwickeln 89% der chinesischen Blockchainunternehmen Krypto-Währungen. Für ein Land, das anscheinend die Absicht hat, nicht staatlich unterstützte 'virtuelle Währungen' auszulöschen, legt die Anzahl der Unternehmen die sich mit Krypto beschäftigen, etwas anderes nahe.

    Darüber hinaus gab es in den letzten zwei Jahren rechtliche Entwicklungen in China, die auf eine offenere Haltung gegenüber Kryptos in der Zukunft hindeuten könnten. Im Oktober 2018 war das Futian District People's Court of Shenzhen das erste Gericht, das Bitcoin den Eigentumsstatus zuerkannte, wobei der Schiedsrichter des Shenzhen Court of International Arbitration erklärte: "...es gibt keine Gesetze und Vorschriften, die es den Parteien ausdrücklich verbieten, Bitcoins zu besitzen oder Bitcoin-Transaktionen zwischen Einzelpersonen durchzuführen. [...] Bitcoin hat Eigentumseigenschaften, kann kontrolliert und beaufsichtigt werden, hat einen wirtschaftlichen Wert und kann den Parteien wirtschaftliche Vorteile bringen."

    Schließlich wurde im Juli dieses Jahres das Internetgericht von Hangzhou das zweite Gericht, das Bitcoin rechtliche Anerkennung verlieh. Auch hier wurde Bitcoin als ein virtuelles Eigentum beschrieben, da es die rechtlichen Voraussetzungen für die Anerkennung als solches erfüllte. Die Begründung ist, dass Bitcoin "wertvoll, knapp und frei verfügbar" ist. Diese beiden Gerichtsverfahren, verbunden mit dem Bericht der BBAA lassen vermuten, dass die Beziehung zwischen China und Krypto vielleicht nicht ganz so ist, wie es scheint.

    Bewölkt, die neue Norm

    Die Wende des Jahrzehnts nähert sich schnell, es scheint allerdings wenig sicher wie sich Chinas Beziehung zu Bitcoin und dem Krypto-Universum entwickeln wird. Obwohl im vergangenen Jahr Schritte unternommen wurden die darauf hindeuten, dass China seine Meinung geändert haben könnte, wurden diese Vorahnungen schnell wieder im Keim erstickt. "Das grüne Schilf, das sich im Wind biegt, ist stärker als die mächtige Eiche, die im Sturm bricht", sagte der chinesische Denker Konfuzius; doch angesichts der immer turbulenten Gezeiten in China bleibt abzuwarten, ob die flinken Schiffe der Kryptotrader auf einem so stürmischen Meer navigieren können. Denn jetzt heulen die Winde, das Meer wühlt und die Wolken hängen dunkel am Himmel und Chinas Haltung auf Krypto bleibt ein undurchdringlicher Grauton.

     

    Referenzen:

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    Über den Autor

    Stephan Eduard Pàl Roth
    • Website

    Bei CNNMoney tauchte Stephan in die Medienseite der Krypto- und Blockchain-Welt ein. Stephan verbindet seine Leidenschaft für Medien und Technologie und arbeitet nun als Autor und Content-Manager für MachinaTrader.com. Zuvor hatte Stephan 2017 die erste Online-Zeitung "Watts On" der Heriot-Watt-Universitäten gegründet und wurde zum Medienchef der schottischen Wirtschaftskonferenz 2019 gewählt.

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