Die grösste Schweizer Bank positioniert sich im wachsenden Markt für tokenisierte Finanzprodukte. CEO Sergio Ermotti bezeichnete UBS im Earnings Call Anfang Februar 2026 als "Fast Follower" bei Blockchain-Technologie. Die Bank wolle nicht als Erste vorangehen, sondern gezielt nachziehen.
UBS baut ihr Digital-Asset-Angebot konkret auf mehreren Ebenen aus. Dazu gehören Krypto-Zugang für vermögende Privatkunden, tokenisierte Einlagenlösungen für Unternehmen und institutionelle Anlageprodukte auf der Blockchain. Bei 6.6 Billionen Dollar Assets under Management hat die strategische Ausrichtung entsprechend Gewicht. Doch ganz überzeugt scheint die UBS nicht.
Von Pilotprojekten zur produktiven Infrastruktur
UBS arbeitet eigenen Angaben zufolge seit 2015 mit der Blockchain-Technologie. Die hauseigene Plattform UBS Tokenize wickelte 2023 die erste produktive Transaktion ab. Es handelte sich um ein tokenisiertes strukturiertes Produkt für Bank of China International. Seitdem folgten weitere Premieren. Im Februar 2024 lancierte UBS dann Hongkongs ersten tokenisierten Warrant auf Ethereum.
Bereits im November 2023 schloss die Bank gemeinsam mit SBI und DBS eine weitere Premiere ab. Die drei Institute führten die weltweit erste grenzüberschreitende Repo-Transaktion mit einem nativ ausgegebenen Digital Bond auf öffentlicher Blockchain durch.
UBS Tokenize unterstützt bewusst sowohl öffentliche als auch private Blockchains. Die Plattform deckt den gesamten Lebenszyklus ab, also Origination, Tokenisierung, Distribution und Custody. Daneben testete die Bank ein digitales Gold-Produkt auf ZKsync Validium, einer Ethereum-Layer-2-Lösung. 2025 folgte schliesslich die erste vollständige On-Chain-Rücknahme eines tokenisierten Fonds in Zusammenarbeit mit Chainlink.
Krypto-Trading und institutionelle Produkte
Im Januar 2026 gab UBS ausserdem bekannt, Bitcoin und Ethereum für ausgewählte vermögende Privatkunden anbieten zu wollen. Der Start soll zunächst in der Schweiz erfolgen, mit schrittweiser Einführung für eine limitierte Kundengruppe. Anschliessend plant die Bank eine Expansion nach Asien-Pazifik und in die USA. Custody- und Execution-Partner evaluiert die Bank allerdings noch.
"Als Teil der Digital-Asset-Strategie von UBS überwachen wir aktiv Entwicklungen und erkunden Initiativen, die Kundenbedürfnisse, regulatorische Entwicklungen, Markttrends und robuste Risikokontrollen widerspiegeln." - UBS-Medienstelle auf Anfrage von CVJ.CH
Für institutionelle Anleger lancierte UBS bereits im November 2024 den tokenisierten Geldmarktfonds uMINT auf dem Ethereum Mainnet. Der in Singapur domizilierte Fonds entstand aus einem Pilotprojekt im Rahmen von "Project Guardian" der Monetary Authority of Singapore. Denn die Nachfrage nach tokenisierten institutionellen Produkten wächst. Thomas Kaegi, Co-Head UBS Asset Management APAC, stellte ein "wachsendes Anlegerinteresse an tokenisierten Finanzanlagen über alle Asset-Klassen hinweg" fest. Ebenso startete im November 2024 UBS Digital Cash als Blockchain-basierte Multi-Währungs-Zahlungslösung für Unternehmenskunden.
Vom Bitcoin-Skeptiker zum Krypto-Anbieter
Die angekündigten Krypto-Handelsangebote markieren einen bemerkenswerten Strategiewechsel. UBS lehnte Bitcoin jahrelang ab. Axel Weber, ehemaliger UBS-Verwaltungsratspräsident, bezeichnete Bitcoin noch 2021 als Spekulationsblase und argumentierte, die Kryptowährung habe einen "zentralen Konstruktionsfehler". Kunden wurde in einem Warnbrief geraten, die Finger von digitalen Assets zu lassen. Ohne Zentralbank als Lender of Last Resort entstünde extreme Volatilität. Die Bank konzentrierte sich stattdessen auf Blockchain-Technologie und digitale Zentralbankwährungen, nicht auf Kryptowährungen selbst.
Diese ideologische Haltung kollidiert mit der aktuellen "Fast Follower"-Rhetorik. Bei tokenisierten Assets mag UBS bewusst den zweiten Schritt machen. Bei Kryptowährungen folgt die Bank hingegen unter erheblichem Druck. Drei Schweizer Kantonalbanken und PostFinance bieten bereits Krypto-Services an. BlackRock verwaltet einen Bitcoin-ETF mit über 12 Milliarden Dollar. Morgan Stanley und JPMorgan Chase haben Digital-Asset-Angebote für Kunden ausgebaut.
Die Nachfrage vermögender Privatkunden zwingt die UBS zum Handeln. Ein Sprecher formulierte die Strategie vorsichtig als "aktive Beobachtung von Entwicklungen". Die Bank kann es sich schlicht nicht leisten, weiter abseits zu stehen, während Wettbewerber Marktanteile gewinnen. Der angekündigte Krypto-Handel wirkt somit weniger wie proaktive Innovation, sondern wie späte Reaktion auf Marktdruck.








