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    Volvo Group erprobt eine eigene Kryptowährung auf einem geschlossenen Blockchain-Netzwerk, um Zahlungen mit Lieferanten abzuwickeln.

    Volvo Group testet eigene Kryptowährung für Lieferanten

    von Redaktion cvj.ch am 17. Juli 2026 Blockchain

    Volvo Group hat auf einem geschlossenen Blockchain-Netzwerk eine eigene Kryptowährung getestet, um Zahlungen und Datenaustausch mit Material- und Transportlieferanten zu vereinfachen. Das Projekt der Nutzfahrzeugsparte befindet sich noch im Ideenstadium.

    Die Volvo Group ist die Nutzfahrzeugsparte des schwedischen Herstellers und verantwortet Lastwagen, Busse sowie Baumaschinen. Sie ist organisatorisch eigenständig und von der Personenwagen-Sparte Volvo Cars getrennt. Das geplante geschlossene Blockchain-Netzwerk unterscheidet sich grundlegend von öffentlichen Kryptowährungen. Der interne Token ist daher weder handelbar noch spekulativ ausgerichtet. Stattdessen dient er der Abrechnung und Dokumentation zwischen bekannten Teilnehmern. Die Aussagen stammen von Ivan Branco, Head of Information Management, AI, and Analytics bei Volvo Group Trucks Operations. Er machte sie in einem Interview mit der Cardano Foundation, das die Stiftung im Juli 2026 veröffentlichte. Ziel der geschlossenen Umgebung ist es, grenzüberschreitende Transaktionen zu vereinfachen und Bestell- sowie Transportdaten unveränderlich festzuhalten. Bislang handelt es sich um reine Exploration mit ausgewählten Transportlieferanten.

    Grenzüberschreitende Zahlungen ohne traditionelle Währung

    In der getesteten Struktur läuft die Verrechnung zwischen Materiallieferant, Transportlieferant und Volvo Group über eine gemeinsame, konzerneigene Verrechnungseinheit. Diese proprietäre Kryptowährung schuf der Konzern eigens für diesen Zweck. Sie soll Zahlungen zwischen den Parteien abwickeln, ohne dass jede Transaktion durch das traditionelle Währungssystem läuft. Gleichzeitig hält das Netzwerk Bestell- und Transportdaten unveränderlich fest. Beide Datenströme landen somit in einem gemeinsamen, für alle Beteiligten einsehbaren Register.

    Branco beschrieb das Vorhaben als Exploration mit ausgewählten Transportlieferanten. Ziel sei ein geschlossenes Umfeld, in dem sich die Transaktionen zwischen den drei Parteien über einen eigens geschaffenen Token abbilden lassen. Der Ansatz zielt vor allem auf grenzüberschreitende Zahlungen, die im klassischen Bankensystem oft langsam und teuer bleiben. Schliesslich summieren sich bei internationalen Lieferketten Gebühren und Bearbeitungszeiten über mehrere Zwischenbanken hinweg. Ein interner Token macht die Beteiligten hingegen unabhängig von traditionellen Währungen und deren Wechselkursen.

    Entscheidend ist die Abgrenzung zu Spekulationsobjekten. Der Token zirkuliert hingegen nur unter zugelassenen Partnern. Einen Marktpreis trägt er nicht. Folglich ähnelt das Konzept eher einer internen Verrechnungsschiene als einem gängigen Krypto-Asset. Das Gespräch führte Branco mit der Cardano Foundation, die sich verstärkt im Enterprise-Segment positioniert und Referenzkunden aus der Industrie sucht.

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    Sanktionsrisiken machen Herkunftsnachweise zur Pflicht

    Für den Konzern ist die Rückverfolgbarkeit eine Compliance-Notwendigkeit, keine technische Spielerei. Branco verwies auf die Schwierigkeit, das Ursprungsland von Ersatzteilen und montierten Fahrzeugen lückenlos nachzuweisen. Bei Verstössen drohen deshalb erhebliche Bussen durch geopolitische Sanktionen und Handelsbeschränkungen. Ausserdem haben die EU-Sanktionsregime die Anforderungen an Exporteure seit 2022 zusätzlich verschärft. Als Beispiel nannte er die EU-Sanktionen gegen Russland nach dem Angriff auf die Ukraine.

    Das Haftungsrisiko endet dabei nicht an der eigenen Werkstür. Verkauft ein Hersteller Teile an einen Importeur, der sie anschliessend weiterreicht, bleibt er trotzdem in der Verantwortung. Für einen global aufgestellten Nutzfahrzeughersteller mit weit verzweigten Zulieferketten ist dieser Nachweis manuell kaum lückenlos zu führen. Eine unveränderliche Aufzeichnung der Lieferkette soll solche indirekten Umgehungen sichtbar machen. Zugleich sieht Volvo Group Potenzial bei der End-to-End-Rückverfolgbarkeit von Produkten, insbesondere im Remanufacturing, also der industriellen Wiederaufbereitung gebrauchter Komponenten.

    „Als die Europäische Union sagte, man dürfe keine Güter mehr nach Russland liefern, muss man wissen, ob die Güter tatsächlich dorthin gelangen. Zum Beispiel, weil man sie an Importeure verkauft, die die Teile dann weiterverkaufen könnten, und man selbst weiterhin haftbar ist." - Ivan Branco, Head of Information Management, AI, and Analytics, Volvo Group Trucks Operations

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    Kobalt-Tracking bei Volvo Cars als Blockchain-Vorbild

    Der Vorstoss der Nutzfahrzeugsparte steht nicht für sich allein. Schliesslich setzt die Schwestergesellschaft Volvo Cars Blockchain bereits seit 2019 in deutlich grösserem Massstab ein. Beide Firmen sind organisatorisch getrennte, eigenständige Konzerne, teilen jedoch die Markenhistorie. Der frühere Einsatz bei der Personenwagen-Sparte lässt den aktuellen Test der Nutzfahrzeugsparte folglich als logischen Folgeschritt erscheinen.

    Volvo Cars kündigte die Blockchain-Rückverfolgbarkeit von Kobalt im November 2019 an. Der Schritt fiel zeitlich mit dem ersten vollelektrischen Modell zusammen, dem XC40 Recharge. Kobalt ist ein zentraler Rohstoff für die Batterien von Elektrofahrzeugen und stammt oft aus Regionen mit problematischen Abbaubedingungen. Für das Projekt arbeitete der Autohersteller mit seinen beiden globalen Batterielieferanten CATL aus China und LG Chem aus Südkorea zusammen. Die technische Umsetzung übernahmen die Blockchain-Anbieter Circulor und Oracle. Ein erfolgreicher Pilotversuch bei CATL fand zuvor im Sommer 2019 statt.

    Die Blockchain erfasst unter anderem die Herkunft des Kobalts, dessen Gewicht und Grösse sowie die Chain of Custody. Damit lässt sich die Konformität mit den OECD-Leitlinien für verantwortungsvolle Lieferketten belegen. Das Projekt gilt zudem als eines der ersten grossflächigen Rückverfolgbarkeitsvorhaben der Automobilindustrie. Später diente es zahlreichen ähnlichen Initiativen anderer Hersteller als Vorbild.

    EU-Produktpass macht Rückverfolgbarkeit ab 2027 zur Pflicht

    Hinter dem Interesse an lückenloser Dokumentation steht ein konkreter regulatorischer Rahmen. Der Digital Product Passport ist Teil der EU-Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte. Für Batterien wird er ab Februar 2027 verpflichtend. Zuvor verabschiedete die EU 2025 einen ersten Arbeitsplan mit Detailanforderungen. Damit gerät Volvos Blockchain-Vorstoss zeitlich unter Druck.

    Der Produktpass soll Informationen zu Materialzusammensetzung, Nachhaltigkeit, Herkunft und regulatorischer Konformität bündeln. Der Zugriff erfolgt über einen eindeutigen Produktidentifikator, etwa einen QR-Code. Damit lässt sich die Herkunft eines Produkts entlang der Wertschöpfungskette nachvollziehen. Entscheidend für global aufgestellte Hersteller ist zudem die Reichweite der Regel. Sie gilt ebenfalls für Importe in die EU, unabhängig vom Herstellungsland.

    Bis zur Industrialisierung sind allerdings operative Hürden zu überwinden. Branco nannte zunächst die zusätzliche Komplexität für Altsysteme sowie die begrenzten Blockchain-Kenntnisse in der Organisation. Ferner stellen sich Fragen der Skalierbarkeit sowie von Wartung und Support. Der Test bleibt somit vorerst eine Idee, deren regulatorischer Nutzen jedoch klar umrissen ist.

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    Die Redaktion des Crypto Valley Journal berichtet seit 2018 aus Zug, dem Sitz des Schweizer Crypto Valley, über Bitcoin, Krypto, Blockchain und die regulatorische Entwicklung digitaler Vermögenswerte. Hinter der kollektiven Redaktionsstimme steht ein Team aus Autoren mit Hintergrund in Finanzmarkt, Recht und Technologie.

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