Was hat sich diese Woche rund um Blockchain und Kryptowährungen getan? Die relevantesten lokalen und internationalen Geschehnisse sowie ansprechende Hintergrundberichte pointiert und kompakt im Wochenrückblick.
Selektierte Artikel der Woche:
Justin Drake, Forscher der Ethereum Foundation, hält einen Bruch der Krypto-Signaturen durch KI für möglich, noch bevor Quantencomputer so weit sind. Betroffen wäre ECDSA, mit dem Bitcoin und Ethereum Transaktionen signieren. Anlass ist eine Veröffentlichung von OpenAI: 722 KI-generierte Mathematik-Manuskripte, die bislang niemand unabhängig geprüft hat. Elliptische Kurven hält Drake wegen ihrer algebraischen Struktur für besonders verwundbar. Im schlimmsten Fall könne ECDSA deshalb in Monaten statt Jahren fallen. Einen Beleg dafür gibt es allerdings nicht. Als Vorsorge empfiehlt Drake einen „Bunker Mode“. Weil der Public Key erst beim Signieren sichtbar wird, soll das Restguthaben nach jeder Signatur auf eine frische Adresse wandern. Zudem sollen Firmen wie Binance, Robinhood und Tether ihr Cold Storage härten. Zur Eile rät er dennoch nicht, denn eine überstürzte Migration schade mehr, als sie nütze. Langfristig soll Ethereum ganz auf hash-basierte Kryptografie setzen.
Justin Drake von der Ethereum Foundation rät zum Bunker Mode, weil KI-Mathematik ECDSA vor Quantencomputern brechen könnte.
Ohne Privatsphäre bleiben Institutionen der Blockchain fern
Auf öffentlichen Blockchains sind jeder Saldo und jede Gegenpartei dauerhaft einsehbar. Für Institutionen ist das ein Hindernis, denn kein Fonds kündigt seine Trades öffentlich an. Privatsphäre gilt deshalb als fehlende Schicht zwischen Krypto und Institutionen. Der Markt preist das bereits ein. Der Wert der Privacy Coins stieg in einem Jahr von 6.2 auf rund 30 Mrd. USD, der übrige Kryptomarkt ohne Stablecoins verlor dagegen rund 35%. Wie eine Lösung aussehen kann, zeigt das Canton Network. Dort bleiben Positionen vor Konkurrenten verborgen, die Aufsicht erhält bei Bedarf aber Einblick. Goldman Sachs, J.P. Morgan und der US-Verwahrer DTCC nutzen das Netzwerk bereits. Den grössten Teil des Marktwerts stellt Zcash, das grösste Privacy-Netzwerk, mit rund 20 Mrd. USD. Allerdings wächst die Konkurrenz. Ethereum stellt Privatsphäre ins Zentrum seiner Roadmap für 2026, und Solana verschlüsselt mit Confidential Balances die Beträge. Das könnte die Prämie dedizierter Privacy Coins wie Zcash schmälern.
Der Sektor der Privacy Coins wuchs in einem Jahr von 6.2 auf 30 Mrd. USD, Institutionen machen Privatsphäre zur Bedingung für On-Chain.
EZB verteidigt Zentralbankgeld als Anker der Tokenisierung
Isabel Schnabel aus dem Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) hat in London drei Modelle für Zentralbankgeld auf der Blockchain vorgestellt. Im ersten gibt die Zentralbank die Reserven der Banken direkt als Token aus. Das zweite lässt das bestehende Zahlungssystem unverändert und verbindet es über eine Schnittstelle mit der Blockchain. Im dritten gibt ein privater Intermediär Token aus, die voll durch Reserven bei der Zentralbank gedeckt sind. Für den Inhaber bleiben diese Token allerdings eine private Forderung. Das Ziel ist stets dasselbe: Zentralbankgeld soll auch auf tokenisierten Märkten der Anker der Abwicklung bleiben. Praktisch ist die EZB schon weiter. Seit kurzem verbindet sie Blockchain-Plattformen mit ihrem Zahlungssystem. Banken können Geschäfte mit tokenisierten Wertpapieren dadurch direkt in Zentralbankgeld abwickeln. Zum Start machten 13 Finanzinstitute mit, darunter Deutsche Bank und Santander. Zudem will die EZB einen kleinen Teil ihrer Eigenmittel selbst in solche Papiere investieren. Einen Betrag nannte sie jedoch nicht.
Isabel Schnabel von der EZB legte in London drei Modelle für Zentralbankgeld onchain vor, von direkter Ausgabe bis zu privaten Token.
FinCEN streicht Meldepflichten für Mixer und Wallets
Die US-Geldwäschebehörde FinCEN hat zwei Krypto-Entwürfe zurückgezogen, die nie in Kraft getreten waren. Der erste stammt vom Dezember 2020 und betraf Wallets in Selbstverwahrung, sogenannte Unhosted Wallets. Finanzinstitute hätten ab 3’000 USD Daten zur Gegenpartei erfassen müssen. Der zweite Entwurf von 2023 stufte Krypto-Mixing als vorrangiges Geldwäscherisiko ein. Mixer vermischen die Transaktionen vieler Nutzer, um Zahlungsspuren zu verwischen. Die geplanten Meldungen hätten dabei auch IP-Adressen der Nutzer umfasst. FinCEN begründet die Rücknahme mit dem Kurs der Trump-Regierung, Regeln abzubauen. Eine Entwarnung ist das allerdings nicht. Denn die Behörde sieht in Mixern weiterhin ein Geldwäscherisiko und behält sich künftige Schritte vor. Für Schweizer Institute ändert sich ohnehin nichts. Die FINMA verlangt bei Self-Hosted Wallets schon heute einen Nachweis, dass der Kunde die Wallet kontrolliert, unabhängig vom Betrag. In der EU gilt eine ähnliche Pflicht ab 1’000 EUR.
FinCEN zieht die Mixing-Regel von 2023 und den Wallet-Vorschlag von 2020 zurück, während EU und Schweiz Eigentumsnachweise fordern.
Strategien auf dezentralen Börsen
Ausserdem: Auf dezentralen Börsen handeln Nutzer nicht gegeneinander, sondern mit einem Pool aus Token. Den Preis bestimmt dabei kein Orderbuch, sondern eine feste Rechenregel. Dieses Verfahren heisst Automated Market Maker (AMM). Das Kapital im Pool stammt von Anlegern, den sogenannten Liquidity Providern. Sie erhalten dafür einen Anteil an den Handelsgebühren. Wer Liquidität bereitstellt, hält damit ein Portfolio, das sich bei jedem Handel selbst umschichtet. Steigt ein Token, gibt der Pool einen Teil davon ab. Fällt er, kauft der Pool nach. Im Kern arbeitet ein AMM damit wie ein Vermögensverwalter mit fester Anlageregel. Das hat allerdings einen Preis. Steigt ein Token stark, hätte der Anleger mit blossem Halten oft mehr verdient. Diese Differenz heisst Impermanent Loss und wächst mit den Preisschwankungen. Gebühren können den Verlust zwar ausgleichen. Eine risikolose Einnahmequelle ist die Bereitstellung von Liquidität dennoch nicht.
Automated Market Makers verwalten Liquiditätspools wie regelgebundene Portfolios. Was das für Impermanent Loss und Absicherung bedeutet.








